Österreich

Neophyten: Plage für ÖBB und Asfinag

19.07.2022 • 12:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das drüsige Springkraut zählt ebenso zu den invasiven Neopyten
Das drüsige Springkraut zählt ebenso zu den invasiven Neopyten Fotolia

Neophyten überwuchern gerade auch an Bahndämmen und Straßen ihre heimischen Geschwister.

Ob an Flussläufen, an Straßenrändern oder auf Bahndämmen: Wo einst heimische Pflanzen (langsam) vor sich hinwuchsen, wuchern nun immer öfters invasive Neophyten. Sie verändern damit nicht nur die Pflanzenwelt, sondern werden ebenso zur Plage.

Davon betroffen sind auch die ÖBB, deren Streckennetz alleine 5000 Kilometer umfasst. “Da Neophyten starkwüchsig sind, können sie in kürzester Zeit Servicepfade verwachsen und die Sicht auf Signale oder Lichtzeichen beeinträchtigen”, erläutert Thomas Schuh. Arten mit starkem Längenwachstum würden zudem Oberleitungen, Lärmschutz- oder Stützwände verwachsen. Botaniker gehen davon aus, dass entlang der Schienen bereits 40 Prozent der Pflanzen Neophyten sind.

Neophyten

Zu den „neuen Pflanzen“, so die wörtliche Übersetzung, zählen auch Kartoffeln oder Tomaten (sie stammen aus Amerika). Gefahr geht von den „invasiven“ Arten aus, also jenen, die heimische verdrängen. Infos zu Vorkommen und Bekämpfung der einzelnen invasiven Neophyten unter: https://www.neobiota.steiermark.at/

 

Von Ziegen und Schafen weggefressen

Vorgegangen gegen die “übergriffigen” Pflanzen wird mit Heißwasser, Strom, Matten oder Mähern. Das umstrittene Herbizid Glyphosat kommt nicht mehr zum Einsatz. Ein 2014 gestartetes Pilotprojekt in Kärnten mit Ziegen und Schafe musste allerdings eingestellt werden, da Passanten den Tieren immer wieder Unbekömmliches zufütterten. Schuh: “Die Idee selbst führen wir aber fort, in Gebieten, an denen weniger Menschen vorbeikommen.”

Ambrosia, Drüsigem Springkraut & Co einen Riegel vorzuschieben, versucht auch die Asfinag. “Bevor die Geräte zur nächsten Baustelle gebracht werden, müssen sie gereinigt werden. So können wir verhindern, dass Neophyten-Samen weitertransportiert werden”, nennt Irina Langegger ein Beispiel. Darüber hinaus wird auf offenen Flächen so rasch wie möglich heimisches Saatgut aufgebracht, da Neophyten auf “nacktem Boden” besonders gut Wurzeln schlagen können. Die sogenannten Ausgleichsflächen zur Kompensation von verbautem Freiland werden sogar zu 100 Prozent neophytenfrei gehalten – händisch.

Gefahr für den Menschen

Mitarbeiter, die entlang der Straßen, aber auch der Schienen arbeiten, werden von Asfinag und ÖBB umfangreich geschult – um sie nicht in Gefahr zu bringen: Schuh: “Kommt man etwa mit dem Riesenbärenklau in Berührung, kann das die Haut verätzen.”

Auf Bewusstseinsbildung setzen die ÖBB übrigens auch bei den Garten-Betreibern entlang oder nahe der Gleise: Wird dort doch so mancher Neophyt zuerst als Zierpflanze angesetzt – um später “auszubüxen”.

EU-weit gelten mittlerweile 66 Pflanzen- und Tierarten als invasiv, in Österreich 27 – Tendenz steigend.

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