Österreich

Was gilt ab 1. August für Corona-Infizierte?

26.07.2022 • 18:52 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Statt allein zuhause zu sitzen, dürfen Infizierte ab 1. August mit Maske hinaus
Statt allein zuhause zu sitzen, dürfen Infizierte ab 1. August mit Maske hinaus (c) Spitzi-Foto – stock.adobe.com (Wolfgang Spitzbart)

Ab 1. August wird die Quarantäne für Infizierte durch eine Verkehrsbeschränkung ersetzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Regeln.

Was bedeuten die Verkehrsbeschränkungen?

Ab 1. August wird die Quarantäne für Infizierte durch eine Verkehrsbeschränkung ersetzt. Wer einen positiven Corona-Test hat und sich gesund fühlt, darf die Wohnung verlassen, muss aber außerhalb der eigenen vier Wände zehn Tage lang FFP2-Maske tragen. Betretungsverbote gibt es für Krankenanstalten, Pflege-, Behinderten- und Kureinrichtungen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Volksschulen und Horte.

Überall sonst darf man mit Maske hin. Das heißt etwa: Essen im Restaurant abholen oder Freunden im Lokal Gesellschaft leisten, ist für positiv-Getestete möglich, selbst mit Maske zu essen oder zu trinken, wird aber schwierig. Auch in die Arbeit, ins Schwimmbad oder die Disco dürfen Infizierte künftig mit Maske gehen.

Abgenommen werden darf die Maske für die Dauer der Verkehrsbeschränkung nur im Freien, wenn in zwei Metern Abstand sonst niemand unterwegs ist.

Was, wenn ich mich krank fühle?

Wer krank ist, bleibt zuhause“, betonte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am Dienstag. Dafür wird die telefonische Krankmeldung wieder in Kraft gesetzt. Bei einem schweren Verlauf sollte man jedenfalls mit dem Hausarzt auch das weitere Vorgehen besprechen. Neben der Impfung können neue, breiter verfügbare Medikamente helfen.

Kann ich mich freitesten?

Ja. Die Verkehrsbeschränkungen laufen bereits ab einem positiven Antigen-Test. Fällt danach ein PCR-Test negativ aus, fallen die Vorgaben. Ist der PCR-Test positiv, gelten die Verkehrsbeschränkungen für zehn Tage, nach fünf kann man sich freitesten.

Wie wird kontrolliert, wer Maske tragen muss?

Die Maskenpflicht für Infizierte werde kontrolliert, wenn sich Indizien für eine Missachtung ergeben, heißt es aus dem Gesundheitsministerium, Schwerpunktkontrollen seien nicht geplant. “Ich werde jetzt nicht flächendeckend Polizisten aufstellen”, sagte Rauch bei der Pressekonferenz am Dienstag.

Theoretisch können bei Verstößen gegen die Maskenpflicht aber weiterhin Verwaltungsstrafen ausgesprochen werden. Schon bisher sei eine Kontrolle der Absonderung nur in Stichproben möglich gewesen, man erwarte sich daher “wenig Unterschied bei der Effizienz der Kontrollen”, heißt es aus Rauchs Ressort.

Gilt die Regelung in ganz Österreich?

Ja. Die rot regierten Bundesländer Wien, Kärnten und das Burgenland kritisieren die Verkehrsbeschränkungen zwar, haben aber angekündigt, die neuen Maßnahmen dennoch umzusetzen. “Das wäre auch an­ders gar nicht mög­lich”, sagte etwa der Wie­ner Bür­ger­meis­ter Mi­cha­el Lud­wig (SPÖ).

Was gilt am Arbeitsplatz?

Klar ist: Wer krank ist, darf nicht arbeiten gehen.

Das allgemeine Arbeitsrecht und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bleiben unberührt. Wer keine Symptome aufweist, kann mit durchgehend getragener FFP2-Maske zur Arbeit gehen. Ausgenommen sind Berufe, wo das Tragen der Maske nicht möglich ist, etwa Sänger oder Logopädinnen.

Keine Beschränkungen gibt es, wenn am Arbeitsplatz nur aktuell infizierte Personen zusammentreffen. Ausgenommen sind vulnerable Settings wie Krankenhäuser, wo für infizierte Mitarbeitende zwar kein Betretungsverbot, jedenfalls aber Maskenpflicht herrscht.

Für Covid-Risikogruppen wird ab August die Dienstfreistellung reaktiviert. Personen mit erhöhtem Covid-Risiko haben damit weiter Anspruch auf Homeoffice bzw. auf befristete Dienstfreistellung, falls Homeoffice nicht möglich ist und keine praktikablen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz getroffen werden können. Der Bund übernimmt die anfallenden Kosten zu 100 Prozent, die Regelung gilt vorerst bis Oktober.

Mache ich mich strafbar, wenn ich infiziert mit Maske ins Büro gehe?

Nein. Wer eine Handlung begeht, die eine meldepflichtige Krankheit weiter verbreiten könnte, kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Das Coronavirus bleibt zwar eine meldepflichtige Erkrankung, dennoch wird es künftig nicht mehr möglich sein, etwa einen Arbeitskollegen anzuzeigen, weil dieser trotz eines positiven Corona-Tests in die Arbeit gekommen ist – sofern er durchgehend Maske getragen hat.

Darauf, dass die Maske sitzt, muss auch der Arbeitgeber achten, warnt die Arbeitsrechtsexpertin Katharina Körber-Risak. Tut er das nicht, kann auch er haften. Es gehe dann um Schadenersatz und Schmerzengeld, sollte es zu Corona-Fällen in Betriebstätten kommen. Wenn sich ein Arbeitgeber gar nicht um die Einhaltung der angedachten Maskenpflicht für Covid-Erkrankte kümmere, dann gehe es sogar in Richtung Strafrecht.

In Gastronomie, Hotellerie oder Handel müsste der Betrieb den Einsatz Corona-positiver Mitarbeitender auch gegenüber Kunden kommunizieren, so Körber-Risak, etwa mit einem Hinweis: “Heute bedient sie eine Covid-positive Person.” Raten würde die Juristin das nicht: “Jeder vernünftige Arbeitgeber lässt Covid-Positive daheim.”

Was bringt die Aufhebung der Quarantäne?

Rauch sprach von einer neuen Phase der Pandemie, in der man mit Impfung und Medikamenten Werkzeuge zur Bekämpfung der Krankheit in der Hand habe. Zu beachten gebe es auch psychische Auswirkungen durch die Krise. Die Corona-Maßnahmen müssten immer so viel wie notwendig und so wenig wie möglich sein, erklärte Rauch den Öffnungsschritt. Der Gesundheitsminister hofft auch, dass sich wieder Menschen testen lassen, die dies bisher aus Angst vor der Absonderung unterlassen haben.

Chief Medical Officer Katharina Reich ergänzte, dass Corona in absehbarer Zeit bleiben werde und man sich darauf einstellen müsse. Es werde nun ein erster “Step down” vom Krisen- zum Akzeptanz-Modus gesetzt. Sie wies auch darauf hin, dass nur 50 Prozent der Hospitalisierten mit Corona tatsächlich wegen Covid im Krankenhaus seien. Dem Covid-Daten-Register soll dabei eine größere Rolle zukommen.

Bleibt diese Regel dauerhaft?

Nicht unbedingt. Die Regierung beschließt gleichzeitig auch den Variantenplan. Es handelt sich dabei um ein Strategiepapier, das beschreibt, wie sich der Staat je nach vorherrschender Corona-Variante verhalten sollte. Im besten der vier Szenarien würde die Pandemie langsam abflachen, im Schlechtesten deutlich eskalieren.

Aktuell befindet sich Österreich laut Gesundheitsministerium in Szenario 2. Sollte eine neue, gefährlichere Variante auftreten, könnte die Quarantäne wieder eingeführt werden müssen.