Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Exaktes Hinschauen

Erst lernen und dann ernten

Wer erst einmal weiß, mit welcher Pflanze er es zu tun hat, der kann vieles in Büchern nachschlagen oder auf Plattformen nachlesen. Doch wie findet man heraus, was da geerntet wurde?

Von Carmen Hafner

Kräuter ernten ist aktuell stark im Trend. Salben sollen gerührt, Suppen gekocht, Aufstriche verfeinert werden. Fast jeder maßt sich an, dafür die richtigen Pflanzen zu kennen. Es ist völlig richtig: Manche sind kaum zu verfehlen. Wenn es keine giftigen Doppelgänger gibt, kann auch nicht viel passieren. Löwenzahn ist so ein Beispiel. Es ist bekannt, wie dieser aussieht – und wird sich doch geirrt, ist vermutlich lediglich das ebenso essbare Ferkelkraut oder stattdessen Wiesenpippau erwischt worden.

Doch was, wenn es um heiklere Zutaten geht? Giersch ist heiß begehrt, weil supergesund und obendrein schmackhaft. Seine Blätter sehen allerdings jenen vom Holunder (siehe Artikel vom 18. Juni) zum Verwechseln ähnlich – nicht umsonst wird Giersch vom Volksmund „Erdholler“ genannt. Diese Blätter sind allerdings schwach giftig und können Durchfall und Erbrechen auslösen.

Der Giersch gehört der großen Gruppe von Doldenblütlern an, die über gleich mehrere giftige Vertreter verfügen. Und mit giftig ist nicht bloß ungenießbar gemeint. Wer etwa anstelle des aromatischen Wiesenkerbels einen gefleckten Schierling erwischt, riskiert Lähmungen, die zum Tod führen können.

Fahrlässigkeit vermeiden. Als Kräuterpädagogin sehe ich eine Aufgabe darin, die Menschen wieder an einen natürlichen Lebensstil heranzuführen. Vergessenes Altbekanntes will aufgefrischt und mit einem modernen Zugang versehen werden. In unserer hektischen Welt wird sich aber sehr oft nicht die Zeit genommen, achtsam und sorg­fältig vorzugehen. Im Umgang mit Pflanzen und Kräutern kann Eile eine ernste Erkrankung folgen.

Folgeschäden vermeiden. Mangelnde Sorgfalt bei der Vorbereitung (Wie genau sieht das aus, was ich suche?) oder hastiges Zupfen von vielleicht einem ähnlichen Kraut ziehen im schlimmsten Fall sogar langfristige Folgen nach sich. Genau das gilt es zu vermeiden. Die Natur möchte uns so viel geben – wir müssen diese Schätze nur achtsam behandeln und diese vor allem erkennen.

Diese Tatsachen sollten schlichtweg im Hinterkopf behalten werden.

Tipps. Folgende Tipps sollen bestmöglich auf eine gewissenhafte Ernte vorbereiten:

Bestimmungsbuch. Das Internet weiß viel, ist jedoch keine geeignete Hilfe, wenn eine unbekannte Pflanze gesucht wird. Wer keinen Namen ins Suchfeld einzugeben weiß, wird auch kein adäquates Ergebnis erhalten.

Informationen aus Kräutergruppen in sozialen Medien können als gute Anhaltspunkte dienen. Dort spuken aber auch viele falsche Hinweise herum. Es ist besser, das Bestimmen der Pflanzen selbst zu erlernen.

Kräuterwanderungen und -workshops werden abgehalten, um Interessierte an die Materie heranzuführen, ihnen Wissen zu vermitteln. Gut ausgebildete Pädagogen zeigen direkt am Pflanzenmaterial vor, worauf es zu achten gilt. Wissen sollte immer wieder aufgefrischt werden.

Routinefehler vermeiden. Auch wer schon jahrelang Kräuter geerntet hat, ist nicht davor gefeit, etwas Falsches zu erwischen. Gerade, wer sich sicher wähnt, sollte nicht in die Falle tappen, unachtsam zu handeln. Zum Ernten nimmt man sich ausreichend Zeit.

Den Sinnen vertrauen. Pflanzen sollen ganz genau kennengelernt werden.

Einzelne Merkmale sind zu ertasten: Ist der Stängel kantig oder rund? Sind die Blätter behaart? Schauen: Der Blattrand zeigt sich zackig? Hat die Unterseite die gleiche Farbe wie die Oberseite?

Riechen: Den Duft der Blüte, des zerriebenen Blattes erspüren. Wer ausschließen kann, dass es sich um eine Giftpflanze handelt, der kann auch eine Geschmacksprobe machen.

Beobachten der Pflanze. Wer die Gelegenheit hat, das Objekt der Begierde immer wieder betrachten zu können, der sollte das über den Jahreslauf hinweg tun. Da kann gelernt werden, wie die Blätter im Frühjahr aussehen. Viele Pflanzen lassen sich erst eindeutig durch ihre Blüte oder gar Samenstände, also noch später, unterscheiden. Im Herbst kann sogar nach den Wurzeln gegraben werden.

.

Wichtig: Hierbei handelt es
sich nur um Empfehlungen. Und beachten: Die Anwendung von Heilpflanzen ersetzt niemals ärztliche Konsultation.

Kräuter bestimmen

Beispiel: Gänsefinger- und Fünffingerkraut (Kriechendes Fingerkraut: Hier handelt es sich um zweierlei ungefährliche Kräuter mit Heilwirkung, die sich sehr ähnlich sehen, aus der selben Familie (Rosengewächse) stammen, die aber dennoch nicht gleich sind. Das Beispiel soll veranschaulichen, wie analysiert werden sollte:

– Wo wächst die Pflanze?

– Wächst sie in die Höhe (Gänsefingerkraut) oder kriechend (Fünffingerkraut)?

– Wie sehen die Blätter aus? Gänsefingerkraut: Gefiedert, unterseits weißhaarig; Fünffingerkraut: meist fünfzahnig gefingert

– Wie sehen die Blüten aus? Beide haben fünf gelbe Kronblätter, beim Fünffingerkraut sind sie jedoch leicht herzförmig eingebuchtet

Tipp: Auf www.goodblog.at finden Sie viele praktische Kräutertipps und -rezepte

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.