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Villacher in Ketten vor ungarischem Gericht

Nach dem Tod eines ­örtlichen Polizisten stand gestern ein gebürtiger Villacher in Ungarn vor Gericht. Er sagt: „Ich bin kein ­Mörder.“

Die Vorwürfe wiegen schwer. Widerstand gegen die Staatsgewalt, Gefährdung des öffentlichen Verkehrs – und Mord. Seit gestern steht ein gebürtiger Villacher und zuletzt in Salzburg lebender Mann vor einem Gericht in Szeged (Ungarn). Auch die Ehefrau des 35-Jährigen ist gekommen, ebenso Konsul Erich Pialek, der auf einen fairen Prozess achten will.

Verhandelt wird ein Vorfall, der sich vor einem Jahr ereignet hat. Der Österreicher war damals auf der Heimfahrt von einem „Hummer“-Treffen, als der Geländewagen in der Ortschaft Apatfalva in eine Polizeikontrolle geriet. Beim Wegfahren dürfte der Österreicher die Beamten provoziert haben, weil er mit seinem Fahrzeug ihrem Pkw äußerst nahe kam – er habe nachschauen wollen, ob sich im Auto überhaupt ein Radargerät befunden habe, sagte er später.

Die Polizei nahm die Verfolgung auf, feuerte Schüsse auf die Reifen des Geländewagens ab. Es kam zu weiteren Provokationen, zwei Beamte auf Motorrädern stoppten den Wagen. Einer soll den Österreicher mit Pfefferspray besprüht haben, daraufhin stieg dieser aufs Gas – und überfuhr einen vor dem Auto stehenden Polizisten, der tödliche Verletzungen erlitt. Auf den Österreicher wurden in der Folge elf Schüsse abgegeben, mit Schusswunden am Rücken, an der Hand, am Oberschenkel und am Knie brach er zusammen. Er sei in Panik geraten, den Polizisten habe er nicht gesehen, erklärte er. Und er bereue den Vorfall. Ihm droht lebenslange Haft.

Ein für Dienstagnachmittag erwarteter Zeuge – ein unbeteiligter Rumäne, der die inkriminierten Szenen mitbekommen hatte – ist seiner Ladung nicht nachgekommen. In Folge dessen wurde seine Aussage verlesen, die allerdings insofern keinen wesentlichen Beitrag zur Wahrheitsfindung erbrachte, da der Mann erst zu einem Zeitpunkt Wahrnehmungen machte, als der Polizist bereits von dem „Hummer“ niedergestoßen und verletzt worden war. Zuvor hatte Richter Attila Joo noch die Ergebnisse eines medizinischen Gutachtens zusammengefasst, demzufolge der Angeklagte zum Tatzeitpunkt keine geistige Beeinträchtigung und keine Bewusstseinsstörung aufgewiesen haben soll. Zurechnungsfähigkeit war demnach gegeben. Der gebürtige Villacher soll laut Gutachten egoistische, narzisstische Züge und eine niedrige Frustrationsschwelle aufweisen. Der 35-Jährige wird in der Expertise außerdem als labil, dissozial und aufbrausend beschrieben, was zu der ihm angelasteten Tat beigetragen haben könnte.

Aus dem Gutachten gehe auch hervor, dass er außerdem „die Folgen seiner Handlungen voraussehen habe müssen“, zumal ihm eine „gute Intelligenz“ bestätigt wurde.

Die Verhandlung soll am Donnerstag mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt werden.

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