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Mutter steht ihre Frau beim Demo-Einsatz

Gewalt überschattete im Vorjahr die Demos um den Wiener Akademikerball. Polizistin Patricia Huber war dabei und ist es auch heuer wieder.

Es ist kalt auf der Straße. Der Dienst an diesem Freitag im Jänner 2014 dauert mittlerweile mehr als 14 Stunden. In der Wiener Innenstadt wimmelt es von Polizisten der Sondereinheiten. Das Aufgebot ist groß. Mittendrin: eine Polizistin der Einsatzeinheit „EE“ – Patricia Huber. Es ist nicht ihr erster Demo-Einsatz. Unzählige Züge hat sie schon begleitet. Doch jener zum Akademikerball ist seit einigen Jahren ein besonderer. „Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, ist groß“, sagt sie. Und das Gefühl in der Bauchgegend ist dementsprechend mulmig. „Wenn dein Gegenüber vermummt vor dir steht und du schon erwarten kannst, dass gleich etwas geschehen wird, ist das ungut.“

Chronik des Schreckens

Blaulichter zucken durch die eisige Nacht. Gerade noch haben Polizisten in einer Seitengasse des noblen Kohlmarkts eine Straßensperre errichtet und locker miteinander gescherzt. Jetzt wummern Trommeln in nicht mehr allzu weiter Ferne. Und auch die monotonen Sprechchöre, begleitet von Knallkörpern, sind immer deutlicher zu vernehmen. Als Patricia auf ihre Uhr blickt, ist es kurz vor 19 Uhr.

Dann geht alles ganz schnell. Demonstranten überwinden die Barrikaden der Sperrzone rund um die Wiener Hofburg. Wenige Minuten später strömen Vermummte durch die Stadt, die Parolen werden radikaler, die Stimmung aggressiver. Während sich ein Großteil der Demonstranten friedlich verhält, ziehen Radikale eine Spur der Verwüstung durch die Straßen. Die Bilanz des ereignisreichen Abends: zahlreiche Verletzte, darunter Polizisten und Demonstranten, eingeschlagene Schaufenster, zertrümmerte Polizeiautos. Der Schaden ist enorm.

Nur wenige Stunden zuvor hatte sich die zierliche 30-Jährige von ihrer kleinen Tochter verabschiedet. Am Morgen stapfte das dreieinhalbjährige Mäderl in seinen dicken Winterboots in Richtung Kindergarten. Ihrer Mama gab die Kleine noch die weisen Worte eines Kindergartenkindes – „Brav sein und aufpassen“ – mit auf den Weg. Die Mama ging zur Arbeit wie jeden Tag. Dass es an diesem Freitag besonders gefährlich werden könnte, wusste die Kleine nicht.

Ungutes Gefühl

Auch heuer wird der Dienst am Tag des Akademikerballs nicht anders beginnen als sonst. Patricia wird morgens zu ihrer Dienststelle in die Leyserstraße fahren. Um die Mittagszeit kommandiert die Landespolizeidirektion die Polizisten dann zu ihren Standorten, teilt ein, wer wann wo zu sein hat. Es folgt eine Einsatzbesprechung, danach heißt es umziehen und „Gerätschaften ausfassen“. Die Montur unterscheidet Patricia – vom Sport-BH abgesehen – kaum von ihren männlichen Kollegen. Sie trägt unter ihrer wärmenden Kleidung einen Körperschutz, „Turtle“ genannt, darüber einen flammhemmenden Overall. Helm, Einsatzstock und Schild wappnen sie für den Einsatz. Alles wie immer.

Doch was kommt – nach den Erlebnissen von 2014 – für ein Gefühl hoch, wenn die 30-Jährige an den bevorstehenden Demo-Abend denkt? „Im Prinzip kann jeder Dienst gefährlich werden. Angst ist der falsche Ausdruck. Es ist mehr ein ungutes Gefühl, wenn du merkst, es braut sich was zusammen“, sagt sie. Im Vorjahr flogen Pflastersteine. Das ist Patricia besonders unangenehm in Erinnerung. Auch Bengalen und Knallkörper fürchtet sie. Ihre Schutzkleidung gibt zwar Sicherheit, macht aber auch unbeweglich. Kracher könnten sich in der Ausrüstung verfangen und explodieren. Warum sie sich als Mama einer kleinen Tochter einen derart gefährlichen Job gesucht hat? „Der Job war vor dem Kind da“, meint sie. „Ich mache meinen Job mit Kind genauso wie ohne.“ Nur dass sie jetzt, zwischendurch, wenn Zeit ist, kurz ihr Handy zückt. Dann ruft Patricia ihre Kleine an, um zu hören, dass alles okay ist. MARGRET HANDLER SCHREIBT FÜR DIE „WIENERIN“

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