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Ein Viertel der Jugendlichen ist psychisch krank

Angststörungen kommen bei den Zehn- bis 18-Jährigen in Österreich am häufigsten vor. Auch die Schule stresst zunehmend.

Von Alice Samec

Wenn Martin (15) um 15 Uhr von der Schule nach Hause kommt, isst er schnell eine Kleinigkeit – dann heißt es: hinsetzen, Hausaufgaben machen, lernen, oft mit der Mutter, manchmal am Abend noch einmal mit seinem Papa. Freizeit? Am Wochenende. Vielleicht. Dabei hat Martin noch Glück: Bei ihm als Akademiker-Kind geht es darum, seine Noten zu verbessern. Bei Kindern weniger qualifizierter Eltern geht es meist ums Durchkommen – sagt eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer.

Wie Martin sind 62 Prozent der Schüler in Österreich auf Nachhilfe von den Eltern angewiesen. Das ergab die AK-Studie, an der 3400 Haushalte mit 577 Schulkindern teilnahmen. Ein Viertel lernt sogar täglich zu Hause mit Eltern-Unterstützung, ebenso viele brauchen professionelle Nachhilfe.

Am meisten Hilfe brauchen Volksschüler. 86 Prozent der Eltern lernen nachmittags mit ihren Kindern, die Hälfte von ihnen fast täglich. Drei von zehn Eltern fühlen sich dabei zumindest teilweise fachlich überfordert, was zu Stress und innerfamiliären Konflikten führt.

Laut Christoph Göttl, Kinder- und Jugendpsychiater, ist der „Stressfaktor Schule“ jedoch nicht schuld daran, dass ein Viertel der Zehn- bis 18-Jährigen an einer psychiatrischen Erkrankung leidet, wie aus der ersten österreichweiten epidemiologischen Studie der MedUni Wien hervorgeht. „Wie Fieber hat auch eine psychische Störung mehrere Ursachen“, so Göttl. Er selbst sieht die Ursache im herrschenden Gesellschaftsentwurf (siehe Interview). Die Zahl selbst stuft er weltweit gesehen als „wirklich hoch“ ein: „Ein Viertel, das kann man sagen, ist ein Hammer.“ Dazu passe, dass Suizid bei jungen Männern die zweithäufigste Todesursache sei.

Rund 24 Prozent zeigten Hinweise auf eine akute psychische Störung. 36 Prozent berichteten von zumindest einer in der Vergangenheit. Am häufigsten waren mit 16 Prozent Angststörungen – Mädchen sind doppelt so häufig betroffen wie Burschen –, gefolgt von Entwicklungsstörungen wie ADHS (9 Prozent) und schließlich Depressionen mit jeweils sechs Prozent.

Während Burschen fast drei Mal so oft an Störungen der psychischen und neuronalen Entwicklung wie Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom leiden und sechs Mal so häufig an Verhaltensstörungen (Impulskontrolle), leiden Mädchen zehn Mal so oft an Essstörungen wie Burschen.

Viele von ihnen müssten behandelt werden. Doch es gibt nur 26 niedergelassene Fachärzte (kein einziger in der Steiermark, ein paar in Kärnten) – und leider eine große Hemmschwelle bei den Betroffenen und ihren Eltern, sich das Problem einzugestehen und dann einem Arzt anzuvertrauen.

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