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Kein Mitleid mit den Flüchtlingen

71 Männer, Frauen und Kinder erstickten in Kühl-Lkw, weil Bandenchef verbot, die Tür zu öffnen. Gestern vor Gericht grinste er nur.

Es war eine Kälte, eine unfassbare Unmenschlichkeit, die gestern bei Prozessauftakt im ungarischen Schlepperprozess zutage trat: Rund eineinhalb Stunden lang hatten die 71 Flüchtlinge im luftdicht verschlossenen Kühltransporter verzweifelt um ihr Leben gekämpft, hatten geklopft und geschrien. Doch der mutmaßliche Chef der Schlepperbande, die rund 1200 Menschen durch Mitteleuropa geschleust haben soll, verbat dem Fahrer, den Lkw zu öffnen.

Der Tod der Männer, Frauen und Kinder, deren Leichen später bei Parndorf im Burgenland entdeckt wurden, wurde einfach in Kauf genommen – das stellte sich gestern zu Prozessauftakt im ungarischen Kecskemét heraus. Wenn sie sterben, sollten die Leichen in Deutschland entsorgt werden, gab der Erstangeklagte, Afghane Samsoor L. (30), laut Staatsanwaltschaft telefonisch Anweisung. Sein Stellvertreter meinte sogar: „Diese können von ihm aus auch sterben.“ Die Menschen erstickten nach eineinhalb, zwei Stunden.

Unter großem Medieninteresse und noch größeren Sicherheitsvorkehrungen waren gestern Vormittag der mutmaßliche Bandenchef und neun weitere Mittäter in das historische Gerichtsgebäude von Kecskemét geführt worden.

Die zehn Männer trugen allesamt Handschellen, Samsoor L. hielt ein Plakat in Händen, auf dem er in arabischer Sprache protestierte. Dann echauffierte er sich über die Dolmetscherin, die sein Paschtun nicht richtig übersetzen würde. Während der Anklageverlesung überlegte es sich der Afghane, der immer wieder zu den rund hundert anwesenden Journalisten grinste, dann jedoch anders. Er wolle eine Aussage machen, meinte er. Was Richter Janos Jadi untersagte: „Es ist noch nicht an der Zeit.“

Als Staatsanwalt Gabor Schmidt nach der Mittagspause den 25. Anklagepunkt verlas – darin geht es um den Tod der Flüchtlinge –, blickten der Fahrer und die anderen Angeklagten betroffen zu Boden. Nur der Bandenchef lachte wieder.

Um 15 Uhr beendete Richter Jadi bei drückender Hitze im Gerichtssaal die Verhandlung. Sie wird heute mit der Einvernahme von Samsoor L. und seines Stellvertreters, eines 30-jährigen Bulgaren, fortgesetzt.

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