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Bandenboss „zu gierig“

Im Schlepperprozess verweigerten die Hauptangeklagten die Aussage. In einem verlesenen Einvernahmeprotokoll legte der „Vize“ ein Geständnis ab und belastet den Bandenchef schwer.

Der 30-jährige Hauptangeklagte Samsoor L. gab sich auch am zweiten Prozesstag um das A4-Flüchtlingsdrama zugeknöpft. Der Afghane wolle keine Aussage machen, ehe seine mutmaßlichen Komplizen einvernommen wurden, gab er am Donnerstagmorgen an. Stattdessen ließ Richter Janos Jadi am Gericht im Kecskemét das Protokoll der ersten Einvernahme verlesen. Darin gab der Beschuldigte an, er hätte nichts mit Schlepperei zu tun: „Ich lebe in Ungarn und beschäftige mich mit Autohandel.“ Als man den Bandenboss mit Abhörprotokollen konfrontierte, in denen er seine Komplizen angewiesen haben soll, die Lkw-Tür nicht zu öffnen, schwieg er. Daraufhin wurde der Zweitangeklagte, der 30-jährige Metodi G., in den Saal geführt. Auch seine Einvernahmeprotokolle wurden verlesen. Sie gaben mehr Aufschlüsse über die Ereignisse im August 2015. Der Bulgare erzählte, dass er zunächst Autogeschäfte für den Afghanen erledigte und später Schlepperfahrer organisierte. Täglich seien dann die angeheuerten bulgarischen Fahrer von Mórahalom an der serbisch-ungarischen Grenze mit den Geschleppten nach Westeuropa gefahren. Wurden die Fahrzeuge kaputt, blieben sie inklusive der Flüchtlinge auf der Strecke liegen. Immer mehr Flüchtlinge wurden transportiert, der 30-jährige Afghane „wurde zu gierig, deshalb sitzen wir hier“, belastete der Bulgare den Hauptangeklagten.

Danach berichtete der Bulgare in der Einvernahme von einem Streit zwischen ihm und dem Bandenboss: Er habe ihn darauf hingewiesen, dass ein Kühl-Lkw für den Transport ungeeignet sei. Der Afghane herrschte seinen Stellvertreter an, er solle ihm das Geschäft nicht kaputt machen. Der Zweitangeklagte meinte daraufhin: „Was hätte ich machen können? Wenn ich den Kühllaster gestoppt hätte, dann hätte ich mein Todesurteil unterschrieben.“ Hatte der Afghane verboten, den Frachtraum zu öffnen? „Ja“, meinte der Bulgare. Heute wird der Prozess fortgesetzt.

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