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Der Balkan lässt unsere Uhren falsch ticken

Seit Wochen gehen unzählige digitale Uhren um mehrere Minuten nach. Die Ursache: ein Streit zwischen den Netzbetreibern in Serbien und dem Kosovo. Von Maria Schaunitzer, Günter Pilch und Harald Hofer

Wer hat an der Uhr gedreht, fragen sich derzeit zahlreiche Österreicher. Denn vielen ist aufgefallen, dass gleich mehrere digitale Uhren im Haushalt kollektiv um bis zu sechs Minuten nachgehen (wir berichteten). Der Grund für die ungewöhnliche Zeitverschiebung liegt allerdings nicht bei den Geräten, denn sie sollten in den meisten Fällen ordnungsgemäß funktionieren. Es handelt sich vielmehr um ein europaweites Problem. Im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten zum rätselhaften Phänomen der falsch gehenden Uhren.

1 Warum gehen derzeit viele Uhren um rund sechs Minuten nach?

Digitale Uhren wie etwa an Backöfen, Radioweckern oder anderen Geräten werden meist nicht über einen internen Taktgeber auf Kurs gehalten, sondern richten sich nach der Frequenz im Stromnetz. Diese sollte in der Regel in ganz Europa konstante 50 Hertz betragen, was 50 Schwingungen des Wechselstroms pro Sekunde entspricht. Liegt die Frequenz wie derzeit über längere Zeit leicht darunter, hinken die Uhren immer weiter hinterher.

2 Was ist die Ursache für die zu niedrige Stromfrequenz im Netz?

Das Problem besteht in ganz Europa seit Anfang Jänner: Gesamt genommen fließt die ganze Zeit über etwas weniger Strom ins Netz, als nachgefragt wird. Das führt dazu, dass sich die Generatoren in den europäischen Kraftwerken etwas langsamer drehen, als sie sollten, was wiederum die Stromfrequenz verringert. Die Abweichung ist zwar verschwindend gering, besteht aber bereits über einen so langen Zeitraum, dass sich das Defizit bei den ans Stromnetz gebundenen Uhren auf 350 Sekunden summiert hat – sprich: Diese Uhren gehen fast sechs Minuten nach.

3 Wer ist dafür verantwortlich, dass zu wenig Strom ins Netz fließt?

In jedem europäischen Staat ist ein Übertragungsnetzbetreiber dafür zuständig, dass exakt jene Menge Strom ins Netz fließt, die gerade gebraucht wird. Hält sich eine Gesellschaft nicht daran, wirkt sich das in ganz Europa aus. Das ist laut dem Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) derzeit durch einen Konflikt zwischen den Netzbetreibern in Serbien und im Kosovo der Fall. Gerhard Christiner, Vorstand der österreichischen Netzgesellschaft APG, sagt: „Wir sind in der ENTSO-E dabei, eine Lösung zu finden. Die Abweichung ist mittlerweile stabilisiert und es sollte kein weiterer Zeitversatz passieren.“

4 Hat die zu niedrige Stromfrequenz auch andere Auswirkungen?

Kleinere kurzfristige Frequenzabweichungen sind nicht ungewöhnlich und äußern sich auf den Uhren maximal im Sekundenbereich. „Für das Netz wird es gefährlich, wenn die Abweichung mehr als 0,2 Hertz beträgt. Davon sind wir aber weit entfernt“, beruhigt APG-Sprecher Markus Pederiva. Die einzig sichtbare Auswirkung sind derzeit also die nachgehenden Uhren.

5 Soll man die Uhren händisch vorstellen?

Kann man machen. Allerdings planen die Netzbetreiber, die Frequenz in den nächsten Wochen künstlich zu erhöhen, um die fehlenden Minuten wieder aufzuholen. Nötig ist das auch deshalb, weil sich manche Uhren händisch gar nicht umstellen lassen und auf die Korrektur übers Netz angewiesen sind. Manuell nachgestellte Uhren würden danach vorgehen.

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