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Ordensfrauen droht im Alter die Armut

In Österreich sind 1955 Nonnen älter als 75 Jahre – und haben keinen Anspruch auf Mindestsicherung und nur selten eine Pension. Ein großes Problem für die Orden.

Von Danielle Marcher

Sie arbeiten auch heute noch in 23 Ordensspitälern, unterrichten in 219 Ordensschulen mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler, führen 28 Bildungs- und Exerzitienhäuser – und betreuen rund 30.000 Regallaufmeter mit vier Millionen Büchern in den Ordensarchiven. Die Rede ist von den Ordensfrauen und Ordensmännern in Österreich.

Doch was nach einem arbeitsreichen und erfüllten Leben im Dienste der Nächsten klingt, endet im Alter für viele von ihnen dramatisch: Vor allem den Frauen droht die Altersarmut.

Ohne Einkommen. „Ich glaube, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass diese Ordensfrauen Jahrzehnte ohne Einkommen gelebt haben“, betont Schwester Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Ordensgemeinschaften Österreich. Während die meisten der Ordensbrüder als Seelsorger und dergleichen tätig sind und damit ein eigenes Einkommen haben, trifft es Frauen im Alter oft hart. „Wer nicht eine offizielle Anstellung, zum Beispiel als Lehrerin, hatte, wurde vom Gesamtbetrieb getragen. Heute haben praktisch alle Ordensfrauen eine Krankenversicherung, aber sehr viele haben keine Rente.“ Denn sie waren nicht als Person angestellt, das Geld wurde an die Kongregation gezahlt. „So sind viele Werke wie Spitäler und Schulen aufgebaut worden“, betont Mayrhofer.

Mindestsicherung. Zum Problem wird dieses System, wenn die alt gewordenen Ordensfrauen zu krank oder zu gebrechlich sind, um weiter im Kloster leben zu können. Wenn sie in Alters- oder Pflegeheime übersiedeln müssen, kommt ein großes finanzielles Problem auf sie zu. Denn Ordensmitglieder haben derzeit keinen Anspruch auf Mindestsicherung, den ihre Sprecherin nun aber fordert.

Doch auch innerkirchlich sei der fehlende Pensionsanspruch ein großes Versäumnis, weswegen Kapitalanlagen notwendig wären: „Es gab spirituell die fragwürdige Fehlleistung, der liebe Gott wird schon für uns sorgen“, kritisiert Schwester Beatrix. 58 Prozent aller Ordensfrauen in Österreich sind bereits über 75 Jahre alt, 20 Prozent im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. „Das sind die Frauen, die vor oder während des Krieges geboren sind. Das heißt, wir haben hier eine Generation von Kriegskindern und Trümmerfrauen“, erklärt sie.

Weniger dramatisch. Bei den Männern sieht die Lage weniger dramatisch aus, da die großen Stifte durch ihren Grundbesitz viel vermögender als die ausschließlich sozial tätigen Frauenorden sind und außerdem knapp die Hälfte aller Ordensmitglieder jünger als 65 ist. Von den 1681 Ordensangehörigen beziehen 1225 als Priester ein Gehalt. „Eigentlich könnte ich sagen, wir Männer sind noch gut beieinander“, schmunzelt der emeritierte Abt Christian Haidinger, der die Männer bei den Ordensgemeinschaften Österreich vertritt.

Die Jugend fehlt

Nur drei Prozent aller Ordensfrauen in Österreich sind jünger als 40 Jahre. 19 Prozent sind zwischen 40 und 65, 20 Prozent zwischen 65 und 75 und 58 Prozent älter als 75 Jahre. Bei den Männern sieht es nicht so dramatisch aus. Im Übrigen verzeichnen die Orden auch einen Rückgang an Mitgliedern: von 4835 Schwestern und 1979 Brüdern vor zehn Jahren zu 3353 bzw. 1681 im Jahr 2017.

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