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„Im Moment arbeiten wir gegeneinander“

Klimaschutz und Energie – das sind Themen, die Antje Wagner besonders am Herzen liegen. Mit den Grünen möchte sie deshalb einiges verändern und kandidiert für einen Platz in Brüssel.

Linda Carugati

Ausgerechnet eine Deutsche tritt als Vorarlberger Kandidatin der Grünen bei der EU-Wahl an. „Ich bin quasi ein Beweis, wie die Länder der Europäischen Union zusammengewachsen sind“, erklärt Antje Wagner. Seit nunmehr einem Jahr wohnt die 38-Jährige in Dornbirn. Genau so lange ist sie auch Mitglied der Vorarlberger Grünen. „Ich war vorher bei derselben Partei in Bayern“, sagt sie. In Deutschland hat Antje Wagner als Referentin für Energie und Klima in einem Umweltschutzverein gearbeitet. Ihre Arbeit hat sie dann auch zu den Grünen geführt. „Ich wollte mich umweltpolitisch engagieren, da bin ich bei den Grünen natürlich genau richtig.“ In Vorarlberg ist Wagner beim Sportverein Ebnit für das Regionalmanagement zuständig. Dort konnte sie beim Aufbau des Bogenschieß-Parcours mithelfen. Seit einigen Jahren ist die Wahl-Dornbirnerin nämlich auch eine begeisterte Schützin. „Mir gefällt es mit dem Bogen durch den Wald zu laufen, denn das ist total entspannend und auch sehr meditativ.“

In ihrer Freizeit ist Antje Wagner häufig in der Natur anzutreffen. Sie geht gerne Wandern oder Reiten. Doch die politisch engagierte Frau ist auch eine passionierte Musikerin. „Ich wollte unbedingt Musik machen und habe angefangen Geige spielen zu lernen, das hat mir dann aber überhaupt nicht gefallen.“ Etwas später hat sie ein Akkordeon bekommen und konnte so ihre Passion ausleben. Im Laufe der Jahre sind noch mehr Musikinstrumente dazugekommen. „Ich war einige Zeit in Chile, dort habe ich das Gitarrespielen gelernt.“ Im vergangenen Jahr hat sie sich dann einen großen Traum erfüllt und sich eine Querflöte gekauft. Schon seit langer Zeit wollte sie dieses Instrument beherrschen, über viele Umwege hat sie es jetzt geschafft. „Ich habe es mir nicht so schwer vorgestellt, aber man braucht ein unglaubliches Luftvolumen und Körperspannung, um dieses Instrument zu beherrschen.“

Auf der Liste der Grünen für die EU-Wahl steht Wagner auf dem elften Platz. „Schätzungsweise bekommt unsere Partei drei bis vier Plätze, ich habe also keinerlei Chancen ins EU-Parlament einzuziehen“, ist sich Wagner sicher. Ideen, was sie in der Europäischen Union verändern würde, hätte sie aber schon einige. Dabei bleibt die 38-Jährige dem Thema Klima und Energie treu, denn gerade in diesen Bereichen sieht Antje Wagner großen Handlungsbedarf. „Einige Länder bauen noch mehr Atomkraftwerke, andere forcieren eher die erneuerbaren Energien. Wir sollten dabei aber einheitlich handeln, denn so arbeiten wir nur gegeneinander.“ Bei der jüngsten Abstimmung im EU-Parlament bezüglich einer Umweltverträglichkeitsprüfung von Atomkraftwerken, ist das Ergebnis 311 zu 311 ausgegangen. „Wäre nur eine Grüne Stimme mehr gewesen, dann würde man diese Prüfung auch durchführen“, betont Wagner.

Große Vorteile

Doch aus Sicht der Deutschen hat die EU auch schon einige positive Dinge hervorgebracht. „Im Verbraucherschutz ist viel passiert, auch wenn man das oft nicht so wahrnimmt.“ Auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit hat sich für Antje Wagner sehr verbessert. „Jeder EU-Bürger hat das Recht sich innerhalb der Europäischen Union eine Arbeit zu suchen, das habe ich ja auch gemacht.“ Diese Regelung bringt laut Wagner auch wirtschaftlich große Vorteile. Zum Beispiel werden gerade Ostblock-Staaten jetzt viel besser integriert. Sie ist sich natürlich bewusst, dass auch viele Menschen aus ärmeren Ländern ihre Arbeit in Österreich verrichten. Antje Wagner findet das aber gut so, dadurch könnten die wirtschaftlichen Niveaus der einzelnen Staaten angeglichen werden. Auf diese Weise steige auch der Gesamtwohlstand, was gerade für Österreich sehr wichtig ist. „Dadurch ergeben sich immer neue Absatzmärkte, den Großteil der Exportgüter liefern wir ja in die Europäische Union“, erklärt sie.

Ambitionen verloren

Für Antje Wagner war die EU früher auch ein großer Vorreiter in Sachen Klimaschutz. „Während den Anfängen der Europäischen Union hat sich einiges getan, aber mir scheint, dass die Klimapolitik stark an Stellenwert verloren hat.“ Daran seien die politischen Tendenzen in Brüssel aber nicht ganz unschuldig. Jede Partei verfolge ihre eigenen Ziele und in den letzten Jahren habe man die Ambitionen verloren, erklärt Wagner. Genau dagegen möchte sie zusammen mit den Grünen angehen. Dass andere Parteien weniger Involvierung der Europäischen Union fordern, kann sie hingegen gar nicht verstehen. Die Minister und Präsidenten der einzelnen Staaten bilden den Europarat und so sei es in Wirklichkeit ein Konglomerat aus der nationalen Politik. „Viele Themen wie beispielsweise die Klimapolitik kann ein Land alleine gar nicht umsetzen,“ betont sie.

Das Erstarken der rechten Parteien innerhalb der EU gibt Antje Wagner zu denken, denn ihrer Meinung nach vermitteln sie ein falsches Menschen- und Gesellschaftsbild. „Wir profitieren voneinander. Es ist nicht so, dass es uns schlecht geht, wenn es andere Länder gut haben.“ Die Angst-Mache empfinde sie als unnötig, das Ausmaß der rechten Parteien sei mittlerweile sehr bedenklich.

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