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„Kein Thema, das Menschen fesselt“

Sonja Schlingensiepen

Mit dem neuen Rap von Parteichef HC Strache kann sich Reinhard Bösch nicht wirklich anfreunden. „Aber den Jungen scheint es zu gefallen“, sagt der Dornbirner Nationalratsabgeordnete. Dass sich einige an der Sequenz mit Leopold Figl (jenem Kanzler, der den Staatsvertrag ausverhandelt hat) stören, kann Bösch verstehen. „Auf der anderen Seite spiegelt der Ausspruch ,Österreich ist frei‘ natürlich auch die Vertretung der österreichischen Interessen von den 50er-Jahren bis heute wieder.“

Erfahrung gesammelt

Diese österreichischen Interessen will Bösch, der bei den EU-Wahlen auf Platz 10 kandidiert, ebenfalls vertreten. Weshalb ihn die Verantwortlichen der Bundespartei nominiert haben? „Ich nehme an, dass man auf der Suche nach einem Vorarlberger war, der auch Erfahrung bei europäischen Themen vorweisen kann“, sagt Bösch.

Diese Erfahrung hat der Dornbirner in den Jahren 1994 bis 1999 als Bundesrat beziehungsweise von 1999 bis 2008 als Nationalrat gesammelt. „Ich war außenpolitischer Sprecher der Freiheitlichen und auch im Europaausschuss. Ich habe die Republik beim EU-Konvent vertreten. Die Mitglieder haben sich damals mit der Erstellung einer neuen Verfassung für die EU beschäftigt.“

Seit Oktober 2013 ist das blaue Urgestein wieder Mitglied des Nationalrats und dadurch auch Mitglied im EU-Unterausschuss. Als solches wünscht er sich, dass die Europäische Union eine Politik mit Hausverstand betreiben sollte. „Im Moment konzentrieren sich die Verantwortlichen auf Orchideenthemen. Sie sollten sich besser um die wichtigen Dinge wie Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Förderung von Familien mit Kindern sowie die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen kümmern“, sagt Bösch.

Positives kann er der EU im Moment nichts abgewinnen – im Gegenteil: „In den vergangenen 20 Jahren gab es nicht ein einziges Thema, das die Menschen gefesselt und begeistert hat. Es wäre notwendig, eine eigenständige Wirtschaftspolitik auf die Beine zu stellen und sich nicht den Interessen der Großkonzerne zu unterwerfen wie dies im Moment bei den Verhandlungen mit den Amerikanern bezüglich Freihandelsabkommen der Fall ist.“ Die Europäer würden so nicht vor den negativen Auswirkungen der Globalisierung geschützt.

Distanz wahren

Unzufrieden ist der Freiheitliche auch mit der Außen- und Sicherheitspolitik. „Am Beispiel der Ukraine zeigt sich, wie wichtig es wäre, eine gewisse Distanz zwischen Washington und Moskau zu leben. Stattdessen wird einseitig Partei für die USA und die NATO ergriffen.“

Ebenso wie Spitzenkandidat Vilimsky würde Bösch gerne das europäische Projekt vorantreiben. „Dafür würde es aber radikalere Reformen der EU-Institutionen benötigen. In einer neuen Verfassung müsste den einzelnen Nationalstaaten ein höherer Stellenwert eingeräumt werden“, ist der promovierte His­toriker überzeugt.

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