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Die Demo-Nacht hielt hielt Wien in Atem

Befürchtete Krawalle rund um den rechten „Akademikerball“ blieben gestern zunächst aus. Obwohl Tausende dagegen demonstrierten, gab es bis zum Ballbeginn nur wenige Zwischenfälle.

WOLFGANG SIMONITSCH

Wien im Ausnahmezustand. Jedenfalls im ersten Bezirk. Seit 16 Uhr ist das Arreal rund um die Hofburg gut abgeriegelt, polizeilicher Sperrbezirk. In den Seitengassen blockieren quer gestellte Polizeiautos die Wege. Hunderte Polizisten aus dem ganzen Land, selbst aus Vorarlberg und Tirol nach Wien abkommandierte Uniformierte stehen parat, um Luxusgeschäfte und Gäste des heutigen Aufregers – des rechten „Akademikerballs“ (WKR) – in der Hofburg zu schützen.

Damit es nicht wieder, wie im Vorjahr, durch Chaoten und linke, gewalttätige Gegner dieses Balls zu schweren Sachbeschädigungen und Gewalttaten kommt.

Doch diesmal scheint die Polizei gut vorbereitet zu sein, die 14 angemeldeten und genehmigten Demonstrationen in ruhigeren Bahnen zu halten. Selbst Cyberattacken werden ihr zugetraut, als kurz vor sechs Uhr abends die Server der NOWKR-Aktivisten wie jener, der nun groß vom Schottentor zum Stephansplatz aufmarschierenden „Offensivegegenrechts.net“ urplötzlich zusammenbrechen. Damit ist die Kommunikation der Demonstranten ziemlich gestört.

Gegen sieben Uhr kracht es erstmals auf der Freyung, später beim Volkstheater. In Rufweite, beim Meinl am Graben, vor den sich eine Dreierreihe der Polizei aufgestellt hat, zucken die Leute zusammen. Junge Polizeischüler, die heute mit Plastik-Brustpanzer und Schienbeinschutz mächtiger wirken, stülpen sich mit ernster Miene den Helm auf den Kopf.

„Ich will nach Hause“

Doch es sind nur ein paar Knallkörper und Bengalischer Feuer, die kurz für Anspannung sorgen. Der Zugkommandant der „U 130“ ist dennoch nervös, als eine Anrainerin über den Graben will, was heute nicht geht. „Ich will nach Hause, das ist doch kein Polizeistaat“, sagte die ungeduldige Mittvierzigerin. „Das Verletzungsrisiko ist zu hoch, Sie können da nicht durch“, meint er Polizist und blockt ab. Mit dumpfen, anfangs aggressiven Tönen wälzt sich der Zug der Demonstranten heran, angeführt von zwei-, dreihundert Polizisten, die mit dem Helm am Gürtel voraus marschieren. Pfiffe gellen durch die Nacht, Trommeln dröhnen, „Nazis raus“ schreien Hunderte beim Marsch über den Graben, dessen Luxusläden heute schon früh zugesperrt und die eisernen Rollbalken herunter gelassen haben.

Je näher die geschätzt zweitausend Demonstranten kommen, desto harmloser wirken sie. An der Spitze tragen freundliche Gesichter ein Transparent mit der Aufschrift „FPÖ-Akademikerball blockieren“. Hinter ihnen rufen andere „Alerta Antifaschista“ und „Burschis raus“. Sie halten rote Fahnen und Tafeln mit Sprüchen wie „Muslime und Flüchtlinge willkommen“ in die Höhe, beschwören zu Hunderten „die internationale Solidarität“. Doch ihre Körper wirken entspannt, etliche lächeln, rauchen, halten Händchen. Nur wenige Gestalten strahlen Bedrohliches aus. Doch zunächst bleibt es friedlich. Weil die Polizei vorgebeugt hat?

Busse müssen umdrehen

Sie hat am frühen Abend einen Bus aus München vor der Wiener Stadtgrenze angehalten, darin Messer, Pfeffersprays, Schlagringe und Sturmhauben gefunden – und das Fahrzeug zur Umkehr gezwungen. Auch ein Bus aus Tschechien musste wieder umdrehen, nachdem die Polizei daraus sechs Insassen verhaftet hat.

Indes schlagen am Heldenplatz, der zur Hälfte gesperrt ist, vor vier-, fünfhundert frierenden Zuhörern im Auftrag des Bündnis „Zeichen setzen“ allerlei Musiker verbindliche Töne an. Kurz davor hat die Polizei im Sperrbezirk Transparente von 20 FPÖ-Demonstranten eingeholt. „Für Meinungsfreiheit“ und „Gegen Gesinnungsterror“ war darauf zu lesen. Doch weil Demos innerhalb der Sperrzone verboten sind, hat die Polizei diesem Spuk nach kurzer Nachdenkpause dann doch ein Ende gemacht.

In den ersten Stunden hat die Exekutive acht Personen, angeblich auch einen Rechtsextremen wegen einer „verbotenen Waffe“ vorübergehend dingfest gemacht. Mehr als 100 Personen werden perlustriert. Vereinzelt gibt es ruppige Szenen, auch, als sich nach der großen Kundgebung am Stephansplatz einigen Gruppen aufmachen, um einige Gassen zu blockieren und so den Ballgästen den Zugang zur Hofburg zu erschweren. Erst gegen 21 Uhr, zum Ballbeginn, fliegen beim Museumsquartier erste Pflastersteine, krachen Böller.

Über dem Ganzen schwebt dröhnend ein unbeleuchteter Polizeihubschrauber, dessen Lärm gelegentlich dramatisch wirkt. Wie die vereinzelten Polizeisirenen und vielen Blaulichter auch. Durch das Burgtor huschen indes wenig auskunftsfreudige Ballgäste, oft mit Mützen der Burschenschafter. Der Veranstalter erwartet bis zu 2500 Besucher. Über rechte Promis wird geschwiegen.

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