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Erst die Griechen, nun die Spanier

Herrschen in Madrid bald griechische Verhältnisse? Die neue Protestpartei Podemos mobilisiert die Straße und hat gute Chancen, die Macht zu erobern.

RALPH SCHULZE, MADRID

Die spanische „Empörten“-Partei Podemos, Zwilling der griechischen Linksallianz Syriza, ließ gestern in Madrid die Muskeln spielen: Zehntausende Menschen folgten dem Demonstrationsaufruf von Podemos, protestierten gegen die konservative Regierung und zogen in einem „Marsch für den Wechsel“ durch die City. Es war eine der bisher größten Machtdemonstrationen von Podemos, deren Name sich mit „Wir schaffen es“ übersetzen lässt.

Ende des Jahres finden im Euro-Krisenland Spanien Parlaments- und Regierungswahlen statt. Aktuellen Umfragen zufolge hat die Aufsteigerpartei Podemos durchaus Chancen, die Macht zu erobern und ähnlich wie Syriza in Griechenland Spaniens künftige Regierung anzuführen. Die aus der Protestbewegung der „Empörten“ entstandene Linkspartei ist erst vor einem Jahr gegründet worden und binnen Monaten zur echten Gefahr für den konservativen Premier Mariano Rajoy geworden.

„2015 ist das Jahr des Wechsels in Spanien – genauso wie in Griechenland“, rief Podemos-Vorsitzender Pablo Iglesias. „Der Countdown für Rajoy hat begonnen.“ Iglesias, ein redegewandter Politologe mit Pferdeschwanz, bejubelte die Machtübernahme von Syriza in Griechenland. „Mit Syriza beginnt die Hoffnung.“

Iglesias linke Protestpartei hat der in Spanien verbreiteten Korruption und Amigowirtschaft den Kampf angesagt. Genauso wie sie ein Ende der bisherigen „ungerechten“ Sparpolitik fordert, die überwiegend der Unter- und Mittelschicht Opfer abverlange, während die Wohlhabenden geschont würden. „Wir wollen eine gerechtere Gesellschaft“, riefen die Menschen auf dem Podemos-Marsch in Madrid.

Die Anhängerschaft von Podemos rekrutiert sich vor allem aus den Opfern der spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise: Rund 24 Prozent der aktiven Bevölkerung sind ohne Job, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar über 50 Prozent. Gehaltskürzungen und Einschnitte bei staatlichen Leistungen haben viele Familien in große Not gebracht.

Podemos tritt wie Griechenlands neue Regierung für Neuverhandlungen der Schuldenlast an. Obwohl der wachsende Schuldenberg mit etwa 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht so hoch sei wie in Griechenland, stranguliere die Tilgung das Land: Spanien muss jeden Tag 100 Millionen Euro an seine Gläubiger zahlen. In der neuesten Wahlumfrage von Spaniens größter Tageszeitung „El País“ liegt Podemos mit 28 Prozent der Stimmen vorn. Die Konservativen von Ministerpräsident Rajoy, die 2011 noch mit mehr als 44 Prozent eine absolute Mehrheit einfuhren, stürzten in der Erhebung auf 19 Prozent ab. Die zweite große Traditionspartei, die oppositionellen Sozialisten, verlieren mit 23 Prozent demzufolge gleichfalls an Bedeutung.

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