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„Am Ende lenken die Griechen ein“

Der deutsche Ökonom und Bestsellerautor Max Otte geht im Schuldenstreit mit Griechenland von einer Einigung aus. Auch wenn das aus seiner Sicht gar nicht wünschenswert ist.

Die Fronten zwischen Teilen der Euro-Gruppe und den Griechen scheinen extrem verhärtet, wie groß schätzen Sie die Chancen auf eine Einigung noch ein?

MAX OTTE: Ich war immer der Meinung, wenn es klappt, dann erst in letzter Sekunde oder auch noch um Viertel nach zwölf. Dann können beide Seiten sagen, wir haben hart gepokert und unsere Interessen erhobenen Hauptes vertreten.

Die Chancen sind also trotz gehöriger atmosphärischer Störungen intakt?

OTTE: Ja. Denn die griechische Regierung kommt zwar mit radikalen Ideen und vielen politischen Forderungen, es wird auf Deutschland geschimpft und es werden alte Feindbilder bedient. Doch die Regierung unter Tsipras sagt aber gleichzeitig, dass sie in der Euro-Zone bleiben möchte. Auf der einen Seite pokert die griechische Regierung also sehr hoch, geht ans Limit und vielleicht auch etwas darüber. Am Ende wird sie aber einlenken, das glaube ich immer noch.

Stichwort Poker. Was steht für die Euro-Zone und damit für die gemeinsame Währung auf dem Spiel?

OTTE: Diese viel beschworene Kettenreaktion halte ich für eine Chimäre. Portugal und Spanien sind andere Wirtschaftsräume als Griechenland, Italien als Kernland der Euro-Zone schon überhaupt. Das italienische Haushaltsdefizit liegt beispielsweise unter dem US-amerikanischen. Die Doktrin, dass Griechenland unbedingt in der Euro-Zone drinnen bleiben muss, wird dazu gebraucht, die anderen Regierungen gefügig zu machen. Dass hier alle über einen Kamm geschoren werden, ist letztlich anderen politischen Interessen geschuldet, nämlich der starken Verbindung von Banken-Lobby und Politikern. Denn, das kann man nicht oft genug sagen, es wurde nicht Griechenland gerettet, sondern wir haben sichergestellt, dass Griechenland weiter die Banken und seine Gläubiger bedient.

Sie glauben also zwar an eine Einigung, für sinnvoll halten Sie sie aber nicht?

OTTE: Das ist richtig. Von diesem Spiel hatten wir ja schon mehrere Runden, jetzt eben in einer deutlich verschärften Form. Ich hoffe ja fast auf einen Unfall, dass man sich doch nicht einigt und irgendjemand die Nerven verliert. Aber ich glaube es nicht. Es wäre aber viel vernünftiger und auch billiger gewesen, Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden zu lassen. Für beide Seiten. Griechenland hätte einen eigenen, demokratischeren Weg der Gesundung wählen können.

Die Kosten eines „Grexit“, also des Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro, schrecken Sie nicht? Es geht immerhin um 240 Milliarden Euro an Hilfsgeldern.

OTTE: Das Geld ist ja weg, wurde bereits vergeben. Das sind ja nur noch Forderungen. Die können wir immer weiter strecken. Wenn man das weit streckt, bekommt man vielleicht 40 oder 50 Prozent zurück. Aber mit den Kosten hätten wir es am Anfang gleich richtig machen können, ohne dass Griechenland 30 Prozent seiner Wirtschaftsleistung einbüßt. Die Schuldenquote ist weit höher als vor dem Ausbruch der Krise. Griechenland ist wirtschaftlich in einer katastrophalen Situation. Was zum Teil in Südeuropa passiert ist, das sind Wirtschaftskrisen schlimmsten Ausmaßes und das nennen wir dann auch noch Euro-Rettung.

Wird es aus Ihrer Sicht einen weiteren Schuldenschnitt geben?

OTTE: Ein weiterer Schuldenschnitt ist aus meiner Sicht ausgemachte Sache. Ganz egal, ob das dann wirklich Schuldenschnitt genannt wird oder die Schulden weiter auf den Sankt-Nimmerleins-Tag gestreckt werden, was aber auch nichts anderes als ein verdeckter Schuldenschnitt ist.

Es geht in den Debatten also auch um eine für beide Seiten bekömmliche Wortwahl?

OTTE: Ja. Ob es nun um Begriffe wie Schuldenschnitt oder Troika geht, man wird sich sicher das eine oder andere verbale Hintertürchen basteln müssen und sich zusammenraufen. Das, was jetzt passiert, ist grundsätzlich nichts anderes als in den vergangenen Jahren, es wurde nur auf eine neue Intensitätsstufe gehoben. INTERVIEW: MANFRED NEUPER

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