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Wo Milch und Honig fließen

Der Rechnungshof kritisiert im seinem neusten Bericht die besonders üppigen Sozialleistungen der Nationalbank. Die Bank zeigt sich nun einsichtig. Man evaluiere bereits.

MICHAEL JUNGWIRTH

Dass in der Nationalbank Milch und Honig fließen, ist seit dem Skandal über die Luxuspensionen bekannt. Arbeitnehmer vom Neusiedler- bis zum Bodensee können von solchen paradiesischen Zuständen nur träumen. Nun wartet der Rechnungshof in seinem jüngsten 200 Seiten dicken Bericht mit neuen pikanten Details auf.

Die Prüfer kamen aus dem Staunen nicht hinaus. Allein in den letzten vier Jahren hat die Bank rund 62 Millionen Euro an Sozialleistungen an aktive und pensionierte Mitarbeiter direkt oder indirekt ausgeschüttet – und das, obwohl das durchschnittliche Bruttoeinkommen – vom Chauffeur bis hin zum Gouverneur – ohnehin satte 98.400 Euro im Jahr beträgt.

Einmalige Zulagen: So gewährt die Nationalbank ihren Mitarbeitern eine Geburtsbeihilfe von 364 Euro pro Kind, eine Heiratsbeihilfe von 364 Euro und einen monatlichen Karenzzuschuss von 238,37 Euro (erstes und zweites Karenzjahr). Beim Ableben erhalten Angehörige ein durchschnittliches Sterbegeld von 21.465 Euro.

Permanente Zulagen: Jeder Mitarbeiter hat Anspruch auf eine Haushaltszulage von 140 Euro monatlich (15 Mal im Jahr), die monatliche Kinderzulage beläuft sich auf 230 bis 302 Euro pro Kind. Zum Vergleich: Beamten erhalten bescheidene 15,66 Euro pro Kind (zwölfmal im Jahr). Bezuschusst wird auch der Besuch von Kindergarten, Kinderkrippe oder Tagesmutter (75 Euro im Monat) bzw. die Nachmittagsbetreuung in Hort oder Schule (65 Euro).

Transport: Die Bank übernimmt 50 Prozent der Jahresnetzkarte.

Bezugsvorschüsse: Haben Mitarbeiter finanzielle Probleme, können sie um einen Bezugsvorschuss von maximal 60.000 Euro ansuchen. Bei Beamten sind es höchstens 7300 Euro.

Dienstwohnungen: Die Nationalbank verfügt über ein Kontingent an Dienstwohnungen, die Miete beträgt 2,25 Euro pro Quadratmeter. Zweidrittel der Wohnungen werden von ÖNB-Pensionisten bewohnt, Sachbezug muss keiner geleistet werden. Einige Wochen wurden bereits verkauft. Durch die nicht marktkonforme Miete entgehen der Nationalbank jährlich vier Millionen Euro.

Urlaub. Die Bediensteten haben rascher Anspruch auf mehr Urlaub als Mitarbeiter anderer Banken. Mit 370.000 Euro finanziert die Nationalbank die Urlaubsquartiere ihrer Angestellten.

Gesundheit. Die Bank übernimmt fast die Gänze der Zusatzversicherung. Im hauseigenen Ambulatorium sind zwei Bankärzte, zwei Ersatzärzte, eine medizinisch–technische Fachkraft sowie zwei Physiotherapeutin beschäftigt.

Kultur. Mit 112.000 Euro sponsert die Bank den Kauf von Theaterkarten, Privatreisen, Betriebsausflüge oder Betriebsfesten.

Sportverein, Die Nationalbank hat einen eigenen Sportverein, der jährlich mit 380.000 Euro subventioniert wird. Die Bank stellt außerdem drei Bedienstete für den Sportverein ab (jährliche Personalkosten von 370.000 Euro) ab. Für die Kosten der Dienstreisen der Geschäftsführer (mehr als 300 Reisetage von 2009 bis 2013) kommt die Nationalbank auf.

Hitzeregelung. Bis 1996 konnten Nationalbanker, wenn es mehr als 30 Grad hatte, eine halbe Stunde früher heimgehen. Heute erhalten Dienstnehmer am 1. Juli eine Zeitgutschrift von vier Stunden.

Der Rechnungshof stößt sich nicht nur an der Höhe der Zulagen, sondern auch an der fehlenden sozialen Staffelung. Die Nationalbank entgegnet, die Sozialleistungen seien branchenüblich. Man sei aber für Reformen aber bereit. Mit dem Betriebsrat würden derzeit die bestehenden Sozialleistungen evaluiert.

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