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Mosul: Entsetzen über Zerstörung von Museum

Einzigartige Relikte von großem historischen Wert werden von IS-Anhängern zerstört oder an Sammler verkauft – ein Millionengeschäft.

Weltweit herrscht Entsetzen über das Video aus dem Museum von Mossul. Unterlegt mit koranischen Gesängen wüten Krieger des Islamischen Staates durch die Ausstellungsräume, stoßen einzigartige assyrische Statuen vom Sockel, schlagen ihnen die Köpfe ab und zertrümmern Reliefs mit Vorschlaghämmern und Pressluftbohrern. „Auch wenn diese Dinge Milliarden von Dollar wert sind, für uns sind sie absolut nichts“, sagt einer der Bärtigen mit erhobenem Zeigefinger.

„Katastrophaler Verlust“

Unesco-Chefin Irina Bokova zeigte sich „tief schockiert“ und forderte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates. Archäologen in Europa und den USA vergleichen die Barbarei von Mossul mit der Zerstörung der Buddha-Figuren von Bamiyan 2001 durch die Taliban in Afghanistan. „Eine Tragödie und ein katastrophaler Verlust für Iraks Geschichte und Archäologie von unfassbaren Dimensionen“, urteilte der syrische Historiker Amr al-Azm.

Thomas Campbell, der Direktor des „Metropolitan Museum of Art“ in New York, nannte die Untat seinerseits „die katastrophale Zerstörung eines der wichtigsten Museen des Nahen und Mittleren Ostens“.

Bereits kurz nach der Eroberung von Mossul im Juni 2014 hatten die IS-Gotteskrieger Dutzende Moscheen und Kirchen in die Luft gesprengt, darunter das berühmte Mausoleum des Propheten Jonas. Zuletzt jagten sie am Donnerstag die Rote Moschee im Stadtzentrum in die Luft, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Im Jänner plünderten sie die Universitätsbibliothek und zündeten die Zentralbibliothek von Mossul an. 8000 unwiederbringliche Manuskripte verbrannten.

Auf dem nahe gelegenen Ausgrabungsgelände von Ninive wurde auch eine monumentale assyrische Hüterstatue zerstört. Der geflügelte Stier aus Granit ist Teil des Nergal-Tores aus dem siebenten Jahrhundert vor Christus.

Es scheint jedoch, dass die IS-Vandalen überwiegend die monumentalen Stücke zerstörten, kleinere dagegen verschonten, um damit ihre Kriegskasse zu füllen. 1800 der 12.000 registrierten archäologischen Fundstätten im Irak liegen im Machtbereich des IS, darunter vier Hauptstädte der assyrischen Epoche sowie 250 Kulturbauten des Altertums.

Unesco-Menschheitserbe

100 Kilometer südlich von Mossul befinden sich zudem die gut erhaltenen Reste der antiken Stadt Hatra aus der Partherzeit, die ebenso zum Unesco-Menschheitserbe gehört wie die Tempelanlagen von Assur. Die geraubten Fundstücke werden in die Türkei sowie den Libanon geschmuggelt, wo Hehlerringe sie Kunden in Europa, den USA und den Golfstaaten anbieten.

„Es ist absolut verblüffend“, zitiert die BBC den Antikenfahnder Arthur Brand aus Amsterdam, „der illegale Handel ist total professionell organisiert – mit Büros und sogar mit Visitenkarten.“ Unesco und Interpol taxieren das globale Volumen des illegalen Antikenhandels auf sechs bis acht Milliarden Dollar. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete vor zwei Wochen erstmals eine Resolution. Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich, „geeignete Schritte gegen den Schmuggel mit dem kulturellen Erbe von Syrien und Irak“ zu unternehmen.

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