Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Die Aufrüstung der Universitäten

Studienplatzfinanzierung heißt das neue Zauberwort für die Universitäten. Was verbirgt sich dahinter und um welche Kosten geht es eigentlich?

Von Norbert Swoboda

Im neuen Regierungsübereinkommen wurde auch die Aufrüstung der Universitäten beschlossen. Die Qualität soll unter anderem durch eine künftige Studienplatzfinanzierung gewährleistet sein. Ein paar Fakten und Fragen dazu.

1Wie viele Studierende und Lehrende gibt es auf der Ebene der Hochschulen und Universitäten?

Derzeit sind rund 310.000 Studierende an den Unis (davon rund 60.000 EU-Ausländer), 50.000 an den Fachhochschulen und 15.000 an Pädagogischen Hochschulen inskribiert. Jährlich werden etwa 55.000 Studienabschlüsse erworben. Rund 45.000 Reifeprüfungen (bzw. vergleichbare Schulabschlüsse) werden jährlich gezählt. Lehrende gibt es an den Universitäten etwa 40.000, an den Hochschulen weitere 25.000. An Bildungsausgaben gibt die Statistik Austria rund vier Milliarden Euro für Universitäten, 330 Millionen für Fachhochschulen und 220 Millionen für Pädagogische Hochschulen an.

2Was ist Studienplatzfinanzierung und wo gibt es sie?

Bei der Studienplatzfinanzierung wird zunächst die Zahl der Studienplätze pro Fach und Institution festgelegt sowie die Höhe der Kosten pro Studienplatz. Dies wird der Institution zugewiesen. In Österreich funktioniert das System seit gut 20 Jahren bei den Fachhochschulen so. Studien müssen regelmäßig evaluiert werden, die Zahl der genehmigten Studienplätze hängt unter anderem von der (vermuteten) Nachfrage ab.

3 Wie werden die Studienplätze der Universitäten derzeit finanziert?

Im Wesentlichen durch ein sogenanntes Globalbudget, das der Staat für jeweils drei Jahre mit den Universitäten aushandelt. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, darunter auch die Zahl der Studierenden in einem Fach. Die Universitäten müssen die Mittel im Rahmen ihrer Autonomie auf die Studiengänge verteilen. Die Zahl der Studierenden steht wegen des freien Hochschulzugangs nicht fest. Das führt zu Planungsschwierigkeiten und Engpässen mancherorts.

4Was versteht man unter Zugangsbeschränkungen?

Zugangsbeschränkungen sind immer notwendig, wenn die Anzahl der Studienplätze kleiner ist als die Nachfrage von den Maturanten. In Österreich versteht man heute darunter Aufnahmeverfahren (meist Tests), in Deutschland spielt der Numerus Clausus (die Noten der Oberstufe bzw. des Abiturs) eine Rolle. Die Matura allein reicht also für einen Studienplatz nicht aus. In Österreich sind viele Studien beschränkt: alle Fachhochschulstudien, alle Kunststudien, medizinische Studien, Psychologie, Biologie, Pharmazie, Wirtschaftswissenschaften und andere.

5Welche Fächer könnten künftig beschränkt werden?

Die wichtigsten Kandidaten sind derzeit das Fach Jus, gefolgt von Pädagogik, Soziologie, Anglistik, Germanistik, Dolmetschen, Geschichte und Chemie. Allerdings ist nicht jedes Fach an jedem Uni-Standort gleich nachgefragt. So fielen zuletzt an der Universität Graz in mehreren Fächern die Zulassungstests aus, weil die Nachfrage zu gering war. Derzeit will man sich an den Absolventenzahlen orientieren, die mit einem Aufschlag von 20 Prozent versehen sind.

6Wird es allgemeine Zugangsbeschränkungen geben?

Wenn es nach den Rektoren geht, wäre dies wünschenswert. Der Prozess würde aber wohl ein Jahrzehnt dauern. Womöglich würde man gewisse „wünschenswerte“ Studien (Informatik) bewusst ausnehmen.

7Sind Studiengebühren geplant?

Nein, derzeit nicht.

8Verbessert eine Studienplatzbeschränkung die Studien?

Die Erfahrungen an den Medizin-Unis (wo es eine extrem große Nachfrage gibt) sind sehr positiv. Jene, die einen Platz ergattern, studieren dann sehr konsequent zu Ende. Die Betreuungsrelationen sind besser, es gibt keinen Kampf um Laborplätze etc. Die Lehrenden sind mit weniger Studierenden konfrontiert, können sich diesen besser widmen bzw. stärker der Forschung zuwenden.

9Welche Alternativen gibt es für Maturanten bei flächendeckenden Zugangsbeschränkungen?

Derzeit gibt es kein staatliches Alternativangebot, die Maturanten müssten direkt einen Job finden und/oder über private Angebote Weiterbildung betreiben.

10Was kostet ein Studienplatz?

Das ist sehr unterschiedlich. Das geht von etwa 5000 Euro pro Jahr für Bücherstudien bis zu 30.000 Euro und mehr für (Veterinär-)Mediziner und Kunststudenten.

11Wie geht es jetzt weiter?

Die Rektoren wünschen sich für 2019–2021 zusätzlich 500 Millionen Euro, bis Juni sollen erste Zahlen und Entscheidungen feststehen.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.