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Ein Geruch von Pech und Schwefel

ANALYSE. Von Nicolas Sarkozy über François Fillon bis Marine Le Pen: In Frankreich tut sich rechts der politischen Mitte ein Skandalsumpf auf. Mit Grausen wenden sich die Franzosen ab. Das eröffnet der Linken im Präsidentschaftswahlkampf neue Chancen.

Skandale überschatten Frankreichs Präsidentenwahl. Sie weiten sich aus. Jean-François Achilli, Politikexperte des Radiosenders „France Info“, hat einen „sich im Lande ausbreitenden üblen Geruch nach Geld und Schwefel“ ausgemacht.

Am Dienstag erst hatte ein Untersuchungsrichter die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy beantragt, dem illegale Wahlkampffinanzierung vorgeworfen wird. Sarkozy hatte für seine letztlich erfolglose Wahlkampagne 2012 mehr Geld ausgegeben, als gesetzlich zulässig ist.

Am Mittwoch ist der in einen Scheinarbeitsskandal verstrickte konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon weiter in Bedrängnis geraten. Nach Erkenntnissen der Wochenzeitung „Canard Enchaîné“ hat er als Parlamentsabgeordneter seiner Gattin Penelope nicht nur auf Kosten des Steuerzahlers zu 830.000 Euro „Gehalt“ verholfen. Nach Auslaufen der Verträge, die eine Beschäftigung als Assistentin ihres Mannes vorsahen, soll sie auch noch großzügig abgefunden worden sein. Der „Canard Enchaîné“ beziffert den Nachschlag mit 45.000 Euro.

Aufgebrachte Bürger empfingen den um ihre Gunst werbenden Kandidaten am Dienstag in der Kleinstadt Troyes mit Rufen wie „Betrüger!“ oder „Schurke!“ Auf Transparenten prangte die Forderung: „Gib uns unser Geld zurück!“ Laut einer von der Zeitung „Le Monde“ im Dezember durchgeführten Erhebung ist ein Drittel der französischen Bevölkerung der Ansicht, die Demokratie sei „nicht unbedingt die beste aller Herrschaftsformen“. Der Anteil der Politik-, und Demokratieverdrossenen dürfte in diesen Tagen kaum zurückgegangen sein.

Fillon versicherte, die Abfindung sei im Gesamtgehalt bereits eingerechnet gewesen. Louis-Marie Horeau, Chefredakteur des Enthüllungsblattes, stört sich indes weniger an der Summe als daran, dass überhaupt eine Abfindung gewährt wurde. Horeau erinnerte daran, dass Madame Fillon nach dem Ausscheiden ihres Mannes aus der Nationalversammlung von dessen Nachrücker weiterbeschäftigt worden sei.

Aber nicht nur die konservativen „Republikaner“ stecken im Skandalsumpf. Marine Le Pen, Chefin des rechtspopulistischen Front National und EU-Abgeordnete, ist dort ebenfalls zu finden. Zwei vom EU-Parlament bezahlte Assistenten, die Le Pen in Straßburg unterstützen sollten, haben in Wirklichkeit für die Partei gearbeitet.

Geradezu zynisch mutet im Rückblick an, dass Fillon und Le Pen versprochen haben, gegen System und Eliten vorzugehen. Fillon hatte nach der Wahl zum Kandidaten eine „arrogante, ineffiziente Führungsschicht“ gegeißelt, „deren Privilegien abgeschafft gehören“. Worte, die auch Le Pen im Munde führt.

Von Reue, kleinlautem Rückzug gar, ist nicht die Rede. Sarkozy hat gegen die Eröffnung eines Strafverfahrens Rechtsmittel eingelegt. Fillon hat sich zwar öffentlich entschuldigt – aber für etwas, das ihm nicht wirklich angelastet wird. Er bedauere, Familienmitglieder unter Vertrag genommen zu haben. Was den entscheidenden Vorwurf der Scheinarbeit anbelangt, beharrt Fillon darauf, dass die Gattin tatsächlich für ihn gearbeitet habe, ihr Gehalt angemessen gewesen sei. Le Pen wiederum weigert sich, das zu Unrecht gezahlte Gehalt zurückzuzahlen. Das EU-Parlament will ihr nun von März an Abgeordnetendiät und Tagespauschale um die Hälfte kürzen.

Nutznießer des sich rechts der politischen Mitte auftuenden Skandalsumpfs sind die Kandidaten der Linken: zum einen der als Gesamtfavorit gehandelte parteilose Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, zum anderen der Sozialist Benoît Hamon. Franzosen, denen das Lachen noch nicht vergangen ist, flüchten sich in Galgenhumor. Sie spotten über Fillons Gattin, nennen sie „Miss Moneypenny“ oder in Anspielung auf ihre im Parlament kaum bemerkte Anwesenheit „das Phantom der Nationalversammlung“. Den meisten Franzosen ist zum Lachen aber nicht mehr zumute.

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