Der Terror und die Wahl

Vor der morgigen Unterhaus-Wahl lassen die regierenden Konservativen und die oppositionellen Sozialisten jede Zurückhaltung fallen und setzen voll auf das Thema der nationalen Sicherheit.

In einen bitteren Streit artet die Schlussphase des Wahlkampfs in Großbritannien aus. Tory- und Labour-Politiker werfen einander vor, die Bevölkerung nicht genügend vor dem Terror geschützt zu haben. Premierministerin Theresa May wird scharf kritisiert, weil sie als Innenministerin die Polizei in England und Wales um 20.000 Stellen und die Zahl bewaffneter Beamter um 1000 gekürzt hatte. Bei einem Anschlag in London waren am Samstag sieben Personen getötet und 48 teils schwer verletzt worden.

Während die Ermittlungen weiter auf Hochtouren liefen, erklärte der Anti-Terror-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, binnen neun Wochen habe man auf der Insel „fünf Terror-Komplotte vereitelt“. Der Inlandsgeheimdienst MI5 ist freilich völlig überfordert mit der Aufgabe, 3000 potenzielle Gefährder zu überwachen. Weitere 20.000 einschlägig Bekannte sind registriert. 900 Personen sollen seit 2014 von der Insel ins IS-Kalifat in Nahost gereist sein. Viele davon sind seither zurückgekehrt.

Neue Enthüllungen über die drei von der Polizei erschossenen Täter belasten die Geheimdienste stark. Als Führer des Trios wurde der 27-jährige Khuram Shazad Butt, ein Sohn pakistanischer Eltern, betrachtet, der in London aufgewachsen ist. Butt, Vater zweier Kinder und Arsenal-Fan, gehörte offenbar der radikal-islamistischen Organisation al-Muhajiroun an. Er war von Nachbarn der Polizei gemeldet worden, weil er Kinder zu indoktrinieren versuchte. Trotzdem stuften die Geheimdienste ihn nicht als unmittelbare Gefahr ein.

Beim zweiten Mann handelt es sich um einen 30-jährigen Ex-Koch marokkanisch-libyscher Abstammung. Rachid Redouane war der Polizei bis dahin nicht bekannt. Er hatte mehrere Jahre in Dublin gelebt und war mit einer Irin verheiratet, die sich von ihm trennte. Auch in Irland waren Warnungen eines Imams ungehört verhallt. Der dritte Täter, Youssef Zaghba, war Sohn einer Italienerin und eines Marokkaners. Der 22-Jährige war im Vorjahr am Flughafen von Bologna an der Weiterreise in die Türkei und nach Syrien gehindert worden. Rom hatte offenbar Warnungen an London weitergegeben.

Unterdessen fordern immer mehr Briten eine Absage des Staatsbesuchs, zu dem May Donald Trump heuer eingeladen hat. „Ich finde nicht, dass wir für den US-Präsidenten den roten Teppich ausrollen sollten, wenn alles, was er sagt, dem entgegensteht, wofür wir sind“, hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärt. Khan, der prominenteste Moslem der Insel, war von Trump nach dem Anschlag in mehreren Tweets unterstellt worden, er habe die Bedrohung heruntergespielt. Peter Nonnenmacher, London

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