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„Alles ändern, damit alles bleibt, wie es ist“

Der Satz, der dem Zitat zugrunde liegt, ist so alt wie wahr. „Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi.“ – „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern“, heißt es in Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Il Gattopardo“. Ist er zynisch gemeint oder kluger Hinweis auf die Notwendigkeit stetiger Reform? Oder beides?

In jedem Fall lässt sich das Zitat aus Italien mühelos auf Österreich und seine weniger bewegte Gegenwart transponieren. Auf den Versuch, durch Austausch von Parteichef, -farbe und -struktur zu retten, was im alten Schwarz wohl dem Untergang geweiht gewesen wäre. Auf das neue, staatstragende Gehabe des Verhandlungspartners, mit dem Blau Staat machen möchte. Auf den jung-dynamischen Vorsitzenden der alten Sozialdemokratie, der – weniger erfolgreich – über den schwindenden inneren Zusammenhalt der Bewegung hinweghelfen sollte.

Wie viele dramatische Brüche in der Geschichte unseres Landes wären unblutig verlaufen, hätte man früher die nötige Veränderung gewagt? Das Ende des Modells der Habsburgermonarchie deutete sich lange vor ihrem tatsächlichen Zerfall an. Es fehlte auch nicht an Ideen, den Vielvölkerstaat umzubauen, aufdass er erhalten bleibe. Die ihn unbedingt in seiner überkommenen Form retten wollten, trugen zu seinem Ende maßgeblich bei.

500 Jahre Reformation, das soeben zu Ende gehende Großjubiläum, erinnert an die verheerenden Folgen renitenter Reformverweigerung einer jahrhundertealten Großorganisation. Dass die katholische Kirche ihren damaligen Verfallszustand überdauert hat, grenzt an einen Gottesbeweis. Die Vertriebenen und Toten aber, die im Gefolge der revolutionären Umbrüche und Kriege zu beklagen waren, lasten auf den Gewissen jener, die das Bestehende gegen jede Änderung imprägnieren wollten.

Österreicher neigen zum Misstrauen gegenüber dem Neuen. Es hat sich zu rechtfertigen gegenüber dem Bestehenden. Umso erstaunlicher, dass eine Gruppierung, die vage „Veränderung“ plakatierte, die relative Mehrheit für sich gewinnen konnte. Wie sehr das ernst gemeint war, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wird die Koalition, die nun vorbereitet wird, „alles“ zur Disposition stellen, was der junge Tancredi im Roman für die Voraussetzung der Dauer des Tradierten hält? Wird man die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern aufgeben, um die Idee ständischer Vertretungen zu retten? Wird man das Pensionssystem an die gestiegene Lebenserwartung anpassen, um es finanzierbar zu halten? Wird man den Staat so umbauen, wie der Rechnungshof seit Jahren vorschlägt?

Hatte Heinz Unart also recht?

Ja, hatte er – im Guten wie im Schlechten.

Thomas Götz

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