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Pilz stolpert über Grapschaffäre

Politischer Paukenschlag: Pilz kehrt nach Sex-Vorwürfen der Politik den Rücken. Warum wurde Causa jetzt publik?

Von Michael Jungwirth

Sommer 2013, Alphotel in Alpbach. Justizministerin Beatrix Karl hatte zum traditionellen Justizempfang am Rande des Europäischen Forums geladen. Der offizielle Part war längst vorbei, zu fortgeschrittener Stunde bildeten sich draußen auf der Terrasse, wie bei solchen Stehempfängen üblich, größere und kleinere Runden. „Peter Pilz stieß zu uns dazu“, erzählt einer der Beteiligten gestern im Telefonat mit der Kleinen Zeitung, „und hatte bereits einiges getrunken.“ Dabei kam Pilz mit einer jungen Juristin ins Gespräch. Plötzlich begann er die Frau zu begrapschen, am Ende hatte er beide Hände um ihren Hals, als ob er sie würgen würde. „Wir sind der völlig perplexen Frau zu Hilfe geeilt und haben ihn weggestoßen“, schildert der Gesprächspartner die Situation. Er könne drei weitere Augenzeugen für den sexuellen Übergriff benennen. Später habe er beobachtet, wie Pilz bei einem Gruppenfoto anderen Frauen auf den Po gegriffen habe.

Es ist genau dieser Vorfall, der dem 63-jährigen Parteigründer das abrupte Ende seiner drei Jahrzehnte währenden politischen Karriere beschert hat. Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Café Landtmann begründet Pilz seinen Rücktritt genau mit dem Ereignis. „Ich kann mich daran nicht erinnern, aber persönliche Erinnerungslosigkeit ist keine Entschuldigung.“ Er werde dem neuen Nationalrat, der sich am Donnerstag konstituiert, nicht mehr angehören.

Der Alpbacher Vorfall wurde Freitagabend auf Twitter publik, der „Falter“ nahm den Fall Samstagfrüh auf und konfrontierte Pilz mit den Vorwürfen. Dass diese Causa jetzt publik geworden ist, hat mit einem anderen, ungleich schwerwiegenderen Vorfall zu tun, über den am Freitag „Presse“ und „profil“ berichtet hatten, der in den sozialen Medien als politisches Manöver oder als Einzelfall abgetan wurde. Daraufhin wurde die Alpbach-Affäre via Twitter veröffentlicht.

In der anderen Causa erhebt eine frühere Mitarbeiterin schwere Anschuldigungen gegen Pilz. Rund 40 Übergriffe sind laut „profil“ in einem von der Gleichbehandlungsanwaltschaft verfassten Schreiben im Detail aufgelistet. Zu ersten Avancen kam es bei einem Abendessen, in weiterer Folge habe er sie regelmäßig belästigt, zu einer Reise nach Paris, zu Spaziergängen, auf seine Alm in der Steiermark eingeladen.

Anders als Alpbach bestreitet Pilz den Vorwurf vehement. Es habe sich um einen „Arbeitskonflikt“ gehandelt, weil er die Assistentin nicht befördert habe. Noch dazu seien ihm die Vorwürfe nie in schriftlicher Form vorlegt worden. Pilz vermutet eine Intrige der Grünen. „Fallen mit den Mandaten, den Jobs auch die Hemmungen weg? Heißt’s jetzt Rache für das, was nicht ich, sondern die Wähler entschieden haben?“

Wenige Stunden nach der Pressekonferenz meldete sich die ehemalige Parteichefin Eva Glawischnig zu Wort. In einer Stellungnahme wies sie „den Vorwurf der politischen Intrige aufs Schärfste zurück“. Auch stimme es nicht, Pilz sei über die Anschuldigungen nicht informiert worden, allerdings nicht schriftlich, weil die Betroffene dem nicht zugestimmt habe. „Es wurde ihm langsam vorgelesen, er konnte mitschreiben“, so Glawischnig. „Er war in Kenntnis der Vorwürfe.“

Warum die Causa jetzt ans Licht gekommen ist, gibt Anlass zu Spekulationen. Naheliegend wäre, dass dahinter die Wiener Grünen stecken – vor wenigen Tagen hatte Pilz angekündigt, 2020 auch in Wien antreten zu wollen. Seit 2015 waren mehr als ein Dutzend Personen in die Sache eingeweiht: der enge Führungszirkel der Grünen sowie vier Pilz-Vertraute.

Mit einer bemerkenswerten Wortmeldung beendete Pilz seine gestrige Pressekonferenz: „In solchen Situationen muss man als Mann etwas lernen. Ich bin einer dieser älteren mächtigen Männer, die aus anderen politischen Kulturen kommen. Ich bin politisch kein besonders korrekter Mensch, ich werde es auch nimmer. Ich habe eine bestimmte Lebensart. Wir älteren mächtigen Männer müssen bereit sein, etwas dazuzulernen. Ich bin dagegen, dass unser ganzes Leben von politischer Korrektheit dominiert wird. Aber ich bin sehr dafür, dass wir Männer in solchen Positionen darüber nachdenken.“

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