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Söder ist am Ziel seiner Träume in Bayern

Der Erzfeind von Horst Seehofer wird dessen Nachfolger als Ministerpräsident. Dem bleibt der Parteivorsitz – alles in neuer Harmonie.

Von Daniela Vates, Berlin

Er ist jetzt am Ziel und plötzlich scheint die Anspannung weg. Am Tag eins seiner Ministerpräsidentwerdung ist Markus Söder ganz sanft. „Ein neues Kapitel“ sei aufgeschlagen in Bayern, sagt er. Dann folgt ein bedächtiger Wortschwall: Anstand, Würde, Respekt, Teamleistung. Und wieder und wieder: Gemeinsamkeit. Es ist, als sei Söder auf dem Weg vom Saal der Landtagsfraktion in die Pressekonferenz in einen Harmoniebottich gefallen. Aber es reicht vermutlich auch das: Die Fraktion hat ihn gerade einstimmig als künftigen Ministerpräsidenten ausgerufen. Amtsinhaber Horst Seehofer hatte es so vorgeschlagen, nach einem jahrelangen Duell. Seit der Bundestagswahl hat sich der Kampf verschärft: Fast täglich forderte jemand Seehofers Rückzug: erst Hinterbänkler aus dem Landtag, dann ganze Bezirksverbände. Sie waren dem Söder-Lager zuzurechnen, aber weil die anderen sich ruhig verhielten, konnten sie die Stimmung setzen. Seehofer, der in Berlin über die Jamaika-Koalition verhandelte, beschwerte sich über Illoyalitäten aus München. Ein Putsch lag in der Luft. Die Umfragewerte der CSU, die bei der Bundestagswahl schon keine 40 Prozent mehr erreicht hatte, sanken und sanken.

Nun übernimmt Söder. „Ich freu mich“, sagt er gleich zweimal, er verzichtet auf Triumph in der Stimme. Über Jahre hat er auf dieses Ziel hingearbeitet: Er war Chef der bayerischen Jungen Union. Ministerpräsident Edmund Stoiber machte ihn zum Generalsekretär, er ist Söders Förderer geblieben. Der Nürnberger Günther Beckstein holte seinen Mit-Franken als Europaminister ins Kabinett, von dort wechselte er ins Umweltministerium und weiter ins Finanzministerium. Söder war zwar nicht Vize-Regierungschef, aber er hatte in einer guten wirtschaftlichen Lage das Ministerium zum Geldverteilen und obendrein noch ein neu erfundenes Heimatministerium. Eine ideale Kombination zur Unterstützer- und Imagepflege: Söder konnte Finanzspritzen verkünden und sich fotogen in Pose stellen.

Es war das, was er brauchte: der Versuch, sein Image als harter Polarisierer weicher zu zeichnen. Er war ja lange Zeit vor allem der Mann für die Provokationen. Der, der es gerne etwas übertreibt um der Schlagzeile willen. Irgendwann stellte er ein Jugendfoto auf seine Facebook-Seite: Söder in Jackett und Krawatte vor einem Poster der CSU-Ikone Franz Josef Strauß, angeblich in seinem Kinderzimmer. „Das war das Poster über meinem Bett in der Jugendzeit. Was hing bei euch?“, schrieb er dazu. Der Anspruch war klar, er hat ihn immer deutlicher formuliert. In der CSU hieß es, er beiße potenzielle Konkurrenten weg. Es wird viel gelästert in der CSU. An Söder aber blieb das Wort vom Oberintriganten hängen. Seehofer bezeichnete ihn vor einigen Jahren öffentlich als „Ichling“ , als machtbesessenen Egoisten also, und warf ihm „Schmutzeleien“ vor.

Seehofer holte Ilse Aigner aus Berlin nach München als potenzielle Söder-Konkurrentin. Er versuchte, ihm die Spitzenkandidatur für den Bundestagswahlkampf anzutragen, um ihn aus dem Münchner Rennen zu nehmen. Schließlich verschob Seehofer im Frühjahr seinen angekündigten Rückzug – es gab zu wenige Alternativen zu Söder. Nach dem Absturz bei der Bundestagswahl hat sich der Machtkampf zugespitzt. Zuletzt hat die Landtagsfraktion Seehofer unter Druck gesetzt, indem sie für diesen Montag eine Abstimmung über die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl ankündigte. Bis zum Schluss bleibt offen, ob Innenminister Joachim Herrmann Söder in einer Kampfkandidatur herausfordern wird. Er verzichtet und bekommt Lob für den Anstand. Und dann erklärt Seehofer: „Es war ein Tag, der mich rundum zufriedengestellt hat.“ Er behauptet, er habe den Weg frei gemacht für die Erneuerung – „ohne Drittenmitwirkung“. Er schwärmt vom Teamgeist und – tatsächlich: Er schwärmt von Söder. Mit dem habe er in den Vorjahren immer wieder die schwierigsten Probleme gelöst. Wie war das mit den „Schmutzeleien“? Lange her, gibt Seehofer zurück. „Man muss im Leben mal abstrahieren können.“

Seehofer wird den CSU-Vorsitz behalten, die Staatskanzlei soll Söder im ersten Quartal übernehmen. Es gibt dafür kein festes Datum. Seehofer sagt, das müsse so sein, damit die CSU bei Koalitionsverhandlungen in Berlin durchsetzungsfähig sei. Söder sehe das genauso entspannt wie er, sagt Seehofer.

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