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Das Feindbild Beamte

Ein schneller Reisepass, ein hilfreicher Polizist oder ein verlässliches Grundbuch. In Österreich dürfen wir uns gut verwaltet fühlen. Trotzdem ist die gängige Meinung über die Verwaltung eine negative.

Denn Geschichten von angeblich sinnlosen Ansuchen und bürokratischen Schikanen füllen kurzweilig gesellige Abende. Doch auch die Politik hat sich die Bürokratie als Feindbild auserkoren, vor allem, wenn es um Einsparungsmöglichkeiten geht. Am besten gleich 14 Milliarden für eine Gegenfinanzierung der Steuerreform, die den anderen Bürgern mehr Netto vom Brutto bringen soll. So zumindest die Pläne der neuen schwarz-türkis-blauen Regierung. Details stehen ja immer noch aus.

Wirft man aber einen Blick in internationale Statistiken, so bleibt von der „Überbürokratie“ nicht viel übrig. In Österreich betrug 2015 der Anteil öffentlich Bediensteter an der Erwerbsbevölkerung laut OECD knapp 16 Prozent und blieb damit unter dem Durchschnitt der OECD-Mitgliedstaaten von 18 Prozent. Führend mit fast 30 Prozent sind hingegen Norwegen, Dänemark und Schweden. Den österreichischen Beamten und Vertragsbediensteten wurden Löhne von knapp 38 Milliarden Euro ausbezahlt. Jeder dritte Euro davon für den Bildungssektor, jeder vierte im Gesundheitswesen und neun Prozent für die öffentliche Ordnung und Sicherheit.

Alles eigentlich keine Bereiche, in denen wir uns große Einsparungen wünschen. Im Verwaltungsdienst hingegen wurde seit 1999 bereits der Arbeitsplatz jedes sechsten Mitarbeiters eingespart. Im Bereich des E-Governments gilt Österreich dennoch weltweit als vorbildlich.

Selbstverständlich dürfen politische Günstlinge ohne entsprechende Qualifikation nicht im öffentlichen Dienst versorgt werden. Natürlich sind Doppelzuständigkeiten etwa zwischen Bund und Ländern abzuschaffen sowie Amtswege für den Bürger kundenfreundlich zu straffen.

Aber dass die Hälfte der öffentlich Bediensteten nach Hause geschickt werden kann, ohne dass wir das bemerken, ist eine Illusion.

Kathrin Stainer-Hämmerle lehrt Politikwissenschaften an der Fachhochschule Villach

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