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„Das ist nicht das Gesicht Österreichs“

Die heimischen Bischöfe tagten erstmals in Sarajevo, wo sie die Innenpolitik einholte.

Ich schwanke zwischen Hoffnung und Resignation“, bekannte gestern Kardinal Christoph Schönborn in Sarajevo. Zum ersten Mal war die Österreichische Bischofskonferenz in Bosnien zusammengekommen. „Der Frieden ist noch immer nicht vollendet“, sagte Schönborn bei einer Messe mit dem bosnischen Episkopat in der Kathedrale Sarajevos. Die Stadt sei beides: Chiffre für eine Vision des kulturellen Miteinanders, wie es in der osmanischen und später der habsburgischen Ära vorgelebt wurde. Und gleichzeitig schauriges Sinnbild für das Drama des Nationalismus, der unter der Oberfläche weiterwuchert.

An der Oberfläche viel redliches Bemühen. Muslime, Serbisch-Orthodoxe, die verbliebenen Juden und die dramatisch dezimierten Katholiken haben einen interreligiösen Rat gebildet und versuchen, die Versöhnung voranzutreiben. Die islamische und christliche Fakultät bieten gemeinsame Master-Studien an. Beim Treffen zwischen Schönborn und dem Oberhaupt der muslimischen Gemeinschaft Bosniens, Husein Kavazović, wurden diese Brücken innig beschworen. Dieser bosnische, westlich orientierte Islam wäre eine Chance für Europa. So wären Kompatibilität und Toleranz auf Augenhöhe lebbar. Gegen radikale Einflüsse aus den Golfstaaten verwahre man sich, so der Großmufti, und ziehe klare Trennlinien. Umso mehr leide man unter Zerrbildern in Europa. „Wir fühlen uns wie zwischen zwei Mühlsteinen, dem der Islamfeindlichkeit und dem der versuchten Radikalisierung.“

Der Wiener Kardinal, der sich nachdrücklich für einen EU-Beitritt des Landes aussprach, distanzierte sich in der Kaisermoschee von „radikalen, aggressiven Parolen“ in seinem Land. Sie kämen nur von einer Partei. Deren Verbrüderung mit den serbischen Zündlern, mehrfach von den bosnischen Gastgebern zur Sprache gebracht: Das sei, so der Kardinal, nicht das Gesicht Österreichs. Hubert Patterer, Sarajevo

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