Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Kampf um die Führungsmacht im Nahen Osten

„Die Erzfeindschaft zwischen Iran und Saudi-Arabien befeuert die Konfliktherde“, sagt Nahost-Experte Guido Steinberg. Von Manuela Swoboda

Wird sich der Kampf der Todfeinde Iran und Saudi-Arabien auf syrischem Boden wieder verschärfen?

Nach meiner Einschätzung ist der Konflikt in Syrien mit Saudi-Arabien schon seit längerer Zeit beendet. Einen endgültigen Abschluss hat die saudi-arabische Intervention in Syrien damit gefunden, dass der wichtigste Geldempfänger saudischer Hilfe, die sogenannte Armee des Islam, in Duma geschlagen wurde. Ich sehe aktuell keine saudische Unterstützung für die Rebellen mehr.

US-Verantwortliche in Syrien warnen davor, die Gefahr eines IS-Comebacks zu unterschätzen. Wie sehen Sie das?

Ich sehe das genauso, denn der IS hat in der Vergangenheit schon gezeigt, dass er jedes Vakuum, das sich bietet, ausfüllt. Der IS war 2010 im Irak fast geschlagen, er hatte damals vielleicht noch 700 Mann, heute sprechen wir von 1000 oder 20.000 Kämpfern in Ostsyrien. Wenn man die nicht ständig unter Druck setzt, besteht zumindest die Gefahr, dass der IS wieder erstarkt. Das ist das eigentliche Problem für uns Mitteleuropäer.

An welchen Fronten kämpfen die traditionellen Rivalen Iran und Saudi-Arabien?

Iran ist in Syrien der wichtigere Akteur. Saudi-Arabien hat den Konflikt verloren und die Unterstützung der Aufständischen aufgegeben. Im Jemen ist Saudi-Arabien der stärkere Akteur. Die Iraner unterstützen zwar die Huthi-Rebellen, waren da aber immer recht verhalten, die könnten das sicher aktiver machen. Dann sehen wir, dass Iraner schiitische, islamistische Milizen auch in Bahrain unterstützen, und damit haben wir schon die wichtigsten Konfliktfelder.

Warum sind der Iran und Saudi-Arabien so erbitterte Feinde?

Da gibt es mehrere Systemfaktoren: Auf der einen Seite haben wir die revolutionäre Republik Iran, auf der anderen Seite das sehr konservative prowestliche Königreich Saudi-Arabien. Dann gibt es den alten Konflikt: Iraner gegen Araber, der eine Rolle spielt, dann geht es um Schiiten gegen Sunniten. Der Kern des Konflikts ist aber dieser Anspruch auf die Führungsposition in der Region bei gleichzeitiger weltanschaulicher Konkurrenz. Aus saudi-arabischer Sicht ist es nicht zu dulden, dass die Iraner im Jemen einflussreich werden, aus iranischer Sicht ist es nicht zu dulden, dass die Saudis im Libanon einflussreicher werden.

Saudi-Arabiens neuer Herrscher, Kronprinz Mohammed bin Salman, treibt die Modernisierung seines Landes voran. Welche Rolle spielt er?

Bin Salman ist sicherlich einer der interessantesten Politiker des Nahen Ostens im Moment, vor allem, weil er sein Land tatsächlich modernisieren will. Die Kehrseite seines Modernisierungskurses sehen wir aber in der ungeheuren außenpolitischen Aggressivität. Es ist zu befürchten, dass es noch in anderen Ländern zu Konfrontationen mit dem Iran kommt. Er scheint zielgerichtet Allianzen mit Israel und den USA zu schmieden. Mohammed bin Salman steht für eine Schicht von Saudis, die sich für den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht interessieren. Er hat deutlich gemacht, dass er auf US-Präsident Trump baut. Und wenn er mit Trump kein Problem hat, dann hat er auch keines mit Netanjahu.

Der Nahe Osten, eine der instabilsten Regionen der Welt, erfährt einen regelrechten Nuklearboom: Saudi-Arabien verabschiedete ein Konzept für 16 hochmoderne AKW, der Iran plant eine Erweiterung von Buschehr. Wie bedrohlich ist das?

Das ist hochgefährlich. Das iranische Atomprogramm war immer militärisch motiviert. Mohammed bin Salman sagte zuletzt sehr deutlich: Wenn die Iraner Atomwaffen bekommen, dann bekommen wir die auch. Wenn dann über eine friedliche Nutzung die notwendigen Grundlagen geschaffen werden, muss man auch befürchten, dass nicht nur der Iran potenziell, sondern auch die anderen Staaten zumindest die Fähigkeiten erlangen, Atomwaffen zu entwickeln.

Artikel 14 von 102
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.