Politik

Irritation um Impf-Ankündigung

11.09.2020 • 10:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Österreichs Impfgremium ist verstimmt und bittet um Aufklärung.

Es war ein beeindruckender Auftritt von Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Corona-Impfung könne bereits im Jänner 2021 zum Einsatz kommen, ließ er wissen. Damit hatte Anschober einen Coup gelandet, der auch von internationalen Medien thematisiert wurde. Aber jetzt wird bekannt, dass Anschobers Ankündigung mit dem nationalen Impfkomitee – also mit jenem Expertengremium, mit dem Österreichs Impfpläne erstellt werden – erstaunlicherweise nicht inhaltlich abgestimmt war.

Die daraus resultierenden Irritationen reichen bis nach Deutschland. Das deutsche Gesundheitsministerium erkundigte sich nach Anschobers Impfkonzept. Das nationale Impfgremium Österreichs teilte dem deutschen Gesundheitsministerium trocken mit: „Diese Pressemeldung seitens des Ministers hat uns vom nationalen Impfgremium sehr überrascht. Ich kann Ihnen leider nicht sagen, woher die Angaben stammen. Auch das Impfkonzept ist seitens des Nationalen Impfgremiums erst in Ausarbeitung, denn wir müssen auf die Studiendaten warten“, hieß es in einer Stellungnahme per Mail.

Österreichs Impfgremium wandte sich auch an den Minister: „Die externen Experten des Nationalen Impfgremiums waren heute sehr überrascht über Ihre Aussage bzgl. der Covid-Impfstoffe und Impfstrategie ab Jänner 2021. Als Beratungsgremium des Ministeriums in Sachen Impfangelegenheiten finden wir es sehr bedauerlich, dass hier offenbar ein unzureichender Informationsaustausch stattfindet.“

Dann folgt die Bitte um entsprechende Informationen bzw. Austausch, „denn gegensätzliche Aussagen gerade im Bereich der Impfungen führen zur vermehrten Verunsicherung und fördern nur die Aktivität von Impfgegnern.“ Über eine Aufklärung der derzeitigen Sachlage wäre man „sehr dankbar“. Das Ministerium erklärte auf Anfrage: Anschober habe in seiner Aussage für 2021 bewusst den Konjunktiv verwendet. Diese Aussage stütze sich auch auf die Protokolle des wöchentlich tagenden Lenkungsgremiums zur Covid-19-Impfstoffbeschaffung, dessen Protokoll aber einer Geheimhaltungsklausel unterliege. Man sei mit dem Impfgremium in engem Austausch.

Das Studienprogramm für jene Impfung, auf die sich Anschober in seinen Aussagen bezog, wurde aufgrund von Problemen zwischenzeitlich gestoppt.