Politik

Kurz kündigt weitere Maßnahmen an

17.10.2020 • 10:07 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Kanzler Sebastian Kurz beim EU-Gipfel in Brüssel, die Corona-Pressekonferenz gibt es erst am Montag
Kanzler Sebastian Kurz beim EU-Gipfel in Brüssel, die Corona-Pressekonferenz gibt es erst am Montag AFP

Montag gibt es eine Bund-Länder-Videokonferenz.

Nach Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat nun Freitagmittag auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) neben landesspezifischen auch weitere bundesweite Verschärfungen im Kampf gegen das Coronavirus in Aussicht gestellt. Am Montag findet eine Videokonferenz zwischen Bund und Ländern statt. Sie soll dazu dienen, „dass wir gemeinsam die nächsten Schritte besprechen und die richtigen Maßnahmen im Bund und in den Ländern setzen“, kündigte Kurz an.

Grund für die Bund-Länder-Videokonferenz am Montag sind die zunehmenden Infektionszahlen in Österreich. Dabei sollen zwischen Kanzler Kurz, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und den Landeshauptleuten die aktuelle Infektionslage und weitere Maßnahmen diskutiert werden. „In ganz Europa verschlechtert sich die Lage, und auch die Zahl der betroffenen Bundesländer in Österreich mit steigenden Neuinfektionen nimmt zu“, erinnerte Kurz.

Gemeinsam nächste Schritte

„Die Videokonferenz mit den Vertretern der Länder soll dazu dienen, dass wir gemeinsam die nächsten Schritte besprechen und die richtigen Maßnahmen im Bund und in den Ländern setzen“, stellte Kurz die Bevölkerung auf weitere Verschärfungen ein. Zur Frage, welche das sein werden, gab es aus dem Kanzleramt auf Nachfrage noch keine Antwort – die Gespräche liefen noch, hieß es. Nach der Videokonferenz am Montag ist wohl eine Pressekonferenz mit der Präsentation neuer Maßnahmen zu erwarten. Die übliche Pressekonferenz am Freitag, nach Schaltung der Corona-Ampel, fielt heute aus – wohl auch deshalb, weil der Kanzler beim EU-Gipfel in Brüssel weilte.

Die Verhaltensregeln

Leben in Zeiten von Corona – folgende Verhaltensregeln empfehlen die Experten:

Reduzieren Sie enge Kontakte: Je mehr und öfter Sie Kontakt zu anderen Menschen haben, desto höher ist das Risiko sich oder andere anzustecken.

Abstand halten schützt Sie und andere: Abstand halten ist wichtig, es darf auch gerne mehr als 1 m sein. Mund-Nasen-Schutz tragen und die Hände regelmäßig waschen hilft zusätzlich, sich vor einer Infektion zu schützen.

Zusammenhalt heißt Rücksicht nehmen:  Lieber einmal mehr mit den Liebsten telefonieren, statt sich persönlich zu treffen. Auf Küsse und Umarmungen zur Begrüßung verzichten.

Treffen Sie Andere im Freien: Frische Luft tut gut, das gilt in Zeiten von Corona einmal mehr. Also lieber einmal ein Spaziergang mit dem Opa oder der besten Freundin statt einem Kaffeekränzchen.

Unterbrechen Sie Infektionsketten​​​​: Führen Sie ein Kontakt-Tagebuch oder noch besser: Verwenden Sie die Stopp-Corona-App! So kann im Falle des Falles die Ausbreitung des Virus schnell verringert werden.

Hinweis: Sollten Sie die für Corona typischen Krankheitssymptome aufweisen, bleiben Sie bitte zu Hause und kontaktieren Sie Ihre Hausärztin/ Ihren Hausarzt oder die 24h-Hotline – 1450!

 

 

Kurz betonte jedenfalls, dass man nur durch die Reduktion von sozialen Kontakten, „was natürlich von uns allen Verzicht bedeutet“, den Anstieg der Infektionszahlen stoppen könne. Je mehr Infektionen es gebe, desto größer sei nicht nur die Herausforderung für das Gesundheitssystem, sondern auch die Bedrohung von Arbeitsplätzen und Belastungen von Unternehmen, warnte der Kanzler. „Wir sehen gerade in anderen Ländern Europas, dass ab einem gewissen Ansteckungslevel das Contact-Tracing nicht mehr funktioniert und es zu weiter steigenden Zahlen sowie Lockdown-ähnlichen Zuständen führt. Das wollen wir in Österreich verhindern“, versicherte Kurz.

Auf diese Bereiche erstrecken sich die Maßnahmen

In folgenden Lebensbereichen kann von den regionalen Behörden besonders gut gegengesteuert werden:

Pflege: Hier hat die Steiermark zum Beispiel eine eigene Corona-Ampel installiert, um die Vorsichtsmaßnahmen an die aktuelle Gefahrenlage anzupassen.

Schulen: Die Bildungsdirektionen legen für diesen Bereichen gesondert die Ampelfarben fest. In zehn Bezirken österreichweit steht ab der kommenden Woche die Schulampel auf Orange. Das heißt etwa für die Oberstufenklassen Homeschooling oder Schichtbetrieb.

Veranstaltungen: Je mehr die Ampelfarbe in Richtung Rot geht, desto restriktiver sind die Behörden bei den Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen. Hier finden Sie beispielsweise die Verordnung, in der die Maßnahmen für die orangen Bezirke Völkermarkt und Hermagor festgelegt wurden.

Freizeit und Gastronomie: Auf diesen Bereich beziehen sich die Maßnahmen, die für die kommenden Tage erwartet werden, zum Beispiel die Vorverlegung der Sperrstunde oder das Verbot von Gesichtsvisieren statt geschlossener Mund-Nasen-Masken.

Disziplin im Freizeitverhalten

Umso mehr brauche man nun aber wieder den „Zusammenhalt des Frühjahres, der unser Erfolgsfaktor bei der Abwehr der ersten Welle war“, appellierte der Kanzler an die Bevölkerung. Wie es Österreich schaffe, die zweite Welle zu bewältigen bzw. abzuwehren, hänge nun von den kommenden Wochen und der Disziplin aller ab. Besonders das Freizeitverhalten sei von entscheidender Bedeutung, da im privaten Bereich aktuell die meisten Neuinfektionen zu verzeichnen seien, mahnte Kurz.

„Selbst wenn das Virus einen nicht selber trifft, können steigende Infektionszahlen wegen einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung dennoch Menschen in der Familie, im Freundeskreis oder im Arbeitsumfeld treffen. Daher braucht es nun im ganzen Land Entschlossenheit, Geschlossenheit und Solidarität“, bat Kurz.