Politik

Wichtigste Fakten zu Tests an den Schulen

04.02.2021 • 16:35 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nach den Ferien kommen an den Schulen zwei Mal pro Woche Corona-Schnelltests zur Anwendung
Nach den Ferien kommen an den Schulen zwei Mal pro Woche Corona-Schnelltests zur Anwendung Karin Scherf-Kachelmaier

Bildungsminister Faßmann gibt Anworten auf wichtigsten Fragen.

Am Montag nach den Semesterferien werden die Schulen wieder für alle Schüler geöffnet – kommen dürfen aber nur jene, die sich an der Schule einem Anterio-Nasaltest (“Nasenbohrtest”) unterziehen. Um das Thema gibt es viel Aufregung und Unsicherheit, aber teils auch massive Kritik. Deshalb lud Bildungsminister Heinz Faßmann eine Gruppe von Journalisten zur Fragerunde. Hier die wichtigsten Antworten:

Wie werden die Coronatests am ersten Schultag nach den Ferien ablaufen?
HEINZ FASSMANN: Dieser erste Montag wird ein Übergangstag, oder auch ein Übungstag sein für die Testungen. An den Schulen, gerade auch an den Volksschulen, wird es sicher eine gewisse Eingewöhnungsphase geben. Die Tests werden an den Volksschulen in den Klassenzimmern, aber auch im Freien stattfinden. Im Freien vor allem dann, wenn Eltern beim ersten Mal dabei sein wollen, das sehen wir als vertrauensbildende Maßnahme. Und natürlich ist es im Freien auch aus Gründen der Risikominimierung ratsam.

Wie wurden die Schulen vorbereitet?
FASSMANN: In Wien und Niederösterreich, wo die Schulen ja schon am kommenden Montag losgehen, haben wir alle Schulleitungen bereits informiert. Außerdem gibt es heute Videokonferenzen mit allen Bildungsdirektionen in den Bundesländern. Dabei wird der Ablauf des ersten Testtages besprochen. Wir haben auch die Schulärzte und die Gemeinden kontaktiert.

Es gibt Bedenken, weil die Tests nicht alle asymptomatisch Infizierten erkennen. Ein großes Risiko?
FASSMANN: Antigentest sind nicht so sensitiv wie PCR-Tests, keine Frage. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass wir bei allen 1,1 Millionen Schülern in Österreich zwei Mal wöchentlich Nasen-Rachenabstriche durchführen können – bei Volksschülern tiefe Abstriche nehmen können? Oder genügend Logistik und Laborkapazitäten dafür haben? Ja, es ist eine Momentaufnahme. Aber eine solche ist besser als gar keine. Einer Studie der Charité in Berlin zufolge sind diese Anterio-Nasaltests genauso zuverlässig wie anderen Antigentests. Die Alternative wäre, die Schulen geschlossen zu halten. Ich halte die Schulöffnung aus bildungspolitischen und bildungspsychologischen Gesichtspunkten für dringend notwendig. Es ist wichtig, hier nicht nur den Virologen zu folgen, sondern auch andere Gesichtspunkte miteinzubeziehen.

Was passiert, wenn Schüler am Montag kommen, sich aber nicht testen lassen wollen? Müssen die Lehrer sie dann nach Hause schicken?
FASSMANN: Am ersten Tag werden diese Schüler in einen eigenen Raum gebeten, wo sie auch beaufsichtigt werden. Aber wir müssen darauf hinweisen: Ohne Test ist kein Aufenthalt in den Schulen möglich.

Was geschieht bei einem positiven Testergebnis?
FASSMANN: So, wie wir das schon bisher bei positiven Tests an Schulen gewohnt sind: Die betreffende Schülerin, der Schüler wird in einen eigenen Raum gebracht. Die Schulleitung ruft die Kontaktstelle in der jeweiligen Bildungsdirektion an. Dann ist die Gesundheitsbehörde am Zug.

Wie kann man verhindern, dass Kinder mit positivem Test stigmatisiert werden? Geht auch ein Test vom Arzt als Alternative?
FASSMANN: Beim Test vom Arzt haben wir das Problem, dass wir nicht identifizieren können, von wem der Antigentest stammt. Den könnte ja auch jemand anderes gemacht haben. Es ist auch nicht kontrollierbar, wann der Test gemacht wurde. Daher werden alle direkt in der Schule testen. Darauf müssen wir bestehen.

Werden in Zukunft auf Selbsttests, die Lehrer machen, akzeptiert? Eine Art “Freitesten”? Oder müssen diese weiterhin im Rahmen der Berufsgruppentestungen getestet werden?
FASSMANN: Die Berufsgruppentestung obliegt dem Gesundheitsministerium. Ich habe jedenfalls eine große Bereitschaft von Lehrern vernommen, bei den Testungen mit den Schülern gleichzuziehen.

Haben Sie das Problem mit der Logistik in den Griff bekommen? Die erste Lieferung war teils chaotisch.
FASSMANN: Es ist ein gewaltiges Projekt, und ja, beim ersten Mal hat es nicht so gut geklappt. Wir machen es jetzt mit einem neuen Logistikpartner, das funktioniert jetzt besser. Wir haben fixe Tage der Zustellung und wir haben Hotlines eingerichtet. Für den ersten Montag gibt es auf jeden Fall genug Testmaterial. Die Schulen bekommen die Testkits am kommenden Montag und am Dienstag geliefert. Ab dann gibt es laufend Lieferungen. Wir haben bereits vom Hersteller 20 Millionen Testeinheiten erhalten.

Kann die Pufferlösung der Tests Augen oder Haut reizen? Birgt das eine Gefahr für Kinder, wenn sie damit hantieren?
FASSMANN: Auf dem Teststäbchen sind sechs Tröpfchen anzubringen. Am sinnvollsten – vor allem bei jüngere Schülern – macht das die Lehrerin, der Lehrer. Die Lösung sollte natürlich nicht getrunken werden und bei Hautkontakt sollte sie abgewaschen werden.

Sind Schüler, die bereits Covid-19 hatten und genesen sind, von der Testpflicht befreit?
FASSMANN: Wenn sie ein Attest bringen, auf dem steht, dass sie an Covid erkrankt waren und das nicht länger als sechs Monate zurückliegt, dann müssen sie sich nicht testen lassen.

Bekommen Sonderschulen und Berufsschulen auch Testkits?
FASSMANN: Ja, genauso wie die anderen Schulen.

Werden künftig auch Kindergartenkinder getestet?
FASSMANN: Ich habe mir von Medizinern sagen lassen, dass die Sekretproduktion bei Kindergartenkindern zu gering sei, um valide Ergebnisse zu erzielen. Wir sind bestrebt, dass Elementarpädagoginnen getestet werden und helfen den Ländern bei der Koordination. Aber bei Kindergartenkindern ist das eine schwierige Angelegenheit.

Gibt es eine Zahl an positiven Ergebnissen, bei der die Schulen wieder geschlossen werden?
FASSMANN: Positiv Getestete werden registriert. Ab wann es zu viele sind – eine solche Zahl gibt es nicht. Es gibt natürlich die Möglichkeit, dass die jeweilige Gesundheitsbehörde einzelne Bildungseinrichtungen nach dem Epidemiegesetz schließt.

Gibt es bereits Zahlen, wie viele Schüler oder deren Eltern den Test verweigern?
FASSMANN: Es gibt die Option, sein Kind in dem Fall zu Hause zu lassen. Das ist dann ein Homeschooling mit einer gewissen pädagogischen Begleitung, aber kein vollständiges Distance Learning mehr. Das wird aber nur eine ganz kleine Zahl an Schülern sein. Diese Zahl wird auch noch kleiner werden, wenn die Menschen bemerken, wie die Tests ablaufen und wie harmlos sie sind.

Wenn in der Klasse bei einer Selbsttestung etwas passieren würde, haftet dann der Lehrer?
FASSMANN: Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas passiert, ist äußerst gering, aber es kommt auf jeden Fall die Amtshaftung zur Geltung.

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