Politik

Vucic über Impfskepsis

06.09.2021 • 13:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aleksandar Vucic
Aleksandar Vucic AP

Serbien war Vorreiter beim Impfstoff und fällt jetzt doch auch ab.

Serbien war zu Jahresbeginn Vorreiter in Europa bei der Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen. Doch seit Monaten kämpft auch Serbien mit einem beträchtlichen Impfwiderstand; warum ist das so?

ALEKSANDAR VUCIC: Der Widerstand gegen Covid-Impfungen ist offensichtlich ein universelles Problem und nicht nur das Problem eines Landes. Warum das so ist, verstehe ich nicht wirklich. Doch Verschwörungstheorien und negative Botschaften dringen offensichtlich immer besser durch als positive. Da spielen auch die sozialen Netzwerke eine Rolle, und die Tatsache, dass Menschen ihre Freiheit auch in Einstellungen sehen, die verantwortungslos sind.

Wie steht es um die Produktion von Corona-Impfstoffen in Serbien?

In einigen Tagen werden wir den Grundstein für eine völlig neue Fabrik legen, die chinesischen Corona-Impfstoff erzeugen wird. Eine erste Komponente des russischen Impfstoffs Sputnik V erzeugen wir bereits und jetzt arbeiten wir daran, auch die zweite Komponente des russischen Impfstoffs herzustellen.

In Serbien wird der Umweltschutz zunehmend zu einem Thema. So regt sich etwa Widerstand gegen ein Bergwerk, in dem Lithium für Batterien für E-Autos abgebaut werden soll. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Das Thema Umweltschutz wird wichtiger, weil die Menschen in Serbien sehen, dass der Lebensstandard steigt, neue Fabriken und Straßen gebaut werden. Fraglich ist, ob das wirklich das wichtigste Thema oder nur ein wichtiges Thema ist. Da geht es teilweise auch um politischen Missbrauch. Wir werden darauf mit einer seriösen Politik antworten, das heißt mit einer Verbesserung der Qualität von Luft und Wasser, und wir werden viel Geld investieren. Im Plan Serbien 2025 ist vorgesehen, dass wir mehr als 120 Gemeinden an die Kanalisation anschließen. Wir werden Kläranlagen in allen Städten bauen. Hinzu kommt die Beseitigung von Leitungen mit Asbest. All das werden wir tun, aber ich werde mich nicht an einer Deindustrialisierung Serbiens beteiligen. Wir wollen noch mehr Industrie und Fabriken, und da müssen wir einen Mittelweg finden zwischen dem Schutz der Umwelt und der Wirtschaft, aber nicht um den Preis, dass unsere Wirtschaft nicht weiter wächst.

Serbien hat im Vorjahr kein neues Kapitel bei den EU-Beitrittsgesprächen eröffnet. Natürlich wurde auch die Form der Verhandlungen geändert, doch wie steht es um die Reform der Justiz? Wie sehen Sie die Erweiterungsmüdigkeit vieler EU-Staaten?

Beim jüngsten Treffen der EU-Außenminister haben diese darauf verwiesen, dass Serbien auch beim Rechtsstaat Fortschritte macht, wobei natürlich immer gesagt wird, dass das noch nicht ausreicht. Auch bei der Übereinstimmung mit der EU-Außenpolitik haben wir unser Stimmverhalten angepasst, von 46 Prozent auf mehr als 62 Prozent. Ich glaube, dass wir bis Jahresende einige Cluster gemäß der neuen Methodologie bei den Beitrittsverhandlungen eröffnen werden. Für uns ist wichtig, dass man weiß, dass wir aufrichtig auf dem europäischen Weg sind, doch wir müssen auch auf unser Wirtschaftswachstum schauen und können nicht warten, bis sich die Stimmung in der EU ändert. Wir wollen alles tun, um EU-Mitglied zu werden, und haben keinen anderen Weg; doch deswegen werden wir nicht schlechte Beziehungen zu Russland oder China haben.