Politik

Clubnight soll Junge zum Impfen bewegen

24.09.2021 • 20:27 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Geimpfte können gratis feiern.<span class="copyright">bernardbodo</span>
Geimpfte können gratis feiern.bernardbodo

Die Impfquote soll mit gratis Clubeintritten gehoben werden.

Das Land und die Vorarlberger Nachtgastronomie wollen einen zusätzlichen Anreiz schaffen, um die niedrige Impfrate bei der Jugend zu heben. Daher gibt es am Samstag, dem 6. November für alle Geimpften bei der Clubnight Vorarlberg kostenlosen Eintritt in zehn Clubs im ganzen Vorarlberger Rheintal, wie Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher gemeinsam mit Gastronom Sigi Innauer verkündete.

Förderung für die Lokale

Das Land investiert dafür etwa 60.000 Euro in Form einer Wirtschaftsstrukturförderung, damit sollen die geschätzten Eintrittsgelder ersetzt werden. „Wir wissen, dass gerade die Jugendlichen eine schwere Zeit hatten“, gab Tittler einen weiteren Aspekt der Aktion zu bedenken. Seine Regierungskollegin Rüscher betonte die Bedeutung der Impfung für die Normalisierung des öffentlichen Lebens.

Geimpfte seien in den allermeisten Fällen vor einer Ansteckung oder einem schweren Krankheitsverlauf geschützt. Je mehr Menschen geimpft seien, desto weniger Covid-Patienten landeten in den Vorarlberger Spitälern und desto geringer sei die Gefahr, dass das Gesundheitssys­tem an seine Grenzen gelange und neue Maßnahmen notwendig würden.

Breites Angebot

„Es ist ein klares Zeichen, welchen Weg wir in Vorarl­berg gehen.“ so Rüscher. Die Impfquote bei den 15- bis 24-Jährigen ist in Vorarlberg noch sehr niedrig. Gerade einmal 53,5 Prozent sind derzeit vollimmunisiert. Man habe bei der Planung der Clubnight zunächst auch überlegt, vor den Clubs zu impfen. Allerdings sei es medizinisch wenig ratsam, sich vor einer langen Partynacht immunisieren zu lassen.

Impfmöglichkeiten

Impfungen werden angeboten:

• Impfbus (u.a. Samsatg, 25.09. vor der Vabrik in Röthis, 16 bis 20 Uhr)

• Hausarzt und mobile Impfteams nach Anmeldung über die Webseite www. vorarlberg.at/Vorarlbergimpft

oder per Impf-Hotline 0800 201 361

• Einkaufszentren: Messepark, Interspar Altenstadt und Zimbapark

Rüscher wies aber auf die bestehenden Angebote, wie den Impfbus und die Möglichkeit, sich in Einkaufszentren impfen zu lassen, hin. Diese werde besonders gut angenommen, was sie persönlich etwas verwundere. Man sei aber froh, dass die niederschwelligen Impfangebote Wirkung zeigten.
Außerdem gebe es noch mobile Impfteams und „flying doctors“, die im Bedarfsfall zu Unternehmen oder Schulen ausrücken. Rüscher bedankte sich beim Vorarlberger Fußballverband, der ebenfalls eine Impfaktion mittrage.
Kooperationen gebe es auch mit der katholischen Kirche, zudem sei man mit den Moscheevereinen in Kontakt. Bis zum 16. Oktober habe jeder, der an der Clubnight teilnehmen wolle, die Gelegenheit sich rechtzeitig impfen zu lassen. Der freie Eintritt gelte natürlich auch für alle bereits bisher Geimpften.

Planungssicherheit erwünscht

Gastronom Sigi Innauer freute sich über den starken Schul­terschluss zwischen den Nachtgastronomen. Man brauche in der Branche nach der langen coronabedingten Durststrecke vor allem Planungssicherheit, und die sei nur gewährleistet, wenn die Impfquote steige. Derzeit brauche man für die Kontrolle der Zutrittsregeln zwei zusätzliche Mitarbeiter.
Außerdem beeinträchtige die ständige Änderung der Maßnahmen das Geschäft. Man würde sich vor allem wünschen, dass die Regeln konstant blieben. So habe die Umstellung von der 3G- auf eine 2G-Regel, mit Impfung oder PCR-Test, im Juli zu einer Besuchereinbuße von etwa 70 Prozent geführt. „Wir kommen aus dieser Pandemie nur dann heraus, wenn möglichst viel geimpft wird“, so Innauer. Mit der Clubnight Vorarlberg wolle man ein selbstbewusstes Lebenszeichen setzen.

Lokale

Zehn Lokale sind beteiligt

• Vakanz – Dornbirn

• Conrad Sohm – Dornbirn

• Steinebach Clubbing – Dornbirn

• Sender Club – Lustenau

• Otten Gravour – Hohenems

• Vabrik – Röthis

• El Capitan – Rankweil

• Kuche & Klub – Feldkirch

• Bunt Club – Feldkirch

• Rauch Club – Feldkirch

Die Clubs bieten den Gästen am 6. November besondere Highlights. So wird im Feldkircher Rauch Club die Londoner DJane Simone Marie Butler auftreten. Im Club Vakanz sind CVNDSH und Kennichi Cruz zu Gast.
Im Dornbirner Conrad Sohm legt das DJ-Kollektiv Bonkers auf und in der Vabrik in Röthis tritt der Tiroler DJ in-style auf. In der Otten Gravour ist schließlich DJ Lil Cash zu Gast.

Stärkere Kontrollen

Rüscher verwies auf die angekündigte Intensivierung der Kontrollen im Gastronomiebereich. Man könne als Gesundheitsbehörde aber auch unter Mithilfe der Polizei keine flächendeckenden Überprüfungen der Einhaltung der 3G-Regeln garantieren. Sie appelliere daher an die Vernunft und Verantwortung der Menschen.

Auf die Frage, ob man mit jenen, die sich den angeordneten Maßnahmen verweigern, und etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln konsequent keine Masken tragen, bisher zu nachsichtig umgegangen sei, erklärte die Gesundheitslandesrätin, man versuche hier einen schwierigen Spagat. Einerseits drohe eine weitere Spaltung der Gesellschaft, andererseits bestehe auch die Gefahr, dass man durch mangelnde Konsequenz jene zu wenig auffange, die einen Beitrag leisteten und sich an die Maßnahmen hielten.

Zu niedrige Impfquote

Derzeit sind etwa 60 Prozent der Bevölkerung geimpft. Um das Gesundheitssystem nicht mit hospitalisierten Ungeimpften zu überlasen, müssten es zumindest 70 Prozent sein. Ab 80 Prozent würde man sich der Herdenimmunität nähern. Zuletzt waren mehr als Zweidrittel der Coronapatienten in den Vorarlberger Spitälern ungeimpft. Die Pflegekräfte hätten zur Impfverweigerung eine entsprechende Meinung, so Rüscher. Die Patienten würden bereuen, sich nicht impfen haben zu lassen.
„Wir wollen mit wohnortnahen, und unkomplizierten Lösungen möglichst viele bisher Unentschlossene erreichen und zum Impfen bewegen“, bekräftigte Gesundheitslandesrätin Rüscher am Freitag. Man hofft, durch die Clubnight Vorarlberg einen zusätzlichen Beitrag dazu zu leisten.

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