Politik

Je weniger Geimpfte, desto stärker MFG

27.09.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
MFG-Spitzenkandidat Joachim Aigner (2. v. rechts) mit Team.
MFG-Spitzenkandidat Joachim Aigner (2. v. rechts) mit Team. (c) APA/TEAM FOTOKERSCHI (TEAM FOTOKERSCHI)

In einer Gemeinde erreichten Impfskeptiker sogar fast 20 Prozent.

Es war die Überraschung des Wahlabends in Oberösterreich: Mit über sechs Prozent zieht die impfskeptische Partei Menschen-Freiheit-Grundrechte (MFG) überraschend in den oberösterreichischen Landtag ein. „Wir sind keine Anti-Corona-Partei und auch keine Impfgegner“, sagt der 45-jährige Spitzenkandidat Joachim Aigner: „Wir sind Impfzwang-Gegner.“ Punkten konnte die Liste, die erst im Februar gegründet wurde und vorhat, österreichweit anzutreten, mit ihrer Kritik gegen Corona-Maßnahmen – und zwar vor allem dort, wo besonders wenige Menschen geimpft sind.

Das beste Ergebnis erreichte die MFG in Maria Neustift im Umland von Steyr. Knapp 20 Prozent erreichte sie in der Gemeinde, in der nicht einmal 45 Prozent der Menschen geimpft sind. VP-Bürgermeister Martin Haider sagt: „Die Polarisierung geht durch die ganze Gemeinde.“ 774 Stimmen hat er bei der Bürgermeisterwahl bekommen – 772 Menschen hatten bis Samstag zumindest eine Impfung bekommen. „Gut möglich, dass es die gleichen sind“, sagt Haider. Den Erfolg der Impfgegner erklärt er sich auch mit der mangelnden Alternative auf Gemeindeebene: „Die FPÖ ist uns abhanden gekommen – und es gibt keinen SPÖler, der es übers Herz bringt, schwarz zu wählen.“ Der Gemeinderat wird künftig aus 13 ÖVP-Abgeordneten und fünf Vertretern der MFG bestehen. Ein gewählter Vertreter der FPÖ überlegt noch, ob er das Mandat überhaupt annimmt.

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In Auerbach, dem Ort mit der landesweit niedrigsten Impfrate von nur 34 Prozent, erreichte die MFG gut 13 Prozent. VP-Bürgermeister Josef Seidl will auf Anfrage der Kleinen Zeitung weder das Ergebnis, noch die Impfrate kommentieren. Seit Mitte August äußert er sich nicht mehr dazu. Damals sagte er zu den Oberösterreichischen Nachrichten: „Es wird viel Werbung für die Impfung gemacht. Doch die Auerbacher sind mündige Bürger. Wer sich nicht impfen lassen möchte, hat sicher seine Gründe.” Am Wahlwochenende war Seidl ohnedies mit anderem beschäftigt: Nach einem positiven Corona-Test musste der Bürgermeister selbst in Quarantäne, die erst einen Tag vor der Wahl endete: „So konnte ich die Wahl doch noch leiten“, so Seidl.

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Eine Auswertung der APA zeigt auch für andere oberösterreichische Gemeinden: Je geringer dir Durchimpfungsrate, desto stärker schnitten FPÖ und MFG ab. Demnach liegt das Ergebnis der beiden Parteien, die sich offensiv gegen Coronamaßnahmen positionierten, in den Gemeinden mit der niedrigsten Durchimpfung um gut ein Fünftel über ihrem Gesamtergebnis. SPÖ und Grüne schnitten dagegen in den Gemeinden mit höherer Durchimpfung besser ab. Bei der ÖVP gibt es zwar ebenfalls ein Gefälle zwischen Gemeinden mit hoher und niedriger Durchimpfung, es ist allerdings deutlich weniger stark ausgeprägt als bei FPÖ und MFG.

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