Politik

„Verdammt, lasst euch endlich impfen!“

20.10.2021 • 21:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Viele junge Menschen nehmen die Notwendigkeit der Impfung nicht ernst genug. <span class="copyright">Lerch</span>
Viele junge Menschen nehmen die Notwendigkeit der Impfung nicht ernst genug. Lerch

Die Nachlässigkeit der Jungen beim Impfen wird zum Problem.

Es war ein deutlicher Apell, mit dem sich der Impfkoordinator der Ärztekammer Robert Spiegel an die junge Generation wandte: „Verdammt, lasst euch endlich impfen!“ Es sei für ihn „nach wie vor komplett unverständlich und beschämend“, dass Vorarlberg bei der Impfquote auf der Stelle trete.

„Es ist die Altersgruppe zwischen 15 und 35, die sich offensichtlich nicht zum Impfen bequemt.“

Robert Spiegel, Impfkoordinator

Die größte Nachlässigkeit ortet der Mediziner bei der Altersgruppe der 15- bis 35-Jährigen. Diese seien keine Impfverweigerer, sondern einfach zu bequem, um sich impfen zu lassen. Die Zahl der absoluten Impfgegner liege nur bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Aus eigener Erfahrung könne er sagen, dass sich junge Menschen einfach nicht genug um die Impfung scherten, weil sie diese entweder momentan für unnötig hielten oder sich zu einem späteren Zeitpunkt immunisieren lassen möchten. Bei vielen jungen Menschen herrsche bei diesem Thema leider eine Laissez-faire-Einstellung vor, zeigte sich der Impfkoordinator verständnislos. An die Impfskeptiker gewandt meinte Spiegel: „Die Impfung ist sicher und die Erde ist nach wie vor keine Scheibe.“

Land setzt auf Anreize

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, die sich für die klaren Worte des Impfkoordinators bedankte, erläuterte die Bemühung der Regierung um eine Steigerung der Impfquote bei den Jungen: Neben den Impfstationen in den Einkaufszentren setzt man auch auf Kooperationen mit Vereinen, um junge Menschen etwa über ihren Fußballklub zu erreichen und zur Impfung zu bewegen. Hinzu kommen Informationskampagnen in den Schulen. Dabei will man neben klassischem Informationsmaterial auch Webinare und Vorträge von Ärzten einsetzen.

Mit der Clubnight am 6. November, bei der Geimpfte kostenlosen Eintritt in Clubs im Land erhalten, will man einen weiteren Anreiz setzen.

Der dritte Stich

Neben der Steigerung der Impfrate sieht Impfkoordinator Spiegel die Auffrischungsimpfung als aktuell zweiten wichtigen Schwerpunkt in der Vorarlberger Impfkampagne. Aus Israel wisse man, dass die dritte Impfdosis gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 einen ähnlich anhaltenden positiven Effekt habe, wie die dritte Auffrischung bei der Zeckenimpfung. Derzeit sei man dabei, die Auffrischung bei besonders vulnerablen Gruppen durchzuführen. Die Pflegeheime habe man bereits durch, nun stünden andere Sozialeinrichtungen und Wohnheime an, so Spiegel. Er ersuchte Angehörige von Risikogruppen, Vorerkrankte und Kontaktpersonen „eindringlich“ sich für die Auffrischung anzumelden.

Auffrischungsimpfung

• Wer mit dem impfstoff von Johnson&Johnson geimpft wurde, sollte sich nach 28 Tagen eine zweite Impfdosis, am besten mit einem anderen Impfstoff (Kreuzimpfung) , verabreichen lassen.

• Risikogruppen und Menschen, die mit solchen in engem Kontakt stehen sollten sich nach sechs Monaten einer Auffrischungsimpfung unterziehen.

• Alle übrigen Geimpften sind aufgerufen, nach neun bis zwölf Monaten aufzufrischen.


Von Bundesseite werde daran gearbeitet, die Betroffenen an die dritte Impfung mit einem Informationsschreiben zu erinnern, ergänzte Rüscher.

Weitere Angebote

Im Herbst öffnet das Land die Impfstationen erneut. In Bregenz wird am 23. Oktober sowie zwischen 4. und 5. November mit Anmeldung geimpft, ebenso in Nenzing zwischen 11. und 13. November.

Ohne Anmeldung kann weiterhin im Messeparkt Dornbirn, im Interspar Altenstadt und im Zimbapark in Bürs freitags und samstags geimpft werden. Zusätzlich bereitet man eine weitere Impfstation im Sutterlüty in Egg vor, um auch den Bregenzerwald mit einem niederschwelligen Angebot abzudecken. Geimpft wird auch an den genannten Terminen in den Zentren in Bregenz und Nenzing. Die genauen Uhrzeiten sind online abrufbar. Ab dem 15. November wird in den beiden Impfstraßen immer von Montag bis Donnerstag am Abend zwischen 18 und 20 Uhr ohne Voranmeldung geimpft, situationsabhängig werde man bei großem Andrang auch länger impfen, so Rüscher.

Zweitstich bei Johnson&Johnson

Die Impfwilligen können in den Impfstraßen zwischen den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson&Johnson wählen.
Die Landesrätin verwies aber auf die Notwendigkeit einer raschen Auffrischung bei all jenen, die bereits mit Johnson&Johnson geimpft worden seien. Hier habe man einen schnell abfallenden Impfschutz festgestellt, weshalb bereits 28 Tage nach der Erstimpfung eine zweite Immunisierung, idealerweise mit einem anderen Wirkstoff, empfohlen werde. Davon sei sie auch persönlich betroffen gewesen, erklärte Rüscher.

Impfbus rollt aus

Der Impfbus wird wegen der sinkenden Temperaturen Ende Oktober durch kleinere mobile Impfteams ersetzt, wie es sie bereits jetzt gibt. Die Impfteams des Landes sollen bei Unternehmen, in Gemeinden und bei Vereinen Halt machen. Diese können sich per E-Mail an impfen@vorarlberg.at anmelden.
Migranten versucht man über die Zusammenarbeit mit Religionsvereinen und über die Projektstelle okay.zusammenleben anzusprechen. Das Land kooperiert außerdem mit Vorarlberg Tourismus, um eine Impfaktion für die Saisonkräfte im Wintertourismus zu planen.

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