Politik

S18-Evaluierung dauert noch bis Anfang 2023

27.09.2022 • 15:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Leonore Gewessler (Grüne) spricht über die andauernde Evaluierung der S18 und die Bahnstrecke bei Bregenz.

Warum erhält ausgerechnet Vorarlberg 56 neue Elektrobusse.
Leonore Gewessler: Vorarlberg denkt groß und hat daher auch einen umfangreichen Antrag für unser Förderpaket für E-Busse gestellt. Es ist eines von sieben Projekten österreichweit, das der Bund aktuell im Rahmen eines Förderprogrammes unterstützt. Sieben von neun Bundesländern haben eingereicht und erhalten eine Förderung Vorarlberg hat hohe Ansprüche beim öffentlichen Verkehr und ist ein wichtiger Partner bei der Dekarbonisierung. Die nächste Einreichung hat der Verkehrsverbund Vorarlberg bereits angekündigt.

Bekommen wir diese Busse auch?
Es ist ein Ausschreibungsverfahren, in dem eine Jury entscheidet. Aber Vorarlberg war ja bereits im ersten Durchgang sehr erfolgreich.

Es gibt neben dieser Investition einige weitere Infrastrukturthemen wie die S 18, die in Vorarlberg gerade heiß diskutiert werden – wobei „gerade“ vielleicht etwas zu kurz gegriffen ist, es geht um die letzten 60 Jahre. Der Landeshauptmann beklagt, dass hier eine Entscheidung angekündigt wurde, die Evaluierung aber immer noch nicht abgeschlossen wurde.
Wir haben immer gesagt, dass wir das Jahr 2022 für einen gemeinsamen Prozesses mit dem Land nutzen werden. Dabei wollen wir uns auch anschauen, welche besseren Lösungen es gibt – die eben nicht 60 Jahre dauern, sondern rascher zu einer Entlastung der Bevölkerung führen. Dieser Prozess verläuft sehr konstruktiv und soll bis zum Jahresbeginn 2023 abgeschlossen sein.

Die geplante CP-Variante mit erweitertem Tunnel. <span class="copyright">asfinag</span>
Die geplante CP-Variante mit erweitertem Tunnel. asfinag

Die Asfinag hat bei der Planung noch einmal nachgebessert: Es sollen weitere Strecken unterirdisch geführt werden. Fließt das in die Überlegungen ein?
Es war immer klar, dass die ASFINAG parallel auch an der CP-Variante weiterarbeiten wird. Allgemein ist aber die Frage nach der Verkehrsentlastung die zentrale, also welche Maßnahme am Netz entlastet die Gemeinden am schnellsten und am effektivsten und ist zugleich Boden und umweltschonendsten. Wir sind zuversichtlich, dass all das vereinbar ist.. und selbstverständlich wird am aktuellen Stand weitergeplant und nicht an einem vergangenen.

In Bregenz wird seit längerem über die Unterflurtrasse diskutiert. Das Ziel wäre es, in den ÖBB-Rahmenplan zu kommen. Wie sehen Sie die Aussichten dafür?
Dazu läuft gerade eine Studie, in der die unterschiedlichen Varianten abgeschätzt und modelliert werden sollen. Wenn diese abgeschlossen ist, werden wir beurteilen können, wie die Planungen für das Zielnetz 2040 aussehen sollen. Diesen Ergebnissen kann ich nicht vorgreifen.

Die ÖBB haben mit einer Variantenplanung für Aufsehen gesorgt, die den Abriss mehrerer Gebäude entlang der Bahnstrecke vorsieht. Verstehen Sie, dass das für Aufregung gesorgt hat?
Diese Variante wird neben anderen, weniger invasiven Varianten, untersucht. Ich denke es ist sinnvoll über solche Dinge zu sprechen, wenn die Vorarbeiten beendet sind. Wenn die Studie abgeschlossen ist und alle Optionen am Tisch liegen, kann man die Diskussion auf Basis dieser Studie führen um anschließend mit der Planung zu beginnen.

Gibt es im Verkehrsbereich, etwa neben dem zweigleisigen Ausbau des Klosterbogens bei Bings, weitere wichtige Projekte in Vorarlberg? Das S-Bahnprojekt „FLACH“ ist ja gescheitert.
Neben den Infrastrukturprojekten sind wir gemeinsam mit dem Verkehrsverbund bemüht, das Angebot an Verbindungen ständig zu erweitern. Das Klimaticket soll ebenfalls erweitert werden – Vorarlberg ist hier bereits Vorreiter. In den anderen Bundesländern sind wir bemüht, dasselbe Preisniveau zu erreichen, um den öffentlichen Verkehr regional noch attraktiver zu machen.

Der Dauerstreit um die S18 Evaluierung

Bereits 1964 baute die Schweiz ein Anschlussstück für die S18 aus Österreich, 58 Jahre später steht sie noch immer auf dem Prüfstand. „Letzten Sommer hat es geheißen, die Prüfung sei bis Ende 2021 abgeschlossen. Jetzt heißt es sie dauert bis Ende 2022“, beklagte Landeshauptmann Wallner im Interview mit der NEUE am Sonntag vor zwei Wochen. Tatsächlich hatte die Asfinag 2021 per Aussendung versichert: „Bis Ende 2022 sollen der Prozess abgeschlossen sein und die Ergebnisse vorliegen.“ Laut Ministerin Gewessler soll es nun zu Jahresbeginn 2023 so weit sein.

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