Politik

Brennwert von Erdgas bei uns am höchsten

15.11.2022 • 15:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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APA/dpa/Uwe Anspach

Die zunehmende Unabhängigkeit von russischem Erdgas erhöht den Brennwert dieser Energiequelle.

Russisches Erdgas hat einen niedrigeren Brennwert als Flüssiggas, das mit Tankschiffen nach Europa transportiert wird. Der zunehmende Umstieg auf das sogenannte LNG (Liquefied Natural Gas) bedeutet, dass pro Kubikmeter Erdgas mehr Energie erzeugt werden kann. Das führt zwar dazu, dass der Preis für die Endkunden steigt, allerdings gleicht sich diese Erhöhung – anders als andere – durch den zusätzlichen Energiegewinn aus.

Das Nutzungsentgelt berechnet sich aus dem Normvolumen und dem Verrechnungsbrennwert. Letzteren hat die zuständige Regulierungsbehörde E-Control aufgrund des geänderten Gasmixes angehoben. War der Brennwert in Vorarlberg zuvor mit 11,26 Kilowattstunden je Kubikmeter berechnet worden, dem niedrigsten Wert im Vergleich zu den beiden anderen österreichischen Marktgebieten, liegt er nun mit 11,59 am höchsten. Das Entspricht einer Energiesteigerung von 330 Watt je Kubik. In Tiol liegt der Brennwert bei 11,44, im Rest Österreichs bei 11,48 Kilowatt pro Kubikmeter.

Abhängigkeit sinkt

Für Energieministerin Leonore Gewessler ist das laut einer Anfragebeantwortung ein starkes Indiz dafür, dass die österreichische Abhängigkeit vom russischen Gas weiter abnehme. Außerdem seien die Importe über deutsche Leitungen gestiegen – über sie fließt Gas von der Nordsee und aus LNG-Terminals nach Österreich. Gleichzeitig gingen die Importe aus dem slowakischen Transit, über den russisches Gas zu uns kommt, zurück. Auch seien 42,5 Prozent der bundesweiten strategischen Gasreserve nicht mit russischem Gas befüllt worden.
Die österreichischen Gasspeicher sind aktuell zu 95,27 Prozent gefüllt. Im Vergleichszeitrau des Vorjahres hatte der Speicherstand unter 60 Prozent betragen. Von den 91,03 Terrawattstunden an derzeit gespeicherten Erdgasreserven sind allerdings 39,85 Terrawattstunden für deutsche Kunden reserviert.

Der Gaspreis stieg zuletzt zwar wieder leicht an, erreichte aber nur mehr ein Drittel des Septemberpreises. Der Österreichische Gasverbrauch lag nach einem Rückgang über den Sommer aber zuletzt im September um 6,1 Prozent höher als im Jahr zuvor. Der Stromverbrauch ging dafür um zwei Prozent zurück.
Die europäische Zusammenarbeit beim Erdgas gestaltet sich indes schwierig: Bisher wurden lediglich sechs von 40 geplanten Solidaritätsabkommen im Fall von Engpässen abgeschlossen. Wie weit der Weg bis zum Gasausstieg aber noch ist, zeigt ein Vergleich der Verbrauchswerte: Im September 2022 wurden in ganz Österreich 4,45 Terrawattstunden an Energie aus Strom verbraucht und 4,92 Terrawattstunden aus Erdgas.

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