Politik

Wallner warb in Wien für neues Kraftwerk

17.11.2022 • 21:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Lünersee soll ein zweites Kraftwerk speisen. Doch das Genehmigungsverfahren kann Jahre dauern.<span class="copyright">rubina bergauer</span>
Der Lünersee soll ein zweites Kraftwerk speisen. Doch das Genehmigungsverfahren kann Jahre dauern.rubina bergauer

In Wien präsentierten Landeshauptmann Wallner und die Illwerke VKW-Spitze das Lündersee II Projekt.

Im Wiener Szene-Café „Landtmann“ direkt gegenüber des Wiener Rathauses wird am Donnerstagnachmittag ein Vorarlberger Mega-Projekt präsentiert. Die Delegation aus dem Ländle, bestehend aus Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), Illwerke vkw-Finanzvorstand Christof Germann und dem technischen Vorstand der VKW, Helmut Mennel, stellt in der Bundeshauptstadt ihr „Leuchtturm-Projekt“ vor: Das Pumpspeicherkraftwerk Lünersee II. Spekulationen, wonach er selbst Mennels Nachvolger als Illwerke vkw-Vorstand werden könnte, bezeichnete der Landeshauptmann als „Zeitungsente“.

Vorarlberg in Champions League

Man wolle in ganz Österreich Bewusstsein dafür schaffen, dass die Energiewende ohne Pumpspeicherkraftwerke nicht möglich sei, antwortet Wallner auf die Frage, wieso die Präsentation ausgerechnet in Wien stattfindet. Eine Energiewende ohne Pumpspeicherkraftwerke sei Träumerei und reine Ideologie, wirbt Wallner weiter.

Das Lünerseewerk II ist ein Mega-Projekt der landeseigenen Illwerke vkw: Eingebettet zwischen Brandnertal und Montafon soll das Kraftwerk mit einem Leistungspotential von 1000 Megawatt maßgeblich zur Energiewende in Österreich und in ganz Europa beitragen. Zum Vergleich: Ein mittleres Atomkraftwerkt hat eine Energieleistung von rund 1400 Megawatt.
Das Pumpspeicherkraftwerk soll an den bereits bestehenden Walgaustollen, sowie die schon vorhandene Infrastruktur in Bürs angeschlossen werden und kein zusätzliches Wasser benötigen. In einem zwölf Kilometer langen Stollen soll das Wasser vom Lünersee unter der Erde nach Bürs in ein ebenfalls unterirdisches Kraftwerk gepumpt werden. Mit Kosten von zwei Milliarden Euro, wäre Lünersee II eines der größten Infrastrukturprojekte in Vorarlberg in den kommenden Jahren.

Das neue Kraftwerk soll vorhandene Infrastruktur nützen. <span class="copyright">NEUE</span>
Das neue Kraftwerk soll vorhandene Infrastruktur nützen. NEUE

Die Illwerke vkw verspricht sich dadurch wirtschaftlich „enormes Wachstumspotential“. Man würde dadurch am europäischen Energiemarkt von der Regionalliga in die Champions League aufsteigen, wie es Illwerke vkw-Vorstand Helmut Mennel beschreibt. Aus diesem Grund will die Illwerke vkw Lünersee II auch zur Gänze aus eigener Tasche finanzieren.

Tempo, Tempo, Tempo

Im Jahr 2024 will die VKW die detaillierten Pläne für das Projekt einreichen. 2027 soll die fünfjährige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) starten, 2031 soll der Spatenstich erfolgen und nach knapp sechs Jahren Bauzeit soll das Kraftwerk im Jahr 2037 in Betrieb gehen.

„Das ist zu lange. Wir brauchen mehr Tempo in der Energiewende“, kritisiert hingegen der Landeshauptmann. Waller macht sich seit Monaten für ein beschleunigtes UVP-Verfahren stark und ist dafür bereits bis nach Brüssel gereist. Der ÖVP-Politiker fordert von der Bundesregierung die Verfahrensdauer für nachhaltige Energieprojekte von fünf Jahren auf zwei zu verkürzen.

Das Klimaministerium beruhigt: Eine entsprechende Novelle des UVP-Gesetzes ist aufgrund einer EU-Vorschrift bereits seit September in Begutachtung. Wallner zeigt sich erfreut, dass Bewegung in die Debatte gekommen ist, ob es ausreiche, sei eine andere Frage, sagt der Landeshauptmann. Auch die Vorarlberger Kraftwerke drücken aufs Gas: „Der langsame Behördenblock muss verkürzt werden“, betont Technikchef Mennel. In Bezug auf die Umweltfreundlichkeit des Projektes spricht die dreiköpfige Delegation vom „schonendsten, was man anzubieten hat“.

Keine Übergewinnsteuer

Hervorgerufen durch die Energiepreiskrise haben in Europa große Energieunternehmen massive zusätzliche Gewinne gemacht – so auch die Vorarlberger Kraftwerke: Die Illwerke vkw konnten im Vergleich zum Geschäftsjahr 2021 ein Gewinnplus von rund 75 Millionen Euro verzeichnen.
Um solche Zufallsgewinne der Unternehmen für die Allgemeinheit zu verwenden, gilt eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne, die in der Krise Profit gemacht haben, auf EU-Ebene bereits als so gut wie beschlossen. Auch in Österreich unterstütz die türkis-grüne Koalition das Vorhaben. Bereits am Freitag will die Bundesregierung dazu erste Details verkünden.

Landeshauptmann Markus Wallner und die Illwerke vkw-Vorstände Christof Germann und Helmut Mennl (v.l.) reisten zur Präsentation nach Wien.<br><span class="copyright"> marcel hagen/VKW</span>
Landeshauptmann Markus Wallner und die Illwerke vkw-Vorstände Christof Germann und Helmut Mennl (v.l.) reisten zur Präsentation nach Wien.
marcel hagen/VKW

Vorarlberg Landeshauptmann Markus Wallner fordert die Regierung jedoch auf, nachhaltige Erzeuger aus einer solchen Sondersteuer auszusparen: „Es braucht für Energieformen, die maßgeblich zur Energiewende in Österreich beitragen eine klare Ausnahme in der Übergewinnsteuer“, betont Wallner am Donnerstag in Wien.

„Leuchtturm-Projekt“ Lünersee II

Sollte das Projekt Lünersee II umgesetzt werden, wäre es das größte Pumpspeicherkraftwerk in Österreich. Die Illwerke vkw würde dadurch zu einem mächtigen Player am europäischen Energiemarkt aufsteigen und das Land Vorarlberg würde sich energietechnisch und wirtschaftlich für die kommenden Jahre absichern, so die Hoffnung der drei Vertreter aus dem Ländle.
Aus diesem Grund sollen laut Illwerke vkw und Landespolitik vom Gesetzgeber Umweltverfahren verkürzt und Steuerausnahmen geschaffen werden. Das „Leuchtturm-Projekt“ Lünersee II ist für die Vorarlberger Landesregierung jedenfalls so wichtig, dass der Landeshauptmann für dessen Präsentation sogar bis in ein Szenelokal ins 500 Kilometer weit entfernte Wien reist.

Adrian Zerlauth

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