Politik

Ukrainischer Innenminister starb: War es ein Absturz oder ein Abschuss?

18.01.2023 • 19:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
14 Menschen starben bei einem Helikopterabsturz nahe Kiew. Präsident Selenskyj spricht von einer "schrecklichen Tragödie"
14 Menschen starben bei einem Helikopterabsturz nahe Kiew. Präsident Selenskyj spricht von einer “schrecklichen Tragödie” (c) APA/AFP/SERGEI SUPINSKY (SERGEI SUPINSKY)

Der Tod des ukrainischen Innenministers bei einem Helikopter-Crash nahe Kiew wirft Fragen auf. Was zum Absturz führte, ist nun Teil von Untersuchungen.

Militärexperte Gerald Karner über die Wahrscheinlichkeit eines Sabotageaktes.

Noch überwiegen der Schock, die Trauer, das Unvermögen das Geschehene einzuordnen. Der Kreml hält sich bedeckt und auch die Ukraine formuliert ihre Reaktionen vorsichtig.
Nahe der Hauptstadt Kiew, in der Kleinstadt Browary, stürzte gestern ein Hubschrauber vom Typ Airbus H225 nahe eines Kindergartens ab. Mindestens 14 Menschen – darunter vier Kinder – kamen dabei ums Leben. An Bord der Maschine befand sich auch der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj – zuständig unter anderem für Inlandsaufklärung und Identifizierung von Saboteuren – sowie sein Vize Jewhenij Jenin und andere hochrangige Mitarbeiter des Innenministeriums.

Technische Probleme oder gezielte Zerstörung

Sie alle starben bei dem Absturz, den bisher niemand als Abschuss bezeichnen möchte und dessen Umstände nach wie vor unklar sind. Der ukrainische Geheimdienst SBU zieht jedenfalls drei Versionen für das Unglück in Betracht. Das seien ein Verstoß gegen die Flugvorschriften, technische Probleme oder eine gezielte Zerstörung des Helikopters. Die Umstände würden ermittelt, sagte Oleksij Kuleba, der Gouverneur der Region Kiew.

Militärexperte Gerald Karner rechnet mit einem schnellen Ergebnis, womöglich in den nächsten Tagen. “Da ist natürlich die Frage, ob die Ergebnisse dem entsprechen, was wirklich war”, betont der Ex-Bundesheer-Offizier. Der Crash, bei dem der bisher ranghöchste ukrainische Staatsvertreter seit Ausbruch des Krieges starb, wirft viele Fragen auf. Nicht zuletzt, weshalb die gesamte Führungsebene eines Ministeriums zusammen in einem Helikopter flog.

Ukrainischer Innenminister starb: War es ein Absturz oder ein Abschuss?
Militärexperte Gerald KarnerFotograf

“Sabotageakt lässt sich nicht ausschließen”

“Das hat mich offen gestanden überrascht. Man dürfte sich sehr sicher gefühlt haben”, so der Militärexperte. Bisher gebe es laut Karner keine Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung. Abstürze von Hubschraubern seien leider keine Seltenheit. Ob ein gezielter Abschuss seitens Russlands für den Absturz sorgte, möchte der Experte dennoch nicht ausschließen.
Tragbare Fliegerabwehrlenkwaffen können von einer Person auch relativ unbemerkt transportiert werden. Die Reichweite beträgt zwischen 3000 und 6000 Meter. “Da kann man natürlich auch einen Hubschrauber, der sich fortbewegt, abschießen”, bestätigt Karner. “Auch wenn es schwer vorstellbar scheint, ein Sabotageakt lässt sich bis dato aber überhaupt nicht ausschließen”, meint Karner.

Man wisse von Partisanengruppen in der russisch besetzten Südukraine. Ukrainische Schläge wie jener auf das russische Munitionsdepot in Belgorod deuteten auf Kämpfer weiter hinter der gegnerischen Frontlinie hin. Ein ähnliches Szenario – also russische Partisanen in der Ukraine, die einen Sabotageakt am Militärhelikopter durchführen – sei ebenfalls im Bereich des Möglichen. Der Crash nahe Kiew wirft nicht zuletzt die Frage auf, ob der bevorstehende EU-Gipfel mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel wie geplant am 3. Februar in Kiew stattfinden wird.

Indes verdichten sich Hinweise, wonach der russische Präsident Wladimir Putin in Kürze eine weitere Mobilmachung ankündigen könnte. “Putin strebt den Abnützungskrieg an. Er setzt auf Quantität, nicht Qualität. Etliche Soldaten haben bei der ersten Teilmobilmachung das Land verlassen oder erwiesen sich als untauglich. Eine zweite Mobilmachung würde für ihn Sinn machen”, erklärt Militärexperte Karner.

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