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Der ORF hat sich in eine falsche Richtung entwickelt. Warum macht er etwa jeden Kommerzialisierungsprozess mit und äfft die deutschen Privatsender nach? Eine sachliche Diskussion muss her!

Am ORF scheiden sich die Geister! Seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten ist das größte Medienunternehmen der Republik Zankapfel und Reibebaum für Politik und mediale Mitbewerber. Kaum ein Medienunternehmen hat die Republik so nachhaltig geprägt wie der ORF. Die Bundesregierung bekennt sich auch ausdrücklich zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die aktuelle Diskussion über die Abschaffung der GIS-Gebühren hat sich vermeintlich an der Frage des Verhältnisses von ORF und exponierten Vertretern der FPÖ entzündet. Dabei ist diese Sichtweise – wenn auch medial gerne rezipiert – viel zu simplifizierend. Will man die Gebührenfrage seriös diskutieren, muss man vielmehr die Frage beantworten, wie der ORF seine eigene Stellung in einer Medienlandschaft, die durch Digitalisierung und neue Spieler (Netflix, Amazon etc.) auf dem Feld völlig im Umbruch ist, künftig gestalten und mit Leben erfüllen wird.

Die momentane Organisationsstruktur ist im Kern ein „Unternehmensbrei“ mit unzähligen „Töchtern“. Der ORF wird im Jahr 2018 erstmals Einnahmen von über einer Milliarde Euro aus Gebühren, Werbeeinnahmen und sonstigen Erlösen lukrieren; wobei auf der anderen Seite die Personalkosten rund 400 Millionen ausmachen werden. Bei rund 4000 Mitarbeitern überlasse ich jedem Leser selbst die Schlussfolgerung.

Die eigentliche Aufgabe als öffentlich-rechtlicher Sender wird durch das kommerzielle Wettbewerbsfernsehen (und Radio), das sich rein auf die Quote beschränkt, zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Ist es wirklich Aufgabe des ORF, irgendwelche Shows, die bei den deutschen Privaten rauf- und runtergespielt werden, nachzumachen? Soll und muss ein Sender, der derzeit gebührenfinanziert ist, wirklich jeden Kommerzialisierungsprozess mitmachen? Urheber dieser Entwicklung war damals Generalintendant Gerhard Zeiler.

Ich rede keineswegs einer Provinzialisierung das Wort, aber sollte „die größte Medienorgel des Landes“ mit ihrer identitätsstiftenden Aufgabe neben reiner Gewinnorientierung nicht auch wieder Platz für Public-Value-Content schaffen, der den „Öffentlich-Rechtlichen“ nämlich erst ausmacht? Der Hinweis auf ORF III – so sehr ich diesen Sender persönlich auch schätze – geht ins Leere, denn dessen Reichweite ist überschaubar. Ein Feigenblatt, das nur am Rande befriedigt.

Ob die anachronistischen GIS-Gebühren in dieser Form noch zeitgemäß sind, muss man ohne Emotion sachlich und faktenbasierend diskutieren. Aufgeregtheit ist fehl am Platz.

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