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Die patriarchalische Dominanz über das Tragen eines Kopftuchs bei jungen Mädchen als ein vorgeschobenes religiöses Argument durchzusetzen, ist absolut verwerflich.

Sie gehören zum alltäglichen Bild im öffentlichen Raum, Frauen mit Kopftuch. Sie tragen ihre Kopftücher in verschiedenen Varianten, locker über den Kopf geschlungen in bunten Farben und kostbaren Stoffen bis tief in das Gesicht gezogen. Obwohl wir viele verschiedene Kopfbedeckungen bemerken, von der Sportkappe bis zum eleganten Hut, birgt doch das Kopftuch der muslimischen Frau viel Diskussionsstoff. Warum beschäftigen sich Religionsgemeinschaften, Frauenrechtlerinnen, Schulbehörden und Politiker mit diesem Thema? Ist das Tragen des Kopftuchs Zwang, Tradition, Freiwilligkeit, Rebellion oder religiöse Überzeugung?

Im Gespräch mit muslimischen Frauen erklären sie mir, warum sie das Kopftuch in der Öffentlichkeit tragen. Das Haar stellt ein Objekt der Begierde dar. Um Männer nicht sexuell zu erregen, muss es in der Öffentlichkeit bedeckt werden. Diese Erklärung, übertragen auf Mädchen in der Schule, gibt mir zu denken. Mädchen ab sechs Jahren müssen ihr Haar bedecken, damit sie Männer nicht sexuell erregen? Ist das widernatürlich, krankhaft, gesetzeswidrig? Kinder haben Rechte und sie stehen unter dem besonderen Schutz unserer Gesellschaft. Ich wünsche mir einen Schutz für Mädchen, die diese Entscheidung nicht selbst treffen, sondern deren Väter das Tragen des Kopftuchs, damit verbunden langärmelige Bekleidung und lange Röcke, für sie vorschreiben. In Gesprächen mit einem Vater äußern wir gesundheitliche Bedenken. Dem Mädchen wird schlecht, es muss den Unterricht verlassen, eine Lehrerin ebenso, sie muss sich um das Kind kümmern. Eigentlich ist doch das Kind in der Schule, um zu lernen, und die Lehrerin, um zu unterrichten. Der Vater hat auch Sorge um seine Tochter – nicht wegen der Gesundheit. Das Mädchen müsse den Körper zur Gänze bedecken, damit sie keine Schande über die Familie bringe. Sind Kinder für die Erhaltung der Familienehre zuständig?

Ich weiß, dass Mädchen oft das Kopftuch nicht freiwillig tragen, sondern von Vätern und Brüdern dazu gezwungen werden. Diese Männer schrecken vor Gewaltanwendung nicht zurück. Kann man in dem Kontext noch vom religiösen Symbol sprechen? Religion ist Freiwilligkeit. Erwachsene Menschen können sich durch äußere Zeichen zu Religionen zugehörig fühlen. Unter dem Aspekt ist das Tragen des Kopftuchs selbstverständlich legitim und eine persönliche Entscheidung. Wird aber bei Kindern die Religion vorgeschoben, um damit patriarchalische Dominanz durchzusetzen, ist dies aus meiner Sicht absolut verwerflich.

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