Hier und jetzt

Ich habe so viele kluge Bücher, dass ich nicht recht schlau daraus werde. Und alle Autoren sagen/schreiben mir dasselbe: Lieber Leser, lies keine klugen Bücher, weil: Du wirst eh nicht schlau daraus. Hhmm. Also, was jetzt?

Unlängst passierte es, dass ich mit meinem Vater, zur Feier des Tages werde ich ihn wunschgemäß nicht „alter Herr“ nennen, ein längeres Gespräch hatte. Das war schon etwas Besonderes, weil üblicherweise sagen wir beide nichts, und dann schweigen wir herzlich und ausgiebig, und am Ende des Tages wissen wir beide trotzdem, was der andere nicht gesagt hat. Das klingt jetzt kompliziert, ist es aber gar nicht. Weil: Was man nicht sagt, ist oft vielsagend.

Jedenfalls haben wir also unlängst nicht miteinander geredet, und plötzlich hat Vater tiefenphilosophisch gesagt: „Denk nicht zurück, denk nicht nach vorne. Du musst in der Gegenwart leben, Sohn, im Hier und Jetzt.“ Hhmmm?

Hat Papa jetzt klammheimlich meine klugen Bücher gelesen und ist schlau daraus geworden? Oder aber genießt er nur die wunderbare Frau an seiner Seite, die zugelaufene Katze auf seinem Küchensessel und die schönen Tomaten in seinem Garten?

Hier und jetzt.

Es gibt Grund zur Zuversicht. Meine Tomaten wachsen auch schon, Papa, bald können wir die Ernte einfahren. Und darüber müssen wir unbedingt ausführlich nicht reden. BM

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