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Vom Oarradln, Eierturtschn und Weihfeuertragen

Kaum ein Fest präsentiert sich so traditionsreich wie das Osterfest. Die Ostereiersuche und das wärmende Osterfeuer werden hochgehalten, auch wenn es mancherorts Unterschiede gibt. Von Martina Pachernegg

Mit dem Suchen der gut versteckten Ostereier beginnt für viele Menschen der Frühling erst so richtig. Zwischen den letzten Schneeresten und den ersten erblühenden Schneeglöckchen, lilafarbenen Krokussen und Frühlingsknotenblumen sind die gefärbten Ostereier und Schokoladeosterhasen nicht immer leicht zu finden. Aber die vor Freude strahlenden Kinderaugen entschädigen die großzügigen Eltern und Großeltern für ihre Mühen beim Auswählen der besten Verstecke.

Seinen Ursprung hat das Osterfest in einem heidnischen Frühlingsfest. Gefeiert wurde das zunehmende Licht zu Beginn des Frühlings, die zurückkehrende Fruchtbarkeit und das Erwachen der Farbenpracht der Natur. Die frühchristliche Kirche machte sich den alten heidnischen Brauch zunutze, adaptierte Teile des Festes und verlieh Ritualen und alten Zeremonien eine neue Bedeutung.

Als „bewegliches Fest“ variieren die Osterfeiertage von Jahr zu Jahr. Der Ostersonntag hängt vom Mond, genauer gesagt vom Frühlingsvollmond ab. Das erste Wochenende nach dem ersten Frühlingsvollmond wird stets als Osterwochenende festgeschrieben. Der Ostersonntag fällt daher frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April.

„Heuer ist Ostern sehr früh im Jahr. Da hat die Natur noch einiges aufzuholen. Mit den bunten Ostereiern können die recht kargen Wiesen noch nicht mithalten. Es sprießen ja bis jetzt nur wenige Blumen“, sagt Eva Gutjahr. Die 86 Jahre alte Frau wohnt im obersteirischen Tragöß und gestaltet und verschenkt für ihr Leben gerne Ostereier. Das Verschenken von Ostereiern ist ein sehr alter Brauch und reicht bis ins Mittelalter zurück. Die ersten bunten Eier wurden Rot gefärbt und von Nonnen verschenkt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden die hart gekochten Hühnereier hauptsächlich rot eingefärbt. Das kräftige Rot steht nämlich für das neue Leben und die Fruchtbarkeit. „Manche Hühner legen ja grüne Eier. Das finde ich immer besonders schön. Wenn man sie ausbläst, kann man diese grünen Eier wunderbar verzieren“, schmunzelt Gutjahr.

Neben den hart gekochten bunten Eiern werden zu den Osterfeiertagen auch gerne ausgeblasene, kunstvoll verzierte Exemplare verschenkt. Die hohlen Schalen werden mit feiner Spitze ummantelt, mit allerlei Körnern und getrockneten Blumen beklebt oder die Schale wird eingeritzt. In Teilen Kärntens wird der Brauch, dass Patenkinder von ihren Taufpaten einen traditionellen Reindling geschenkt bekommen, in dem ein rotes Osterei steckt, immer noch praktiziert. Bei Kindern ist das Osterei aber in den meisten Fällen nicht wegen des Genusses, sondern wegen der Ostereierspiele beliebt. Beim Eierpecken, auch Eiertscheckn oder Eierturtschn genannt, wird geschaut, welche Schale am härtesten ist, beim Eierlauf geht es um Geschicklichkeit und um eine ruhige Hand. Bei all dem Ehrgeiz geht es aber nicht unbedingt um den Sieg. Denn am Ende werden alle Eier gemeinsam verspeist.

Im oberösterreichischen Salzkammergut lassen die Bewohner einen alten, kuriosen Brauch unter dem Namen „Oarradln“ aufleben. Dort ist es Brauch, in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag Gegenstände, die ein Rad haben und frei stehen, zu verschleppen. Da kommt es schon einmal vor, dass ein Fahrrad in einem Baum hängt.

Am Morgen des Karsamstags stehen Kinder in Teilen der Steiermark besonders früh auf. Sie sind Träger des Weihfeuers und dafür verantwortlich, dass das Weihfeuer von Haus zu Haus getragen wird. In der Kirche treffen sich die Kinder mit ihren alten Gluttöpfen, um ihren Zunder und die selbst gesammelten Baumschwämme mit dem geweihten Feuer zu entzünden. Der Brauch stammt aus der Zeit, als es noch keine Streichhölzer gab und darauf geachtet werden musste, dass das Feuer im Herd nicht ausgeht. Der einzige Tag im Jahr, an dem das Ausgehen des Feuers sogar gewünscht war, war der Karfreitag. Schließlich sind die fleißigen Weihfeuerträger am Karsamstag früh unterwegs und entzünden mit ihrem geweihten Feuer das Herdfeuer neu.

Besinnlich und gemütlich wird es zu Ostern, wenn sich die Freunde und die Familie um ein Osterfeuer versammeln. Die hoch lodernden wärmenden Feuer haben ihren Ursprung

ebenso in vorchristlichen Frühlingsfesten und werden heute in ganz Österreich entfacht. Vor allem im Alpenraum sind die meterhohen lodernden Feuer beliebt und ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Das trockene Brennholz für das große Feuer wird schon lange vor der Karwoche gesammelt. Reisig, Bruchholz, Strauchwerk und der übrig gebliebene Christbaum finden im Regelfall Platz auf dem Osterfeuerhaufen. Im Kärntner Raum werden teilweise auch bis zu drei Meter hohe Fackeln im Osterfeuer entfacht und über Felder getragen. So sollen Wintergeister, die Kälte und nahende Unwetter vertrieben und eine fruchtbare Ernte gesichert werden. In manchen österreichischen Gemeinden werden auch reich verzierte Osterkerzen am Feuer entzündet. Diese Kerzen werden dann in die noch dunkle Kirche getragen und dort aufgestellt.

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