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„Handball-Torhüter ist nie fehlerfrei“

Am 14. Oktober findet in Bregenz ein internationalen Torwarttrainertag statt. Einer der Referenten ist Handball-Star-trainer Michael Biegler. Im Gespräch erklärt er, was ein Fußball-Tormann vom Handball-Torhüter lernen kann.

Herr Biegler, Sie gelten als einer der besten Handball-Torhüter-Trainer der Welt. Welchen Bezug haben Sie zum Fußball?

MICHAEL BIEGLER: Ich bin jetzt kein großartiger Fan, aber nach Möglichkeit ein „Sportschau“-Zuseher. In letzter Zeit schaue ich etwas genauer hin, denn Mannschaften wie Dortmund oder Hannover haben mit ihrem verdammt schnellen Umschalt­spiel deutliche Anleihen beim Handball genommen. Denn so wie im Handball initiieren die Torhüter dieser Mannschaften mit weiten Abwürfen die Tempo-Gegenstöße. Der moderne Fußball-Torhüter hat also nicht mehr nur eine reine Abwehrfunktion, sondern ist auch der erste Offensivspieler – ganz so wie im Handball.

Worauf dürfen sich die Teilnahmer am internationalen Torwarttrainertag freuen?

BIEGLER: Das wird ein ganz spannender Tag, auch und gerade für mich selbst. Ich freue mich auf den Austausch mit den Teilnehmern und natürlich auch auf Claudio Filippi, den ich bereits zweimal per Zufall getroffen habe. Aber das war ja nicht Ihre Frage. Ich weiß noch nicht, wie der Tag ablaufen wird. Ich wurde gebeten, aufzuzeigen, wie wir im Handball mit den Torhütern arbeiten. Ich finde dieses über den Tellerrandschauen großartig. Ich wollte ohnehin schon längst bei einem Fußballverein hospitieren, aber weil ich seit 20 Jahren im Handball tätig bin und immer eine EM, WM, Olympische Spiele, Europapokalspiele oder sonst was auf dem Plan stand, hatte ich dafür nie Zeit. Es haben aber bereits viele Fußball-Torhüter bei mir hospitiert. Ohne arrogant wirken zu wollen: Ich glaube, dass ein Fußball-Torhüter sehr viel von einem Handball-Torhüter lernen kann.

Inwiefern?

BIEGLER: Wenn ich sehe, dass ein Fußball-Torhüter einen Ball nicht fangen kann, der 35 oder 40 Meter fliegt, dann wirft das bei mir schon Fragen auf. Sicher, die Schüsse sind stramm, und ich bin auch kein Experte. Aber ich erkenne da teilweise schon gravierende Schwächen bei der Beinarbeit. Die Fußballtrainer, die bei mir hospitiert haben, haben mir alle bestätigt, dass die Handball-Torhüter viel härter arbeiten als die Fußball-Torhüter.

Was können Fußball-Torhüter sonst noch von den Schlussmännern im Handball lernen?

BIEGLER: Das ist eine sehr komplexe Frage, bei der ich zuerst die Unterschiede zwischen den beiden Sportarten herausarbeiten muss.

Gerne.

BIEGLER: Der vielleicht größte Unterschied besteht in der Psychologie des Spiels. Ein Fußball-Torhüter ist darauf getrimmt, keine Fehler zu machen. Die Null muss stehen. Ein Manuel Neuer zum Beispiel bekommt vielleicht nur einen Ball aufs Tor und dann muss er zur Stelle sein. Ein Handball-Torhüter wird nie fehlerfrei bleiben können. Er bekommt pro Spiel 50 bis 55 Möglichkeiten sich auszuzeichnen. Ein Handball-Torhüter kann 50 Minuten lang einen gebrauchten Tag haben. Wenn er in den letzten zehn Minuten nicht nur Tore verhindert, sondern auch seine Mitspieler so einsetzt, dass sie alleine vor dem Tor auftauchen, kann er ein Spiel noch kippen.

Wo liegen die Unterschiede im Torwartspiel selbst?

BIEGLER: Ein signifikanter Unterschied liegt in der Körperlichkeit des Spiels. Im Fußball muss der Torhüter speziell bei Standardsituationen zwischen einem Pulk von Spielern den Ball fangen können. Es gibt also Körperkontakt, der im Handball zumindest so nicht stattfindet. Dafür bekommt ein Handball-Torhüter aus sechs, sieben Metern Würfe mit über 100 km/h in Kopfhöhe aufs Tor.

Darum benötigt ein Handball-Torhüter eine schnelle Reaktion.

BIEGLER: So ist es. Und genau in diesem Bereich können die Fußballtorhüter vieles lernen – also was Aktion, Reaktion, aber auch die Wahrnehmung der Situationen betrifft. Die Thematik ist sehr, sehr komplex. Dementsprechend werden wir am 14. Oktober nur einen ersten Schritt machen können. Zusammenfassend kann ich sagen: Natürlich gibt es teilweise recht große Unterschiede zwischen den beiden Sportarten. Aber es gibt auch Parallelen, und ich kann nur nochmal betonen, dass ich mich sehr auf den Tag freue und ich schon gespannt bin, was ich mir vom Fußball abschauen kann. Der Fußball ist normalerweise ein in sich geschlossener Bereich. Deshalb finde ich es sehr lobenswert, was sich der Veranstalter hier einfallen hat lassen.

Interview: Hannes Mayer

Übrigens: Bis morgen können sich Interessierte anmelden. Weitere Infos unter www.vfv.at

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