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Im Zeichen des Vollmondes

Wenn, wie letztes Wochenende, 33 Rote Karten gezückt werden, dann ist das ist das nicht nur ein Fall für die STRUMA, sondern auch für die NEUE-Sportredaktion.

Emanuel Walser

Als Erstem ist die Kartenflut unserem Sportchef aufgefallen, der Mann hat schließlich Erfahrung und kann zudem auch zählen. Nach seinem eher beiläufigen Zusatz „Heute ist übrigens Vollmond, könnte a guate Gschicht werden“ ist die Fährte endgültig gelegt und ich nehme die Blutspur auf. Man ist zwar persönlich mit dem Mond und seinen Auswirkungen auf die menschliche Psyche per Sie, gehört hat man aber auch schon davon: Bei Vollmond drehen die Menschen einfach durch.

Nur ist eine lose Ahnung noch lange kein Beweis, daher heißt es evaluieren. Nur, wenn soll man fragen? Schnell ist die Kombination „Mondexperte“ und „Vorarlberg“ gegoogelt und man stellt fest: Treffer gelandet. Die Akademikerquote im Ländle mag zwar gering sein, die der Esoteriker ist es definitiv nicht.

Doch schon nach den ersten Kontaktaufnahmen, natürlich per Telefon, stellt man fest, dass sich die Sache schwieriger gestaltet, als zu erwarten war. Der Grund ist einfach: Die Fachleute nehmen ihre Kunst sehr ernst, niemand lässt sich zu einem Pauschalurteil verleiten, ein jeder müsste „sich die Sache genauer anschauen.“ Dass dies nicht nur Mühe kostet, leuchtet ein. Zudem ist die Zeit zu knapp, alle haben viel zu tun. Man könnte sagen: Auf dem Esoterikmarkt sind Angebot und Nachfrage im Einklang.

Erste Erkenntnisse

Vergebene Liebesmüh war es trotzdem nicht, wertvolle Tipps in Form von Literaturempfehlungen waren gratis. Letzter Ausweg also: Fachliteratur. Das wollte man sich eigentlich ersparen. Titel wie „Hexenmonde: Wandeln im Jahreskreis“ und „Mondprogressionen. Wegweiser für das innere Leben“ locken nur bedingt. Trotzdem, da muss man durch. Man hat ja schließlich seinen Stolz. Außerdem kennt man als Sportredakteur alle Durchhalteparolen auswendig, nun gilt es diese in Eigentherapie anzuwenden.

Fündig wird man schnell. Die Zahl der Gewaltverbrechen soll in Vollmondnächten signifikant ansteigen, steht da geschrieben. Rote Karten als solche zu werten, mag zwar etwas übertrieben sein, aber die Richtung stimmt.

Man könnte daraus ableiten, dass das Aggressionsniveau generell steigt. Nur, ist diese Aussage auch wissenschaftlich fundiert? Die Euphorie war nur eine kurze, denn schnell steht fest: nein! Eine Korrelation ist noch lange keine Kausalität, jeder kennt den Zusammenhang zwischen nistenden Störchen und Geburtenrate, trotzdem bringt Meister Adebar die Kinder nur im Ammenmärchen.

Wenn klare Beweise fehlen, wird eine Streit- schnell zur Glaubensfrage. Und wo findet man die Fundamentalisten der jeweiligen Glaubensrichtung? Richtig – in Internetforen! Der Klick in die virtuelle Welt ist zwar durchaus amüsant, aber unergiebig. Das Match Wissenschaft gegen Esoterik zeichnet sich in erster Linie durch Härte aus, auf ein Unentschieden können sich die Akteure nicht einigen. Eine Lösung ist also weit und breit nicht in Sicht. Kurz davor das Handtuch zu werfen, fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Rote Karten fallen nicht vom Himmel und schon gar nicht vom Mond, sie werden einzig und allein vom Schiedsrichter gezückt. Schuld sind also die Unparteiischen! Oder doch die Spieler? Selbstverständlich gilt für alle die Unschuldsvermutung.

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