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Mit System zum Sieg gedopt

Der 1000-seitige Bericht der US-Anti- Dopingbehörde beweist, dass Lance Armstrong mit fast krimineller Energie gedopt hat.

Lance Armstrong tut das, was er zuletzt immer getan hat. Der ehemalige Radsport-Weltstar ignoriert die Realität. „Ich verbringe Zeit mit meiner Familie“, twittert er und legt dann nach: „Im Hauptquartier von Livestrong (seiner Krebsstiftung, Anm.). Rede mit dem Team über Pläne für 2013. Freue mich, viele Freunde und Unterstützer zu treffen.“ Ganz so, als ob nichts wäre. Aber es ist: Die US-Anti-Dopingbehörde (USADA), deren Anklage der 41-Jährige vor Kurzem noch als – substanzlose – „Hexenjagd“ abqualifiziert hatte, veröffentlichte nun ihren Bericht im „Fall Armstrong“. 1000 Seiten, die den Mythos des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers als Lebenslüge entlarven. Die, untermauert mit 126 Zeugenaussagen (davon elf von ehemaligen Teamkollegen), beweisen: Armstrong hat nicht nur einfach selbst gedopt.

Ausgeklügeltes Programm

Armstrong hat mit mafia­ähnlichen Strukturen und krimineller Energie die Grundlage für seine beispiellose Karriere gelegt. Vom „ausgeklügeltsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das der Sport jemals gesehen hat“, sprechen die Dopingjäger. Das USADA-Dossier belegt nicht nur Besitz und Gebrauch von EPO, Bluttransfusionen, Testosteron, Steroid- und Wachstumshormonen, sondern auch Dopinghandel und Versorgung von anderen Fahrern.

Es entsteht das Bild eines kaltblütigen Egomanen, der für seine Besessenheit von Siegen auch Weggefährten unter massiven Druck setzte. „Er hat rücksichtslos erwartet und gefordert, dass seine Teamkollegen genauso Dopingmittel nutzen, um seine Ziele zu unterstützen“, schreibt die USADA. Dabei habe Armstrong nicht alleine gehandelt, sondern auch „eine kleine Armee an Gehilfen mit Doping­ärzten, Schmugglern“ um sich geschart. Die zahllosen Dokumente liefern einen tiefen Einblick in die Organisation des Systems. Kontoauszüge belegen, dass der Amerikaner mehr als eine Million Dollar an den italienischen Arzt Michele Ferrari als „Organisator des Dopingprogramms Armstrong“ überwies.

Die zurückgetretenen Tyler Hamilton und George Hincapie berichteten der USADA, dass Armstrong ihnen bei Engpässen mit EPO ausgeholfen habe. Nach ihren Zeugenaussagen und Dopinggeständnissen wurden die vier noch aktiven Radprofis Levi Leipheimer, Christian Vandevelde, David Zabriskie und Tom Danielson jeweils für ein halbes Jahr gesperrt. Ebenfalls suspendiert sind Michael Barry und Hincapie, die kürzlich ihre Karriere beendet hatten. Zudem wurden dem Sextett zahlreiche mithilfe von Doping erreichte Ergebnisse aberkannt. Danielson verlor etwa seinen Sieg bei der Österreich-Rundfahrt 2006. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Armstrong seine Siege aberkannt werden – der Ball liegt beim Weltverband UCI. 21 Tage hat dieser Zeit, über die mögliche Aberkennung der Erfolge und die von der USADA ausgesprochene, lebenslange Sperre zu urteilen.

Der Verlierer steht fest: der Radsport selbst. David Brailsford, Manager des Sky-Teams von Bernhard Eisel, stellt nüchtern fest: „Es ist verständlich, wenn die Leute jetzt jedes Ergebnis im Radsport infrage stellen. Der Radsport hat seinen Weg ganz und gar verlassen, und ich glaube, er hat seinen moralischen Kompass verloren.“ Wie wahr.

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