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Nationalspieler in der vierten Landesklasse

Andreas Wagenhaus (47) gehörte zu den besten Fußballspielern seines Landes. Jetzt trainiert er den FC Doren.

michael prock

Er stand mit Ulf Kirsten und Matthias Sammer auf dem Platz. Er gewann mit Dynamo Dresden den DDR-Pokalbewerb und die Ostdeutsche Meisterschaft. Dreimal durfte er das Teamdress der Deutschen Demokratischen Republik tragen. Kinder sammelten Karten mit seinem Gesicht, er war ein gefragter Autogrammschreiber. In der Türkei spielte er mit Fenerbahce Istanbul in vollen Stadien vor zigtausend fanatischen Fans. Nun hat er, wie viele Ex-Profis, die Trainerkarriere eingeschlagen. Andreas Wagenhaus trainiert den FC Doren in der 4. Landesklasse.

Nach einem Engagement in Mannheim unter Trainer Uli Stielike, verschlug es ihn vor zwölf Jahren über den Umweg FC Gossau nach Dornbirn. Coach der Rothosen damals: Peter Sallmayer. Anschließend spielte er viereinhalb Jahre für den FC Schwarzach, bevor er seine Schuhe an den Nagel hängte. Bis der FC Krumbach anklopfte. Er kaufte sich eine Wohnung direkt neben dem Fußballplatz und schaffte mit dem Krumbachern den Aufstieg. Vergangene Saison gelang ihm mit dem FC Doren abermals dieses Kunststück.

Der Bregenzerwald gefällt dem gebürtigen Naumburger: „Hier ist es nicht so hektisch. Außer der Verkehr in der Skisaison.“ Er wird öfters auf seine Vergangenheit angesprochen, relativiert dann aber: „Hier klingt das groß. Aber dort war ich einer unter vielen.“

Einer unter vielen sehr guten. In Dresden spielte er mit Ulf Kirsten und Matt­hias Sammer zusammen. Beim Hallescher FC mit Dariusz Wosz. Dieser wollte eigentlich mit Wagenhaus nach Dresden wechseln. Ein hoher Parteifunktionär aus Halle hatte etwas dagegen. „Da wurde Dariusz gedroht. Sollte er wechseln, werden seine Eltern innerhalb von 24 Stunden nach Polen abgeschoben“, erinnert sich der Doren-Trainer.

Freiheit unbezahlbar

Sonst hat er nicht viele schlechte Erinnerungen an seine Jugendzeit in der DDR. Wobei er gesteht: „Wir waren privilegiert.“ Als Spieler von Dynamo Dresden war Wagenhaus Mitglied der Deutschen Volkspolizei. Der Ausweis öffnete ihm viele Türen. Trotzdem sehnte er sich nach dem Mauerfall. Als dieser kam, war die Aufbruchstimmung groß, welche jedoch schnell in Wut umschlug.

„Uns wurde bald klar, dass Honecker und Konsorten zwar Sozialismus gepredigt, aber Kapitalismus gelebt haben. Sie verkauften Waffen und bildeten Terroristen aus“, erzählt der 47-Jährige und ärgert sich immer noch. Aus Wut wurde bald Ernüchterung. Der Kapitalismus sei nicht das gewesen, was sich die Menschen erwartet haben: „Aber jeder konnte endlich frei entscheiden, wie er sein Leben gestaltet. Diese Freiheit ist unbezahlbar.“

Doping in der DDR

Obwohl er in der DDR vom U16- bis zum A-Nationalteam als Libero und Manndecker alle Stationen durchschritt, war ihm sys­tematisches Doping nicht bekannt: „Im Mannschaftssport macht das auch wenig Sinn. Wenn einer schneller rennt, kann er noch lange nicht besser Fußball spielen.“ Als Sportler, der regelmäßig an Angina erkrankte, war er Stammkunde beim Teamarzt. „Wenn ich am Montag krank wurde, gab er mir ein Medikament und ich konnte am Samstag schon wieder spielen“, erinnert sich der dreifache Familienvater.

Kontakt zu seinen ehemaligen Mitstreitern pflegt Wagenhaus nicht. Aber vergangenes Jahr bei einem Benefiz-Spiel der ehemaligen DDR-Mannschaft gegen die ehemalige BRD-Mannschaft spielte er noch einmal mit Kirsten und Co. gegen Klinsmann und Matthäus. Als er an die Partie zurückdenkt, kann er sich einen Grinser nicht verkneifen: „Auch da haben es die Westdeutschen nicht geschafft, gegen uns zu gewinnen. Andi Köpke im Tor konnte Ulfs Siegtreffer nicht verhindern.“

Oft denkt der gelernte Schlosser – oder wie es damals richtig hieß: Instandhaltungstechniker – nicht mehr an die alten Zeiten. In seiner Wohnung gibt es keine Erinnerungsstücke. Auch alte Fotos findet er nicht auf Anhieb. Trotz der tollen Vergangenheit genießt er das Hier und Jetzt in vollen Zügen. Mit seiner zweiten Ehefrau hat er eine knapp zweijährige Tochter. Seine Kinder aus erster Ehe, beide Ende 20, leben in Deutschland. Der hauptberufliche Möbeltischler hat auch gar keine großen Ambitionen, die Trainerkarriere weiter nach oben zu klettern: „Ich kann junge Spieler trainieren und habe einen Job, der Spaß macht. Außerdem habe ich Zeit für meine Familie und lebe im schönen Bregenzerwald. Es passt, so wie es ist.“

Für alle, die heute einen echten ehemaligen ostdeutschen Nationalspieler sehen wollen: Der FC Doren ist um 15 Uhr bei Nenzing 1b zu Gast.

Zur Person

Andreas Wagenhaus

Geb. Datum: 29. Oktober 1964

Familienstand: Verheiratet, eine Tochter. Zwei Kinder aus erster Ehe.

Bisherige Vereine: Hallescher FC, Dynamo Dresden, Fenerbahce Istanbul, Waldhof Mannheim, FC Gossau, FC Dornbirn, FC Krumbach

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