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interview

„Wir sind ein sympathischer Underdog“

Michael Volgger ist eines der neuen Gesichter beim FC Lustenau. Er kennt die Baustellen im Verein und träumt von der Bundesliga. Politik will er beim FC Lustenau heraushalten.

Herr Volgger, Sie werden als der neue starke Mann beim FC bezeichnet. Stimmt das?

MICHAEL VOLGGER: Nein, das stimmt nicht. Ich bin im Grunde einem Geschäftsführer gleichgestellt und zuständig für die wirtschaftlichen Belange des Vereins, für Marketing und Administration. Dieter Sperger und Damir Canadi sind fürs Sportliche zuständig.

Das heißt?

Volgger: Jeder hat seinen genau definierten Zuständigkeitsbereich. Ich mische mich nicht in die sportlichen Belange ein und umgekehrt darf sich auch niemand in die meinen einmischen.

Sperger wird bei den Finanzen trotzdem mitreden.

Volgger: Nein, das darf er nicht.

Warum kam es zu diesen Umstrukturierungen?

Volgger: Wir haben im Sommer gesehen, wie sehr der Verein mit der Person Dieter Sperger verknüpft wird. Probleme des Präsidenten wurden sofort zu Problemen des Vereins und umgekehrt. Der Präsident kann einfach nicht alles machen. Daher haben wir ihn entlastet, uns personell auf eine breitere Basis gestellt und sind nun auch in Krisensituationen jederzeit handlungsfähig.

Stichwort „Causa Sperger“. Wie sehr hat dem Verein der Trubel um den Präsidenten geschadet?

Volgger: Der Schaden war ­enorm. Die Unsicherheit hat uns viele Sponsorengelder gekostet. Wir sprechen hier von 300.000 Euro, die uns fehlen. Zudem war der Imageverlust immens. Hier müssen wir ansetzen.

Welches Bild soll der FC in der Öffentlichkeit abgeben?

Volgger: Wir müssen der Bevölkerung klar machen, dass wir kein „blauer“ Verein sind. Parteipolitik hat im Sport nichts verloren! Wir sind ein offener Verein, haben viele Spieler mit Migrationshintergrund und freuen uns über jeden, der zu uns kommt. Rassismus hat beim FC keinen Platz. Das entspricht auch ganz der Linie von Dieter Sperger.

Also kein FPÖ-Politiker im Stadion?

Volgger: Sie verstehen mich falsch. Wir wollen Politik aus dem Verein heraushalten, nicht Politiker aus dem Stadion verbannen. Ein FPÖ-Politiker kann jederzeit eine Karte kaufen und zu uns kommen, wie jeder andere Politiker auch. Ich freue mich über jeden Zuschauer

Und bezüglich des Images?

Volgger: Wir wollen zukünftig zeigen, dass wir sportlich und wirtschaftlich seriös arbeiten können. Niemand braucht sich zu schämen, ein FCLer zu sein. Wir sind ein Underdog-Verein, aber das macht uns auch sympathisch.

Gibt es ein Vorbild?

Volgger: Vorbilder in diesem Sinn gibt es nicht. St. Pauli in Deutschland ist auch ein Underdog und hat irgendwann den ganz großen Wurf geschafft.

In Vorarlberg?

Volgger: Altach und Austria spielen sportlich wie wirtschaftlich in einer anderen Liga. Obwohl wir im Moment nur einen Punkt hinter Altach sind (lacht). Ernsthaft: Wir dürfen nichts so machen wie die Austria. Nicht weil dort schlecht gearbeitet wird, sondern weil wir unsere eigenen Konzepte umsetzen müssen. Wir müssen unser eigenes Profil entwickeln. Unsere Imagekampagne zeigt schon erste Erfolge, unsere Zuschauerzahlen steigen.

Vor zwei Jahren, wolltet ihr noch den „Vorarlberger Weg“ gehen. Davon seid ihr weit entfernt. Warum?

Volgger: Vorarlberg ist ein kleines Bundesland. Da gibt es eben nicht dieses Spielermaterial wie in Wien.

Also produziert die AKA zu schlechte Spieler?

Volgger: Nein, aber wenn sie raus kommen, sind sie noch zu jung. Wir geben Kooperationsspielern eh die Chance, sich bei uns zu entwickeln.

Sucht der FC aktiv Vorarlberger Kicker?

Volgger: Trainer Damir Canadi schaut sich viele Spiele in der Region an. Wenn er einen talentierten Spieler findet, ist er der Erste, der ihn holt.

Gibt es etwas Neues in der Stadionfrage?

Volgger: Unsere emotionale Heimat ist natürlich das Stadion an der Holzstraße. Dieses ist leider in einem desaströsen Zustand. Profifußball wird es dort nie geben, aber die Holzstraße wird für den Nachwuchs saniert. Auch ein Nutzungsvertrag für das Reichshofstadion wird ausgearbeitet.

Wie sieht die perfekte Sta­dionlösung aus?

Volgger: Ein Stadion und Trainingszentrum am Ortsrand. Die eine Hälfte gehört der Austria, die andere dem FC.

Haben Sie sich diesbezüglich mit der Austria unterhalten?

Volgger: Nein, noch nicht. Aber das werde ich sicher machen. Die Gesprächsbasis ist sehr gut. Vielleicht bekommen wir ein gemeinsames Konzept her. Am besten zusammen mit der Gemeinde, damit es zu keinen Streitereien mehr kommt.

Wo sehen Sie den FC in zehn Jahren?

Volgger: Wir werden in der Bundesliga wie heuer das Unmögliche möglich machen und mit einem vergünstigten Kader gut mitspielen. In einem schönen neuen Stadion.

Interview: Emanuel walser

und michael prock

„Rassismus hat beim FC keinen Platz!“ Michael Volgger, Geschäftsführer FC Lustenau

Zur Person

Michael Volgger

Geb. Datum: 14. August 1972

Familienstand: Verheiratet, stolzer Papa einer siebenjährigen Tochter.

Wohnort: Seit 18 Jahren Lustenau

Hobbys: Den alten Fiat 500 sanieren.

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