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„Vorarlberg hat einen der stärksten Verbände“

Dies sagt kein Geringerer als Sportdirektor Hagen Doering vom weltweit führenden Box- promoter Sauerland Event in Berlin. Seit acht Jahren treten dessen Akteure mit rot-weiß-roter Lizenz an.

Jochen Dedeleit, Berlin

Auf dem Weg zum Berliner Olympiastadion ist es am Tag nach dem 4:4 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation gegen Schweden ruhig. Sehr ruhig. Innerhalb des riesigen Sportgeländes ist die Trainingsstätte des Traditionsvereins Hertha BSC. Auch Sauerland Event ist dort beheimatet. Wilfried Sauerland kann ohne Übertreibung als einer der führenden Boxpromotor weltweit bezeichnet werden.

Die Geschäftsräume sind in einem riesigen (stark renovierungsbedürftigen) Block untergebracht, mehrere Mitarbeiter bereiten derzeit unter anderem den Kampf um die EU-Meisterschaft des Wieners Marcos Nader am 2. November im Multiversum Schwechat gegen Titelverteidiger Roberto Santos (ESP) vor. Und deshalb strahlt Hagen Doering auch. Der Sportdirektor des Berliner Sportpromoters gilt als Entdecker der österreichischen Box-Hoffnung im Mittelgewicht, der in seiner Profilaufbahn bei 16 Siegen in 16 Kämpfen steht.

Dornröschenschlaf

Gleich zu Beginn des Gesprächs mit der NEUE überrascht Doering mit folgender Aussage: „Vorarlberg hat einen der stärksten Verbände in Österreich, das sich in einem Dornröschenschlaf befindet und wiederbelebt gehört.“ Aus diesem Grunde „guckst du, wen es da gibt“. Und so entstand 2004 der erste Kontakt mit der Familie Nader. Mittlerweile ist dem 41-Jährigen auch Leichtgewicht Ivan Obradovic ein Begriff, ein anderer Dornbirner war es schon lange. „Wie heißt der, der in der 2. Liga geboxt und Titel ohne Ende gesammelt hat? Dessen Bruder dem Verband vorsteht?“ Die Rede ist freilich von Jürgen und Bernhard König, auch Obmann des erfolgreichsten Vorarlberger Boxklubs aus Dornbirn.

Obradovic trainiert des öfteren unter Österreichs Nationaltrainer, dem Berliner Adolf Angrick, in der deutschen Bundeshauptstadt. Mit einem Drittel des Budgets hat Doering in der vergangenen Saison auch den Box-Bundesligisten Hertha BSC unterstützt, dessen Trainer Angrick hieß. Und somit die olympischen Boxer, was für einen Profiboxstall alles andere als selbstverständlich ist. Was es aber sein sollte, denn zumeist profitieren diese Boxställe von den „Amateuren“. Sauerland Event profitiert aber auch vom Faustkämpferverband Austria (FVA), unter dessen Lizenz er boxt.

Um Lizenz angefragt

„Es war 2004, als wir dort nach einer Lizenz anfragten“, so Doering. Der Grund war ein überaus trauriger. Der ehemalige Vizepräsident des Bund Deutscher Berufsboxer (BDB), Hans Högner, hatte sich mit antisemitischen und rassistischen Ausfällen ins Abseits gestellt, Sauerland daraufhin den BDB verlassen. „Die Gespräche mit Willibald Palatin, dem Präsidenten des FVA, verliefen reibungslos. Seither stellt der FVA bei Kämpfen, bei denen es sich nicht um eine WM oder EM handelt, das Kampfgericht“, so der Berliner, der in Halle an der Saale geboren wurde und der DDR den Rücken gekehrt hatte, als er als Boxer in Finnland im Einsatz war.

Die Regularien seien überall ähnlich, „innerhalb der EU darf es da auch keine Probleme geben. Was hätte der BDB auch machen sollen?“, fragt Doering, der mutmaßt, dass es dieser unter Umständen gerne sehen würde, wenn Sauerland zurückkehren würde, „aber diese Frage stellt sich für uns derzeit nicht“. Bei der Frage, warum gar der ehemalige Schwergewichts-Champion Evander Holyfield (USA) in Zürich gegen Ex-Weltmeister Nikolai Valuev (RUS) mit einer rot-weiß-roten Lizenz angetreten war, holt der Matchmaker weiter aus: „In den USA ist das Boxen staatlich, da regiert ein anderes Lizenzsystem. Ob in Kalifornien oder Texas, du musst im jeweiligen Staat des Kampfes nach einer Lizenz anfragen. Da haben wir ihm gesagt, du boxt eh in Europa, da können wir die medizinischen Checks auch hier durchführen. Es war eine rein organisatorische Frage, wir haben dafür die österreichischen Unterlagen genommen.“

Doering könne sich nicht vorstellen, dass der damals 46-jährige Holyfield nirgendwoher sonst eine Lizenz bekommen hätte, „es gibt in den USA 50 oder 60 State Commissioner. Bei der Vielzahl von Verbänden sind Sperren und Lizenzen nicht einheitlich geregelt“. Sauerland hat es recht sein können, der Kampfabend in Zürich wurde zu einem vollen Erfolg, auch auf Grund des Rahmenprogramms, in dem Nader bisher Bestandteil war. Am 2. November in Schwechat wird der auf Ibiza geborene Wiener aber mit Sicherheit nicht einer von vielen sein.

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