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„Marcel Mathis ist in einer sehr guten Form“

Nächstes Wochenende beginnt in Sölden mit je einem Damen- und Herren-Riesenslalom die Weltcup-Saison. Wir haben mit ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold (47) über Marcel Mathis, Björn Sieber und Maria Riesch gesprochen.

Herr Berthold, wie geht‘s Ihnen so kurz vor Saisonbeginn?

MATHIAS BERTHOLD: Ich freue mich so wie alle bei uns, dass es wieder losgeht. Endlich geht‘s wieder um Punkte.

Der Saisonauftakt in Sölden passt so wie jedes Jahr nicht so wirklich in den Vorbereitungsplan.

BERTHOLD: Der Termin ist nicht optimal, aber wir haben uns daran gewöhnt. Mittlerweile ist der Saisonauftakt Ende Oktober ja Tradition. Was mich da schon eher stört, ist der Slalom in Levi am 11. November. Der Termin passt gar nicht rein. Aber: Der Rennkalender ist, wie er ist, Lamentieren bringt nichts. Wir wollen in allen Rennen vorne dabei sein, also auch in Sölden und in Levi. Darum haben wir natürlich unsere Trainingspläne schon auch auf diese Rennen abgestimmt.

Im Februar steigt in Schladming die Weltmeisterschaft. Inwieweit wirkt sich das bereits jetzt aus?

BERTHOLD: Die Vorfreude auf die WM ist da. Eine Heim-WM ist einfach etwas ganz Besonderes. Natürlich wissen alle Läufer, dass mit Sölden der Qualifikationsdruck beginnt. Aber im Alltag spielt die WM und damit auch die Quali noch keine Rolle. Das wird sich ändern, je näher die WM rückt.

Wie ist Marcel Mathis in Form?

BERTHOLD: Marcel ist in einer sehr guten Form. Er ist im Training voll dabei.

Und das obwohl er im Herbst die Matura gemacht hat?

BERTHOLD: Der Junge ist eine sehr positive Erscheinung. Man hat ihm überhaupt nie angemerkt, dass parallel zum Skifahren gerade noch etwas anderes Wichtiges in seinem Leben passiert.

Was erwarten Sie von Marcel Mathis in dieser Saison?

BERTHOLD: Ich habe gar keine Erwartungen an ihn. Denn die Erwartungen von außen sind schon groß genug, hinzu kommen noch seine eigenen. Und speziell die eigenen Erwartungen können zum Leistungskiller werden. Die Saison nach den ersten Erfolgen ist genau aus diesem Grund immer recht schwierig. Wenn Marcel seine Leistungen stabilisieren könnte, sprich konstant in die Punkte fährt, dann wäre das sehr positiv. Wenn er es schaffen könnte, konstant in die Top zehn zu fahren, dann wäre das natürlich noch besser und extrem cool.

Ab dieser Saison hat Marcel seinen Vater Guntram „Tschunti“ als Servicemann an seiner Seite, der zuletzt für Bode Miller arbeitete.

BERTHOLD: Prinzipiell ist es so, dass wir sehr gute Leute beim ÖSV haben. Da braucht keiner irgendwen mitzubringen. In diesem speziellen Fall ist es aber die optimale Lösung, weil Tschunti ein absoluter Weltklassemann auf seinem Gebiet ist. Wir sind happy.

Wie stehen die Chancen, dass neben Marcel Mathis ein weiterer Vorarlberger in dieser Saison durchstartet?

BERTHOLD: Die Chancen sind da. Ich traue allen zu, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Fredi (Berthold) hat in der Kombination einen Fixplatz. Björn Sieber kann im Europacup einen Anlauf nehmen, aber auch die Jüngeren Daniel Meier und Linus Walch bringen im Training Leistung.

Stichwort Björn Sieber. Der steht nach seiner schwachen letzten Saison unter Druck und m u s s einen Schritt nach vorne machen. Als reiner Kombinierer wird er es schwer haben.

BERTHOLD: Ja, er steht unter Druck. Seine letzte Saison war schlecht. Und wenn man seine Leistungen aus der Saison 2010/11 analysiert, wird klar, dass er gute Resultate in der Kombination hatte. Aber eben nicht im Riesenslalom – seiner Spezialdisziplin. Da hat er nicht gezeigt, was er kann. Björn bekommt im Europacup eine neue Chance. Wir wollen einfach verhindern, dass eine Situation entsteht, in der er sich nicht mehr weiterentwickeln kann. Ich erhoffe mir ganz klar eine Leistungssteigerung von ihm.

Stichwort Druck: Wie groß ist der Druck auf Marcel Hirscher?

BERTHOLD: Von mir bekommt er gar keinen Druck. Er ist ein junger Läufer und es bringt überhaupt nichts, ihn mit Superstars des Skisports zu vergleichen.

Hatten Sie mittlerweile Gelegenheit, mit Maria Höfl-Riesch zu sprechen? Die Deutsche hat Sie in ihrer Biographe als sehr harten Trainer beschrieben und konkret eine Szene geschildert, in der sie von Ihnen in Anwesenheit einer Mannschaftskollegin kritisiert wurde.

BERTHOLD: Es gab keinen Grund für mich, mit Maria über das Buch zu sprechen. Ich habe sie im Sommer getroffen und mit ihr gegessen. Dabei hat sie mir angekündigt, dass sie das eine oder andere tun müsse, um ihr Buch zu verkaufen. Ich wusste also davon und ich sagte ihr, dass es mir egal sei. Zu der von Maria im Buch beschriebenen Szene: Ich erinnere mich daran. Aber Maria ist unter mir Olympiasiegerin und Weltmeisterin geworden. Mehr brauche ich dazu, glaube ich, nicht zu sagen.

Ist es nicht völlig selbstverständlich, dass man als Trainer manchmal mit den Athleten hart sein muss?

BERTHOLD: Doch. Es gibt Momente, da muss man die Athleten an die Hand nehmen, sie aufbauen. Und dann gibt es Momente, die nach Härte verlangen. Das ist, wie Sie sagen, völlig selbstverständlich.

Die Kritik an Ihrer Person ist eine Sache. Diese lässt sich, wie von Ihnen jetzt, mit Fakten ins rechte Licht rücken. Aber Höfl-Rieschs Andeutungen, dass praktisch jeder mit jedem im Skiweltcup-Tross eine sexuelle Beziehung habe, sehe ich persönlich als deutlich problematischer an.

BERTHOLD: Sehr richtig erkannt. Die Kritik an mir war für die Medien spannender als für mich selbst. Ich kann es einordnen, mich hat das nie beschäftigt. Aber was sie da über den Skiweltcup in den Raum wirft – das geht nicht. Sie schreibt, dass Trainer mit Physiotherapeutinnen, Serviceleute mit Athletinnen und was weiß ich noch wer mit wem Sex hätte. Natürlich ist es so, dass, wenn 500 Männer und Frauen so lange miteinander unterwegs sind, es dann zu der einen oder anderen Verbindung kommt. Das ist doch völlig normal. Aber der Skiweltcup ist genauso wenig ein Pornozirkus wie zum Beispiel der Fußball einer ist. Nur leider hat Maria dieses Wort benutzt.

Sie schadet dem Weltcup.

BERTHOLD: Und genau das ist es, was ich nicht verstehe. Ich habe 40 Trainer unter mir, und alle buckeln wie blöd für relativ wenig Geld. Da hat ohnehin schon fast jeder Probleme, zu Hause, seiner Frau zu erklären, dass er wieder so lange unterwegs ist. Und dann kommt die Maria und schreibt so einen Schwachsinn. Das macht mich wirklich wütend.

Höfl-Riesch hat sich mit dem Buch wenig Freunde gemacht …

BERTHOLD: Sie hat sich für das Buch entschieden, sie muss auch mit den Reaktionen leben. Ich finde das Buch in dieser Form unangebracht.

Interview: Hannes Mayer

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