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schnorrawackler

Wenn Träume in Erfüllung gehen

Sommer 2024: Der ewige Sportlandesrat Siegi Stemer ist fassungslos vor Glück. Die fünfte olympische Goldmedaille innert drei Tagen. Auch Martin Keßler kann seine Rührung nur mit Mühe verbergen, ein gehauchtes „Super Siegi“ ist alles, was über seine Lippen kommt.

Doch es gilt schnell wieder Fassung zu finden. Brust hinaus und Bauch hinein, die Schulter will geklopft werden. Dort eine Umarmung, hier ein Busserl, Huldigungen noch und nöcher.

„Was habt ihr alle gelacht“, denkt Siegi ganz bei sich. Damals, als er die Vision hatte: „Vorarlberg: Sportland Nummer 1 – genial oder utopisch.“ Er hat es im Gemurmel genau vernommen: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Einen deutschen Sozi zu zitieren, noch dazu bei einer Klubsitzung, flankiert von dummem Gekichere – das schmerzte. Ein „Goschn halten – Hände falten“ wäre im fast entglitten, aber dann hat er sich seiner Contenance besonnen: „Lernts Geschichte! Alle großen Ideen sind Kinder eines noch größeren Traums!“ Betretenes Schweigen, ausweichende Blicke, das saß.

Von nun an war das Olympiakonzept Chefsache: „Fordern und fördern“, das war seine Idee. Den Einwand der Pressestelle „Nicht schon wieder!“, wischte er mit einem väterlichen „Gutes bewahren“ beiseite. Auch die Öffentlichkeit reagierte mit gebremster Euphorie: „Nichts als das grelle Schminken einer Leiche“, hatte so ein Wichtigtuer obergescheit gemeint. Aber was wäre aus dem kleinen Kevin geworden, wenn er nicht schon damals im von ihm initiierten Bewegungskindergarten auf einen Sandsack hätte dreschen dürfen? Mit Sicherheit kein Olympiasieger im Boxen! Der Knirps hat aus purer Dankbarkeit seiner Kindergärtnerin gegenüber sogar deren Konterfei ans Sackerl geklebt. Herzzerreißend!

Gerade an der Basis war Überzeugungsarbeit gefragt. Ein gut im Futter stehender Lehrer hat ihn unter stetem Keuchen angebafft: „Seh ich aus, als würde ich mit dem Fahrrad zur Schule kommen?“ Da ist er schon kurz ins Grübeln gekommen. Aber Opfer wurden jedem abverlangt.

Besonders ihm: Es war wohl einer trübsten Tage in seinem Leben, als ihm vom Präsident seines Golfklubs der Austritt nahe gelegt wurde: „Lieber Siegi, dein hohes Handicap wird zur Belastung für den Verein.“ Der Klub wollte eine Spitzenförderung, also zur „Prime-Sportart“ werden, wie er es einst in allem Überschwang formuliert hatte. Wer hätte gedacht, dass ihn der Satz „Gefördert werden nur Maßnahmen, die direkt die Erreichung der vorgegebenen Ziele unterstützen“, einmal so verfolgen würde.

Siegmund Stemer wacht schweißgebadet auf. Er atmet durch: „Gott sei Dank! Golf ist noch nicht olympisch!“

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