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„Der Druck im Frühjahr war enorm“

Im Interview mit der NEUE am Sonntag spricht Adi Hütter über seine Ziele mit Grödig, seine Entlassung in Altach, auch über Druck – und lässt dabei tief in seine Seele blicken.

Glückwunsch zum Sieg. Haben Sie nach dem zweiten verschossenen Elfer noch an den Sieg geglaubt?

ADI HÜTTER: Ja. Ich habe gesagt: „Dann machen wir das Tor halt in der 90. Minute.“ Klar war auch ein bisschen Glück dabei, aber das gehört dazu.

Inwieweit sind Sie eigentlich über den guten Saisonverlauf überrascht? Immerhin haben Sie 13 neue Spieler geholt, und nur sechs sind geblieben.

HÜTTER: Respekt, Sie sind gut informiert. Ja, ich bin schon etwas überrascht. Es war nicht damit zu rechnen, dass es so gut laufen würde. Wobei mir schon bewusst war, dass wir überraschen können. Vor der Saison hätte ich gesagt: Ein Platz unter den Top vier wäre ideal. Aber jetzt schaut die Sache etwas anders aus. Wir haben vier Punkte Vorsprung auf St. Pölten und nur noch drei Punkte Rückstand auf die Austria. Lustenau bleibt der Aufstiegsfavorit, ganz klar, aber wir wollen ihnen Paroli bieten. Wir sind so ein bisschen in der Position, in der letzte Saison der WAC war.

Sie sind in Altach immer sehr unter Druck gestanden. Weil es natürlich der Anspruch des Vereins war, kurzfristige Erfolge zu feiern. Tut es Ihnen gut, dass Sie in Grödig die Chance haben, perspektivisch zu arbeiten?

HÜTTER: Der Druck in Altach war natürlich ein anderer. Aber den Druck haben wir uns selbst gemacht, durch unsere eigenen Ansprüche – und diese Ansprüche hatten wir auch völlig zu Recht. Ich sehe Druck auch als nichts Schlechtes an. In Grödig ist vieles entspannter, was mir natürlich gut tut. Hier kann man auch mal mit einem Unentschieden leben, ich kann viel ruhiger arbeiten. Aber sind wir uns ehrlich: In der Erste Liga zählt nur der erste Platz. Ich habe hier einen Zwei-Jahres-Vertrag und will was bewegen.

Ihr Resümee Ihrer Altach-Zeit?

HÜTTER: Mir fällt unweigerlich der zweitletzte Spieltag der Saison 2010/11 ein. Eine Viertelstunde vor Schluss führt die Austria auswärts bei der Admira 3:1. Wenn sie den Vorsprung über die Zeit bringen, gehen wir als Tabellenführer in den letzten Spieltag, wo wir zu Hause gegen St. Pölten spielen. Ich bin überzeugt davon, dass wir dann aufgestiegen wären. 15 Minuten haben uns gefehlt. So ist meine Mission unvollendet geblieben. Aber ich glaube, ich habe trotzdem über einen langen Zeitraum gute Arbeit geleistet.

Sie haben viel erlebt als Altach-Trainer.

HÜTTER: Oh ja. Die Zeit in Altach hat mich sehr geprägt und ich bin dem Verein sehr dankbar, dass sie mir die Chance gegeben haben. Ich konnte sehr viel lernen in diesen drei Jahren. Wir sind auch nicht im Bösen auseinander gegangen, das möchte ich mal klarstellen. Natürlich war ich sehr enttäuscht, aber das ist normal.

Haben Sie Fehler gemacht?

HÜTTER: Ja, ich habe Fehler gemacht. Und ich bin mir auch nicht zu schade, das zuzugeben. Ich war am Ende nicht mehr souverän. Ich verrate Ihnen was.

Gerne.

HÜTTER: Natürlich habe ich im Frühjahr gespürt, dass da plötzlich etwas anders läuft als in der Zeit davor. Ich habe gesehen, dass wir nicht mehr so gut spielen, wie wir es können, und das hat mich gestört. Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine Souveränität verloren. Wir haben vorhin über Druck gesprochen. In diesen Wochen war der Druck in Altach enorm.

Wie schwer war es für Sie, von einem auf den anderen Moment Altach loszulassen und damit auch das Ziel, dass sie knapp drei Jahre lang mit dem Verein verfolgten – nämlich aufzusteigen.

HÜTTER: (atmet tief durch) Das war unbeschreiblich schwer. Weil Altach ja nicht nur einfach ein Verein für mich ist. Altach ist mein Verein. Hier habe ich in der Jugend gespielt, hier bin ich groß geworden. Da ist so eine Entlassung, so ein Loslassen, wie Sie es richtig nennen, sehr, sehr schwierig. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meine Sachen gepackt habe. Das waren sehr emotionale Momente. Aber auch später sind die Emotionen immer wieder in mir hochgestiegen.

Als Sie noch in Altach waren, waren sie oft von Ihrer Familie getrennt – Sie haben ja ganz in der Nähe von Grödig gebaut. Jetzt können Sie ein normales Familienleben führen.

HÜTTER: Und das ist sehr schön. Es tut gut, abends, wenn man nach Hause kommt, seine Familie um sich zu haben. Dieses Hin- und- her- Pendeln war schon nicht einfach. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin immer sehr gerne nach Altach gefahren, das Umfeld war super dort. Aber abends bin ich halt alleine rumgesessen. Wenn mich meine Frau oder meine Tochter brauchten, konnten wir nur telefonieren, und umgekehrt war es ebenso. Dafür genieße ich jetzt den Luxus umso mehr, dass ich bei meiner Familie sein kann. Ich sage Luxus, weil es im Trainergeschäft nicht alltäglich ist, dass man vor seiner Haustüre einen so reizvollen Job bekommt.

Interview: Hannes Mayer

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